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Argentinien mit seiner Hauptstadt Buenos Aires ist ein wichtiges kulturelles Zentrum der spanischsprachigen Länder Südamerikas. Da das Land von Einwanderern - insbesondere aus Italien und Spanien – geprägt wurde ist man hier traditionell nach Europa ausgerichtet.
Wie überall in der Welt ist aber auch hier bei den Medien und im Lifestile eine Orientierung an den USA festzustellen - immer mit dem Bestreben, besser als die Gringos zu sein.
Vor allem in der Hauptstadt Buenos Aires gibt es ein kulturelles Angebot von höchstem internationalen Rang, obwohl die Kaufkraft auf Grund der herrschenden Wirtschaftskrise in den letzten Jahren merklich zurückgegangen ist. Doch in Zeiten von Krisen boomt oft die Kultur, es gibt eine sehr lebhafte und innovative Theaterszene und auch der argeninische Film hat in letzter Zeit international an Bedeutung gewonnen.
Wer sich auf Stimmung und Menschen in Patagonien vorbereiten möchte, dem sei der hervorragende Film "Historias Minimas" des Regisseurs Carlos Sorín empfohlen. Er lief bei uns in einigen Programmkinos im Original mit Untertiteln.
Auch die Literaturszene ist vielfälig, hier empfehle ich den Roman "El beso de la mujer araña" (1976; Kiss of the Spider Woman) von Manuel Puig. Das Buch wurde mit William Hurt in der Hauptrolle verfilmt.


Bei einem Besuch in Argentinien wird man über einige Umgangsformen staunen oder in manches Fettnäpfchen treten, wenn man sich nicht vorher ein wenig informiert. Vor allem Frauen sollten Bedenken, das die Welt hier für Männer noch in Ordnung ist – sprich es gibt eine ganze Reihe von Machos.
Bei offiziellen Anlässen schütteln sich Männern untereinander die Hand, den Frauen nickt man eher lässig zu. Von ihnen wird oft erwartet, daß sie selbst die Initiative bei der Begrüßung ergreifen.
Ältere Menschen haben einen hohen Stellenwert in der argentinischen Gesellschaft, sie werden zuerst begrüßt und sehr zuvorkommend behandelt.
Sehr auffällig ist die körperliche Kontaktfreudigkeit der Argentinier, die wir in Mitteleuropa verloren haben und die neuerdings wieder in der Schicki-Micki Szene durch angedeutete Küsschen zelebriert wird oder bei Gruppen junger Ausländer in Deutschland beobachtet werden kann.
In Argentinien wird sehr viel umarmt, geküsst und geknuddelt – und zwar wild durcheinander, Männlein mit Männlein, Weiblein mit Weiblein, Freunde und auch vollkommen Fremde. So muss ein Reisender, der an die Tür einer Estancia klopft, durchaus damit rechnen wie ein lange nicht gesehener Verwandter empfangen zu werden. Dazu gehören auch herzliche Umarmungen, hier abrazo genannt, oder gar Küsschen auf die Wange von wilfremden Menschen.


Auf Kleidung wird in Argentinien viel Wert gelegt, vor allem natürlich in den Städten, in denen es von eleganten Damen und meist schwarz gekleideten Herren wimmelt. Auch auf das gepflegte Schuhwerk wird geguckt, was die riesige Anzahl an Schuhläden in Buenos Aires beweist. Badekleidung und Kunterbuntes gehört an den Strand, nicht ins Stadtbild.
In dieser Tradition zeigt das Titelbild dieser Seite - auf einem Friedhof fand eine Fotosession von Modekünstlern statt - eine ganz bewusste Provokation. Die Kontraste zwischen edlen Stoffen und zusammengerafften Fetzen kombiniert mit eleganter Pose sind Ausdruck der kreativen Avantgarde von Buenos Aires.
Auch auf dem Land, wo man traditionell während der Woche in Arbeitskleidung herumläuft, schmeisst man sich für einen Besuch in der nächsten Stadt in Schale. Dann kann der eben noch in abgerissener Kleidung herumlaufende Gaucho plötzlich aussehen wie ein Großgrundbesitzer - und manchmal ist er das auch in Personalunion.
Vor allem an Sonntagen trifft man in den Kleinstädten in Patagonien einige so gut gekleidete Menschen, dass man sich als Tourist mit Trekkinghose und Bergstiefeln vorkommt wie der letzte Schlumpf.


Auch Argentiniens Musikszene ist äußerst vielfaltig, doch jeder denkt sofort nur an den Tango. Der Mix aus Lied und Tanz entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts in in den Hafenvierteln von Buenos Aires und galt lange als verrucht. Der Tango Argentino ist im Grunde ein ruhiges Gehen im 4/4-Takt, verbunden mit weichen, fließenden Figuren - er führt, sie folgt. Schockierens für unsere Urgroßeltern war vor allem die intensive körperliche Nähe.
In Argentinien fristete Tango lange ein Hinterhofdasein, sein gesellschaftlicher Durchbruch gelang erst mit seiner Anerkennung in Europa, als die ersten Einwanderer nach dem Gewinn eines Vermögens wieder auswanderten. Nachdem er dort die Salons von Paris erobert hatte, erlebte er als gesungener Tango auch in seiner Heimat Buenos Aires nach 1920 endgültig den Durchbruch. Dazu verhalf ihm insbesondere der 1890 geborene Carlos Gardel, der unbestrittene "König des Tangos". Auf dem Höhepunkt seiner Karriere starb er bei einem Flugzeugabsturz. Das Grab der Tango-Legende lockt Tag für Tag zahlreiche Besucher auf den Friedhof von Chacarita.

Die 30er und 40er Jahre waren die Hoch-Zeit des Tango. In den 70er und 80er Jahren vertrieb die Militärdiktatur zahlreiche Künstler aus Argentinien. Sie fanden in Europa eine neue Heimat und vom Heimweh getrieben spielten viele dieser Exil-Argentinier ihre Musik. Der Tango, so sagt man, sei "Ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann". So erlebte der Tango in Berlin, Paris und London eine Renaissance, später dann nach dem Ende der Diktatur gelang ein weiteres Mal der Sprung von Europa zurück nach Argentinien.
Wer heute in Buenos Aires durch das Viertel San Telmo schlendert oder in einem der zahlreichen CD Shops in der Innenstadt stöbert, der kommt um den Tango nicht herum. Etliche Tangoshows und Tango-Schulen konkurrieren um Gäste und TänzerInnen, in vielen Tango-Diskos beginnt der Abend pünklich nach der Hauptmahlzeit des Tages um Mitternacht.
Eine ausführliche Linksammlung zum Thema Tango findet man bei www.cyber-tango.com
Auch im deutschsprachigen Raum gibt es eine lebhafte Tangoszene und die Zeitschrift tangodanza.de


Fester Bestandteil argentinischer Kultur ist der Fußball, das Markenzeichen und der Exportschlager Argentiniens schlechthin. Welcher Fan weltweit kennt nicht nicht Namen wie Maradona, Batistuta oder Verón oder berühmte Teams wie die Boca Juniors oder River Plate. Den Hexenkessel des River Plate Stadium kann man beim Anflug auf den Aeroparque, den Inlandsflughafen, aus nächster Nähe von oben bewundern.
Wohl in keinem Land der Welt, außer vielleicht in Brasilien, wird Fußball mit solcher Leidenschaft von den Massen gelebt wie in Argentinien. Jedes Jahr gibt es 2 Meisterschaften, die Torneo Clausura (von März bis Juli) und die Torneo Apertura (von August bis Dezember). Selbst kleine Dorfmanschaften werden auf ihren Touren im Mannschaftsbus von unermüdlichen Fans begleitet - was wir in unserem Hotel in Sarmiento am eigenen Leibe erfahren mussten.
Höhepunkte der nationalen Leidenschaft waren der Gewinn des Weltmeistertitels 1978 im eigenen Land und und im Jahr 1986 in Mexiko mit dem Kapitän Diego Armando Maradona, der als "Hand Gottes" Fußballgeschichte schrieb. Leider machte dieser großartige Fußballer in den letzten Jahren eher durch Drogenaffären und Klinikaufenthalte von sich reden - er hatte gegen Ende seiner Karriere den richtigen Zeitpunkt für seinen Abschied als aktiver Sportler verpasst.

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