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LAGUNA BLANCA

Auf dem Weg von El Peñón bergab ins Tal nach Paraje El Eje gibt es eine Menge zu sehen und es lohnt sich auch einen Abstecher zur Laguna Blanca zu machen. Am frühen Morgen starteten wir nach einer Übernachtung in der Hosteria von El Peñón in Richtung Süden. Die Ruta 43 ist hier mittlerweile komplett asphaltiert und führt durch die karge Berglandschaft.

Erstmal geht es eine ganze Weile wieder bergauf, denn El Peñón liegt innerhalb des großen Kraters des Vulkans Carachi Pampa, deren weite Caldera mit den hellen Bimssteinfeldern wir noch am Tag zuvor von Südwesten her durchquert hatten. Kurz nach dem Ort warfen wir aus der Höhe noch einen Blick zurück auf die weite Caldera, wir mußten uns noch einmal vergegenwärtigen, wie und wo wir diese Mondlanschaft tatsächlich bewältigt hatten. Von hier oben kann man die Ausmaße der Landschaft nur erahnen.

An einigen Stellen verließen wir das Auto, um für einen besseren Ausblick einen der benachbarten Hügel zu erklimmen. Natürlich ließen wir uns von dem blauen Himmel und Sonnenschein nicht hinters Licht führen, sondern hüllten uns gleich in unsere dicken Plüschjacken mit Kapuze. Trotzdem pustete der Wind mit so eisiger Gewalt, das uns die Zähne schmerzten und wir nach jedem Fotostopp schnell wieder ins Auto flüchteten. Auch der Untergrund zeigte sich von der ungastlichen Seite und versuchte die dicken Wanderschuhe mit Kaktusstacheln zu durchbohren - glücklicherweise ohne Erfolg. Zum Ausgleich zeigten sich immer wieder einige Vikunjas zum Teil sehr nahe an der Strasse.


Die Strecke zieht sich in weiten Kurven immer weiter bergan, denn man muss hier einen hohen Pass erklimmen. Etwa 39 Kilometer ab El Peñón hat man die Passhöhe von 3.990 Metern erreicht - die Grafitti auf einem Verkersschild waren nicht ganz eindeutig. Kurz dahinter liegt Pasto Ventura. Dies ist zwar ein Punkt auf der Karte, aber kein Ort, denn hier sieht man nur ein größere Halle, vermutlich die Straßenmeisterei und ein paar Hütten einige hundert Meter abseits der Straße am Berghang. Hier befindet man sich schon im Reserva Provincial Y Reserva de la Biosfera Laguna Blanca. An diesem Punkt verlässt man die Puna Catamarqueña und von hier aus geht es fast ständig bergab und die Landschaft ändert sich.

Auf den ersten Kilometern bergab passierten wir in einer Kurve eine gelb-grüne Wiese mit einigen kleinen Tümpeln. Das Wasser war teilweise noch von Eis bedeckt, hier oben war es sehr windig und kalt. Nur ein paar Anden-Gänse trotzen den Klimabedingungen und liefen am Boden gegen den starken Wind, fliegen war fast unmöglich. Als wir ausstiegen um sie zu fotografieren, flitzte auch noch ein Hase blitzschnell durch die Landschaft. Es ist mir immerhin gelungen, ihn mit der Kamera zu erwischen. In dieser Landschaft wächst nicht viel, meist nur die typischen gelben Grasbüschel, zwischen denen sich die Vikunjas so gut verstecken können. Uns faszinierten auch kleine Sträucher, die wie Mini-Bäumchen aussehen, weiter unten auf dem Foto ist eins davon zu sehen.

Überall sieht man jetzt Vikunjas, die grazilen Tieren weiden in kleinen Gruppen. An diesem Tag haben wir etliche hundert gesehen - ganz zu schweigen von denen, die sich gerade hingelegt hatten oder hinter einem Felskamm verschwunden waren. So zahlreich wie hier sind sie wahrscheinlich nirgendwo, man muss beim Fahren schon aufpassen, denn ständig überqueren Tiere die Straße.

Etwa 23 Kilometer hinter dem Pass zweigt die Straße in Richtung Laguna Blanca nach links ab - eine Sackgasse mit Aussicht. Dies ist sogar ausgeschildert und auf der Nebenstrecke kann man nicht nur schneebedeckte Berge am Horizont, sondern in der Ebene noch mehr Vikunjas als an der Hauptstraße bewundern. Im annähernd 1 Million Hektar großen Naturschutzgebiet kann man auch Füchse sehen und eine große Kolonie der seltenen Andenflamingos hat hier ihr Habitat, zwischen September-November und April-Mai kann man die Vögel beobachten. Wir folgten der Straße ein Stück und sahen die Lagune mit vielen Flamingos rechts liegen. Einen Weg um an das Ufer zu kommen fanden wir leider nicht. Auf einer grünen Wiese mit malerischem Bachlauf weideten Lamas und die Zäune versperrten den Weg zur Lagune.

Da wir an diesem Tag noch bis nach Amaicha del Valle fahren mussten, hatten wir auch keine Lust mehr, noch kilometerweit auf gut Glück an der Lagune vorbei zu fahren, in der Hoffnung, weiter hinten in den Bergen noch einen Zugang zu finden. Weit entfernt sahen wir üppiges Grün, wahrscheinlich lag dort der Ort Laguna Blanca. Flamingos hatten wir ganz nah ja auch schon auf dem Weg zum Paso de San Francisco gesehen. So beschlossen wir nach einer kurzen Rast, den Schotterweg bis zur R 43 wieder zurück zu fahren.


Bergab

Die nächsten 40 Kilometer konnten wir noch den Asphalt genießen. An einer Stelle sahen wir in einer Gruppe Vikunjas sogar einen einsamen Nandu - vermutlich war er von seiner eigenen Familie verstoßen worden und hatte sich zu seinem Schutz den kleinen Andenkamelen angeschlossen. Er hielt sich immer in ihrer Nähe und folgte der Gruppe, soblad sie weiter zog.

Einige Kurven weiter sahen wir noch viel mehr Vikunjas, denn eine kleinen Lagune lag direkt neben der Straße. Dort hatten sich viele Tiere zum Trinken versammelt, waren auf dem Weg dorthin oder zogen schon wieder ab. Einen Teil erschreckten wir durch unsere Ankunft, einige bleiben stehen und schauten uns neugierig an. Ich konnte noch ein paar Bilder machen, dann kam leider ein großer Lastwagen aus der anderen Richtung und verscheuchte auch den Rest.

Dafür hatten wir nur ein paar Kilometer weiter eine andere nette Begegnung. Vier Nandus grasten am Straßenrand und zeigten keine Eile, sich von uns zu entfernen. Vermutlich die Familie unseres vorher entdeckten verlorenen Sohnes - so viele Nandus gab es hier nämlich nicht.

Auf einer kleinen Anhöhe hatte der Wind neben zwei weiten Kurven in der Straße wieder eine Menge Sand zu einer riesigen Düne angehäuft. Direkt davor hatte man malerisch eine kleine Hütte aufgebaut. Die vielen Plastikflaschen mit Wasser zeugten davon, das es sich hier um eine Gedenkstätte für die Difunta Correa handelt.


Kurz vor Los Nacimientos de San Antonio hörte dann ganz plötzlich der Asphalt auf und die Strecke wurde sehr schlecht. Querlaufende Bäche und Geröllbahnen waren bei trockenem Wetter kein Problem, bei Regen könnte es hier gefährlich werden. Nach unserer Karte wechselt hier auch die Bezeichnung der Straße von Ruta 43 nach Ruta 38.

Kommt man aus der anderen Richtung, dann freut man sich ab hier. Wir kurvten nun weiter auf der Schotterpiste, die manchmal direkt an Bauernhöfen von Los Nacimientos de San Antonio vorbei führt. Nach 10 Kilometern Kurven passiert man ähnlich eng das kleine Örtchen Barranca Larga, 5 Kilometer weiter durchfährt man den ersten größeren Ort namens El Bolsón. Nun befindet man sich in einem sehr fruchtbaren Tal mit sumpfigen Wiesen auf denen Kühe und Wasservögel nach Nahrung suchen. Der Rio Bolsón sorgt für Leben und fruchtbare Böden im Tal. Rundum bizarre, schräge Felsen für die man aber kaum Augen hat, weil man auf die Straßenführung achten muss. Die Straße klettert noch einmal über die Cuesta de Randolfo und auf 3.500 Meter Höhe. Von hier hat man einen schönen Blick ins Tal.

Noch einmal 13 Kilometer sind es bis zum hübsch gelegenen Ort Villa Vil, der von riesigen Felsbrocken umgeben ist. Die Häuser stehen hier recht nah am Flussbett, nicht auszudenken, wenn hier mal ein richtiges Hochwasser herunterbraust. Nach weiteren 18 Kilometern hat man dann in Puerta de Corral Quemado mit der Ruta 137 wieder Asphalt unter den Reifen, es geht nach links und nach nochmals 8 Kilometern kommt man in El Eje auf die Ruta 40.

Direkt an der Einmündung wollten wir an der im Bau befindlichen Tankstelle mit nur einer einzigen Dieselsäule tanken. Denn auf den 222 Kilometern zwischen hier und und Antofagasta de la Sierra gibt es keine Tankstelle, Benzin sogar erst 10 Kilometer weiter die Ruata 40 entlang in Hualfin. Michael wendete in einem weiten Bogen schwungvoll den Wagen, um mit der richtigen Seite zur Tanksäule zu stehen zu kommen - und fuhr sich in einem tiefen Sandloch, welches man auf dem Baustellen-Platz gar nicht sah, so richtig fest. Trotz Allrad und Untersetzung ging es nicht mehr vor und nicht zurück - es fehlte eben das Sperrdifferential. Das Gelächter war groß, denn hier kamen uns gleich zwei freundliche junge Männer mit Schaufel zu Hilfe. Nicht auszudenken, dies wäre uns oben in der kalten Einsamkeit der Puna passiert.


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Laguna Blanca


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