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DAS GÜRTELTIER

Es gibt sehr viele unterschiedliche Arten von Gürteltieren (Mammalia, Dasypodidae) und man findet sie ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent. Davon zwei Arten auch in den Steppen des südlichen Patagonien: das Zwerggürteltier (Zaedyus pichiy, Pichi in englisch und spanisch) und das Braunborsten-Gürteltier (Chaetophractus villosus, Larger hairy armadillo, Quirquincho grande) oder auch Peludo.

Angeblich kann man sie gut unterscheiden, denn das ca. 41 cm große Pichi hat einen Schwanz, während das ca. 48 cm große Braunborsten-Gürteltier am Rand des Panzers länger Haare und hinten keinen sichtbaren Schwanz haben soll. In fast jedem der kleinen Museen in den Stützpunkten der Ranger an den Nationalparks konnten wir ein präpariertes Gürteltier bestaunen, bei den versteinerten Wäldern von Jaramillo gab es beide Arten auf ein Mal zu sehen. Dummerweise so aufgestellt, dass wir die Schwänze nicht sehen konnten. Wenn man die Bilder und Beschreibungen in den wikipedia-Beiträgen oben anschaut oder die Lehrtafel aus einem Nationalpark unten, so sind wir gar nicht mehr sicher, was wir eigentlich wo gesehen haben. Borsten und Schwänze habe dort beide Arten, und der Größenunterschied ist nicht wirklich relevant. Aber der Schwanz des Pichi ist mehr fein geschuppt wie eine Schlange, der Schwanz des Peludo eher geringelt wie die Gürtelringe um den Körper. Mit diesem Unterschied bewertet haben wir wohl immer nur Pichi gesehen.

Gürteltiere sind Säugetiere und sie gehören zur Familie der Nebengelenktiere. Zusammen mit Faultieren und Ameisenbären sind sie die letzten Überlebenden dieser Gruppe, die im Tertiär ihre artenreichste Zeit hatte.

Die Übersetzung für Armadillo lautet ungefähr: Bewaffnete oder Gepanzerte. Diesen Namen verdanken die Tiere ihrem Hautknochenpanzer, der im Reich der Säugetiere einzigartig ist.

Der Panzer schützt sie vor Feinden, er ist im Gegensatz zu dem einer Schildkröte aber nicht fest und starr sondern lässt sich bewegen. Viele gürtelartige Knochenringe, die durch Hautfalten zusammengehalten werden, ergeben zusammen diesen Schutz. Zur Bauchseite hin ist die Panzerung offen, dort hat das Tier dafür dann Haare.

Der Schwanz und auch die Füße sind mit harten Verknöcherungen überzogen. Ein Gürteltier hat lange Krallen, die es dem Tier ermöglichet, sich ebenso wie ein australisches Echidna blitzschnell in den Boden zu graben. Kein Angreifer holt es dann da wieder wieder heraus.

Auch das Gesicht ist fast völlig von einen Hornpanzer geschützt. Gibt es keine Gelegenheit zum Eingraben oder Verstecken so können sich Gürteltiere auch zusammenrollen. Dabei ergeben alle diese Hornpanzer zusammen eine Art gepanzerte Kugel. Allerdings nur bei einer einzigen nicht in Patagonien beheimateten Art schließt sich diese Kugel wirklich lückenlos, aber auch die anderen Arten sind so vor kleineren Räubern wie zum Beispiel einem Fuchs gut geschützt.



Begegnungen

Wir hatten während unserer ersten, 4 Wochen dauernden ersten Rundreise durch Patagonien einige Begegnungen mit dem Pichi, der kleineren Gattung der in Patagionien lebenden Gürteltiere.

Die erste Sichtung war eher traurig und fand auf der Halbinsel Valdés statt: dort lag ein überfahrenes Tier am Straßenrand, ein Zeichen für die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. Auf dem kleinen Bild ist es zu sehen. Eigentlich hatten wir überall gelesen, dass dieses Tier an einem Parkplatz auf der Halbinsel besonders zutraulich sind. An keinem Parkplatz sahen wir auch nur ein Härchen vom "Larger hairy Armadillo", fanden nur bei einem Abendspaziergang ein weiteres totes Tier in der Nähe unserer Unterkunft. Danach passierte lange nichts mehr.

Unser erstes lebendiges Pichi sahen wir dann erst knapp zwei Wochen später an der Ruta 40, obwohl wir immer nach den Tierchen Ausschau gehalten hatten.

Es lief etwas abseits der Straße von einer Sandfläche in niedriges Gebüsch, als es unser Auto hörte. Da uns der sich bewegende runde Stein aus dem Augenwinkel sehr merkwürdig vorkam schlossen wir messerscharf auf das lang erwartete Gürteltier. Schnell hielten wir an und sprangen aus dem Wagen, bewaffnet mit der Kamera.

Dann suchten wir erst einmal eine ganze Weile, obwohl es dort, wo das Tier verschwunden war, nur einige kleine niedrige Büsche und übersichtlichen Boden gab. Michael entdeckte das Gürteltier dann schließlich doch unter einem Busch sitzend, nur etwa zwei Meter von der ersten Sichtungsstelle entfernt. Dort war der Boden steinig und es konnte sich nicht eingraben, eine Astgabel behinderten sein Vorwärtskommen. Also stellte es sich tot, und sein steinfarbener Panzer stellte eine gute Tarnung dar. Erst streichelte Michael sachte den gepanzerten Rücken. Zwischen den Panzerringen stehen regelmäßig etwa 5 cm langen Borsten heraus, dick wie ein Pferdehaar und von der Funktion her eine Art Sensor. Bei Berührung der Borsten zogen sich die Ringe des Panzers noch etwas stärker zusammen.

Dann nahm er das Pichi vorsichtig rechts und links am Panzer und konnte es ganz langsam und sachte hochheben. Extrem achtsam hielt er das Tierchen hoch - die Kleinen können mit ihren scharfen und harten Grabklauen schlimme Verletzungen verursachen. Dann machte er den Fehler das Tier auf den Rücken zu drehen, um einen neugierigen Blick auf den haarigen Bauch und das Gesicht zu werfen. Es handelte sich offensichtlich um ein Männchen. Aber die Rückenlage gefiel dem Opfer gar nicht, ebenso wie ein Käfer nie auf dem Rücken liegen will.

Ganze 1-2 Sekunden hielt Michael das kleine Gürteltier in den Händen, die reichten, um das folgende Bild zu machen. Dann streckte sich das Tier in einem Schutzreflex ruckartig, sprang auf den Boden und rannte in Richtung weiche Erde, wo es sich blitzschnell eingrub. Ein zweiter Versuch es hochzuheben scheiterte, weil sich das Kleine mit den Krallen im Boden fest einhaken konnte.

Noch ein paar mal sahen wir in den folgenden Tagen ein Gürteltier über die Straße laufen, die anschließende Suche bleib aber oft erfolglos. Entweder verschwand es in seinem Bau oder im dichtem Gestrüpp. Die Tiere reagieren anscheinend sehr empfindlich auf die Erschütterungen, die ein fahrendes Auto auslöst und flüchten sofort mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Trotzdem sind mir einige Bilder gelungen, wie man auf dieser Seite sehen kann. Erstaunt haben uns dabei immer wieder die relativ langen Beinchen und die Fluchtgeschwindigkeit, beim Rennen über einen Erdhügel hat sich eines der Pichis fast überschlagen...

Beim zweiten Patagonienurlaub im Oktober 2014 hatten wir dann mehr Glück und sahen unterwegs insegsamt fünf verschiedene Gürteltiere. Und es gab noch eine sehr schöne Sichtung auf dem Parkplatz von Punta Norte auf der Península Valdés 2014, daher stammen viele Bilder auf dieser Seite. Wir hatten das neugierige Tierchen eine ganze Zeit lang für uns alleine und konnten viele Bilder machen.



Video zum Thema

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