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FRIEDHOFSTADT

Das Barrio (Stadtviertel) La Recoleta hat in der Millionenmetropole Buenos Aires einen ganz besonderen Stellenwert. Denn hier wohnen die Reichen, ich habe diesem Viertel eine eigene Seite gewidmet.

Mitten im Herzen des Viertels liegt eine berühmte Atraktion und Besucher von Buenos Aires sollte dieses Highlight auf gar keinen Fall verpassen: Der Friedhof Cementerio de la Recoleta, der seit dem Jahr 1822 existiert. Hier sind die goldenen Zeiten des Landes präsent.

Der sehenswerte Friedhof gleicht eher einer kleinen Stadt in der Stadt als einer Grünanlage. Hier haben sich die Großen und Reichen der Stadt und des Landes ein letztes, meist sehr imposantes Denkmal setzen lassen. Die mehr oder weniger prächtigen Grabstätten stehen in dichten Reihen hinter hohen Mauern, abgeschirmt von der modernen Welt vor den Toren.

Insgesamt gibt es zahlreiche sehr dicht stehende Mausoleen. Die Seitengänge sind nur 2 Meter breit, die Hauptgänge mit den prächtigsten Grabmalen rechts uns links sind wesentlich pompöser. Mit Marmor, Gold und wertvollen Steinmetzarbeiten würde nicht gegeizt. Grünes findet man vor allem im Eingangsbereich.

Namhafte Künstler schufen teils mehr als lebensgroße Statuen, einige preiswertere Gussformen kleinerer Figuren oder Kunstwerke sieht man durchaus auch an mehreren Grabstärtten. Dazwischen immer wieder ein wenig Verfall und Rost, obwohl sich in den letzten 5 Jahren seit unserem ersten Besuch eine Menge getan hat. Einige Pflanzen haben sich im zerfallenen Mauerwerk einen Lebensraum erobert und zahlreiche Katzen streunen in der Friedhofstadt herum und liegen malerisch auf den Treppen der Mausoleen.

Der Eintritt zum Friedhof ist frei, meist kommt man aber doch nicht um einen Obolus herum, denn am Eingang sitzen sehr hartnäckige Damen, die für verschiedene wohltätige Zwecke Geld sammeln - bei unserem ersten Besuch war es die Blinden-Fürsorge. Hier wurde sogar Deutsch gesprochen. So erfuhren wir auch, das über sechzig Mausoleen als Nationale Kulturdenkmäler ausgewiesen wurden.

Direkt am Eingang sorgt eine Tafel für die Orientierung, aber am besten lässt man sich einfach durch die zahlreichen Gassen treiben. Beim zweiten Besuch kamen wir sehr früh am Morgen, was wesentlich angenehmer war. Dann hat man die Gassen noch für sich alleine ohne Reisegruppen auf der Suche nach Evita. Die kommen erst so ab 10:00, 11:00 Uhr - da waren wir schon wieder auf dem Weg in die Stadt.



Wo ist Evita?

Auf dem Friedhof von Recoleta ruht die gesamte Elite des Landes. Man findet Gräber von Staatspräsidenten, Geschäftsleuten, Unternehemern, Künstlern und Kriegshelden. Manche sind reich mit Gedenkplaketten verziert, so wie unten auf dem Bild die Grabstätte von General Sarmiento. Dieses Grab des Volkshelden, Befreiers und Dichters ist als einziges vom Eingang her ausgeschildert.

Auch das Familiengrab der Familie Duarte und somit der argentinische Nationalheldin Evita Perón ist hier zu besichtigen. Vor Räubern schützt eine dicke Stahlgitterplatte, die mit frischen roten Rosen geschmückt ist. Oben auf dem Bild links ist es zu sehen.

Das Grab ist schwer zu finden und liegt ziemlich versteckt in einer Seitengasse am Rand, aber meist weist ein freundlicher Besucher oder ein Friedhofsarbeiter den Weg. Denn fast alle wollen dorthin. Am besten folgt man den geführten Touren oder hält nach einer großen Anzahl von Blumenkränzen Ausschau. Die Grabinschrift auf Evas Grab "Volverá y seré milliones" (Ich werde zurückkehren und in Millionen bestehen) hat sie nicht gerade bei den Nachkommen der hohen Gesellschaftsschicht beliebt gemacht, die um sie herum beerdigt wurden.

Auf Recoleta wird der Verstorbene in jedem Holzsarg zusätzlich in einem Metallbehälter aufgebahrt. Beim Verschließen wird Formol hinzugegeben, eine Chemikalie, die einen geruchsfreien Verwesungsprozeß sicherstellt. Einzige Ausnahme ist Evita Perón. Sie wurde mumifiziert.

Vor allem wegen der Architektur der Denkmäler und Gruften lohnt ein Besuch. Hier sind alle Baustile vertreten, vom Barock über den Klassizismus bis hin zum Art Deco mit bunten Bleikristallfenstern. Das teuerste Mausoleum soll über 1 Million Doller gekostet haben, dafür wurde dort auch viel Gold verarbeitet.

Es gibt griechische Säulen, englische und italienische Baustile, Pomp und Protz, Marmor und Eisen, Schlichtes und maßlos Kitschiges. Eine Gruft sieht aus wie Notre Dame in Paris, eine andere ist streng in schwarzem Marmor verkleidet. Auf einer anderen sitzt überlebensgroß aus Stein gemeisselt der Patriarch und um die Gruft herum zu seinen Füßen trauert, natürlich ebenso überlebensgroß, seine Familie - und ganz oben zerrt ein Engel mit Schwert an Körper des Verblichenen.

Innen geht es auf sehr schmalen Treppen noch metertief unter die Erde, ein ortskundiger Besucher erklärte uns, daß einige der Grufen bis zu 50 m in die Tiefe reichen. Die Grabstätten sind hinter der Einganstür in dem kleinen Vorraum mit dem Devotionalienregal durch eine Falltür oder eine kleine Treppe zu betreten. Tief unten werden die Särge der Familie übereinander gestapelt. In der größten Gruft befinden sich über 170 Särge. Manchmal sieht man neue Särge auch hinter Glastüren stehen, geschmückt mit Blumen, Kruzefixen und Bildern der Verstorbenen.

Oft fehlt auf dem engen Raum nicht einmal eine Sitzgelegenheit für stille Andacht. Besonders eindrucksvoll sind die oft sehr großen Darstellung von Engeln auf den Dächern, man sieht ein Mädchen mit ihrem Hund aus Marmor oder tapfere Soldaten aus dem Krieg gegen Uruguay, die lebensgroß aus Erz gegossen den Eingang einer Gruft bewachen.

Auf Recoleta zeigt sich besonders deutlich an den Familiennamen, daß Buenos Aires eine Stadt der Einwanderer ist. Wir trafen in den Gassen auch einen Modefotografen, der Aufnahmen für ein Magazin machte. Die Models waren in ihren zerfetzten Kleidern und der weißen Schminke im Gesicht gerade passend für einen Friedhof zurechtgemacht. Auf der Seite Kunst und Kultur ein Bild vom Model zu sehen.

Um den Friedhof herum gibt es oft moderne Gebäude, ein krasser Gegensatz zu den alten Baustilen. Das ergibt interessante Fotomotive, wie auf dem ersten Foto zu sehen.

Heinweis: Viele Friedhofsbilder findet Ihr in meiner Recoleta Galerie auf den Fotoseiten.

Die Adresse:
Friedhof von Recoleta
Junín 1760, 4803-1594.
Jeden Tag geöffnet von 7-17.45 Uhr.
Führungen am letzten So des Monats um 14:30 Uhr von März-November.




Google Map zum Thema

Der Friedhof La Recoleta


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Video zum Thema

Cementerio Recoleta, ciudad de espíritus

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