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Im Microcentro, so ziemlich dem Zentrum vom Zentrum, liegen einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Buenos Aires. Manche behaupten auch, das Zentrum der 12-Millionen Stadt ist der Plaza del Congreso – zentral ist alles. Die Calle Florida als Fußgänger- und Einkaufszone ist nur ein paar Blocks entfernt und in 10 - 15 Minuten zu Fuß sind Plaza San Martin, Plaza de Mayo, der berühmte Obelisk, das Teatro Colon und viele anderen Attraktivitäten der Stadt zu erreichen.
Gerade wird am Hafen von Puerto Madero ein vollkommen neues, ultramodernes Stadtviertel gebaut, von dem aus man in wenigen Gehminuten am Präsidentenpalast oder im Geschäftsviertel ist.
Wir haben uns im Microcento tagsüber nur zu Fuß fortbewegt und sind nur mal am Abend die relativ kurze Strecke von unserem Hotel Dazzler mit dem preiswerten Taxi zum Restaurant Happening am Hafen gefahren.

Die am Plaza del Mayo endende Avenida de Mayo steht in dem Ruf, die Prachtstraße Argentiniens zu sein. Immerhin ist sie 33 Meter breit und die mehrstöckigen Palässte im Art Nouveau Stil können selbst mit denen in Paris konkurrieren. Nicht zu Unrecht wird Buenos Aires oft auch mit der französischen Hauptstadt verglichen.
Hier im Microcentro herrscht reges Leben, hier finden sich täglich tausende hastige Geschäftsleute und schlendernde Touristen ein. Wir sahen auch viele Demonstranten, die die Zuschauerdichte nutzten, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.


Bekannt geworden ist die heute verkehrsumbrandete Plaza de Mayo vor allem durch die dort stattfindenden Demonstrationen.
Ein Mittel, um unliebsame Kritiker aus dem Wege zu schaffen, war früher für die argentinische Militärregierung das spurlose "Verschwinden lassen" jener Personen. Die Frauen und Mütter wehrten sich dagegen in aller Öffentlichkeit mit Protesten und erlangten als "Frauen der Plaza de Mayo" eine traurige Berühmtheit.
1983 begrüßten auf diesem Platz hunderttausende Menschen das Ende der Diktatur und hier wurde auch der Kampf um die Islas Malvinas (der Falkland Krieg) bejubelt.
Auch während der Wirtschaftskrise gingen an dieser Stelle die betrogenen Sparer oder die Landwirte (Mehr dazu hier) auf die Straße.

Gut in Erinnerung sind noch die dramatischen Szenen jener Krisenmonate des Jahres 2002, in denen Argentinien in kürzester Zeit fünf verschiedene Präsidenten kommen und gehen sah. Noch heute sind viele Hauswände der Umgebung mit Plakaten beklebt und mit Parolen beschmiert.
Auch als wir vor Ort waren, fand gerade mal wieder eine Demo statt, rechts auf dem Foto zu sehen. Heute sind die Frauen in der "Asociación Madres de Plaza de Mayo" (Vereinigung der Mütter der Plaza de Mayo) organisiert und jeden Donnerstagnachmittag um halb vier treffen sie sich und demonstrieren. Seit 28 Jahren!
Dies führte natürlich zu einer gewissen Routine darin, wie zum Beispiel die Polizei mit Demonstrationen umgeht und umgekehrt. Im Gegensatz zu früheren Zeiten stehen zwischen den Absperrgittern vor der Casa Rosada nur ein knappes Dutzend Polizisten. Die Demonstranten bekommen die benötigte Aufmerksamkeit, auch ohne mit Steinen oder Benzinbomben zu werfen.
Denn an der Plaza del Mayo werden die Unzufriedenen gehört, direkt an diesem Platz liegt die berühmte Casa Rosada. Ein Prachtbau ist der argentinische Präsidentenpalast, 1887 wurde er errichtet. Die Front ist Erdbeereisrosa gestrichen und vom Balkon des Präsidentenbüros hat man einen schönen Blick auf die davor liegende Plaza und auf die Demonstranten.
Um die Ecke machen einige geprellte Kleinsparer Krawall - auf dem Bild ganz oben zu sehen. Mit Transparenten und lauten Trommeln stehen etwa ein Dutzend von ihnen vor der Haupt-Polizeiwache und schimpfen auf die Obrigkeit, welche die Betrüger in den Banken schützt. Vor dem Eingang der Wache steht ein Sperrgitter und drei Polizisten, die sich den Tag nicht vermiesen lassen. Man kennt sich, man respektiert sich, man nimmt es nicht persönlich. Man hat durch die Zeit der Diktatur Gewaltverzicht gelernt - eine bittere Lehre.
Ein wenig enttäuscht waren wir von der leicht verfallenen Pracht, denn die rosa Farbe hat nur für die vordere Fassade gerreicht. Einmal um die Ecke geguckt und das Gebäude ist trist grau. Unten auf dem Foto kann man das gut erkennen.
Berühmt wurde die Casa Rosada auch durch Evita Perón, die vom Balkon aus eine flammende Rede an das Volk hielt. Diese Szene kennt wohl jeder aus dem Musical Evita.
Gegenüber steht der Cabildo, die ebenfalls prächtige Wiege der Stadtverwaltung aus der Kolonialzeit aus dem Jahr 1725. Rund um die Plaza del Mayo gibt es außerdem noch einige unschöne Monumentalbauten an denen sichtlich der Zahn der zeit und die Abgase der Millionenstadt nagen. Mehrere Ministerien reihen sich hier aneinader, Arkaden schützen vor Regen und Sonne und auf den davorliegenden Straßen vernebeln Dieselbusse die Aussicht.
Beherrschend ist auch der riesige Bau der Banco de la Nación Argentina. Die streng klassizistische Kathedrale der Stadt Buenos Aires von 1791 ist ebenfalls sehr monströs. Neben leicht verkommenen Zweckgebäuden finden sich Häuser mit Türmchen, Kuppeldächern, schmiedeeisernen Balkons und Arkaden. Ein bunter Mix aus Pracht und Hässlichkeit.


Aus dem ehemaligen alten Hafen von Buenos Aires, erbaut zwischen 1888 und 1897, hat man heute ein modernes Vergnügungsviertel im Herzen der Stadt gemacht und trotzdem den Charme erhalten. Der Entwicklungplan verwandelte die früher heruntergekommene Ecke im Herzen der Stadt zu einer wahren Perle. Die insgesamt vier Hafenbecken sind untereinander durch schmale Öffnungen verbunden. Ähnlich der Entwicklung der Waterfront in Kapstadt hat auch Puerto Madero eine sensationelle Lage mitten in der Stadt.
3 Meilen lang sind die ehemaligen Speichergebäude aus Backstein, die nun über 60 verschiedene Restaurants beherbergen. Daneben haben sich einige Geschäfte und Büros eingemietet und auch Wohnungen und Kinos sind entstanden. Die Entwicklung geht auch in Zukunft noch weiter, brachliegende Flächen auf der andere Seite der Hafenbecken werden Stück für Stück weiter mit modernen Wohnungen und Büros bebaut.

Zwischen Wasser und Bebauung lädt eine breite Promenade zum entspannten Bummeln ein, auf der anderen Seite herrscht viel Verkehr auf der Av. Alicia M. de Justo.
Die alten Lastkrähne wurden restauriert und dienen angeleuchtet am Abend als fotogene Relikte längst vergangener Zeit. Auch zwei alte Fregatten haben im Hafenbecken ihren letzten Ankerplatz gefunden und können besichtigt werden: Im Becken Drei das Museumsschiff Fregatte A.R.A. Presidente Sarmiento und im Becken Eins das Museumsschiff Korvette A.R.A, Uruguay. Wer es moderner mag: auch der Yachtclub hat hier seine Anlegestellen.
Eine ebenfalls moderne, weiße Fußgängerbrücke namens Puente de la Mujer führt ans andere Ufer, dort liegt die grüne Nahherholungszone der Reserva Ecológica und das Holiday Inn Hotel. Bei Schiffsdurchfahrten kann die Brücke aus dem Weg gedreht werden.
In Puerto Madero ist immer etwas los, am Abend kommen die Porteños gerne in die Bars und Restaurants, die sich auch gegen Mitternacht noch stetig füllen. Die Auswahl ist groß, wir haben uns für das Restaurant Happening entschieden. Wer riesige Fleischmengen sucht, der wird im bekannten Cabaña Las Lilas fündig. Es gibt sehr hochpreisige Restaurants, kulinarische Italiener, stilvolle Bars und auch einfache Parillas.
Alle Infos zum Hafen und zu den Geschäften und Restaurants gibt es hier: www.puertomadero.com


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Puerto Madero mit Museumsschiff
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