Archiv : Die Infos und Bilder auf dieser Seite sind aus dem Jahr 2003

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GLACIAR PERITO MORENO

Der berühmte Gletscher Perito Moreno, 80 km von El Calafate entfernt und im Nationalpark Los Glaciares gelegen, ist der weitaus wichtigste Gletscher der Welt.

Denn überall auf der Erde befinden sich die Gletscher auf dem Rückzug und schmelzen langsam aber sicher ab. Nur der Perito Moreno ist eine Herausforderung an die Wissenschaftler und eine Ausnahmeerscheinung, denn dieser Gletscher ist der einzige weltweit der genau so schnell oder schneller hinten nachwächst wie er vorne schmilzt und abbricht. Er bleibt also konstant. Grund dafür sind nach neuesten Forschungen am Gletschergrund verlaufende Bäche von Schmelzwasser, die das Eis wie eine Schnecke auf Flüssigkeit gleiten lassen. Als Ursache dafür vermutet man wärmere Stellen im Untergrund. Schließlich gibt es genug aktive Vulkane in den Anden.

Auch die anderen Gletscher der patagonischen Eisplatte im Nationalpark Los Glaciares schmelzen schneller als sie nachwachsen.

Die Gletscherzunge gegenüber der Aussichtsplattform erhebt sich 60 Meter hoch aus dem Lago Argentino. Die Bilder geben kaum die Dimensionen wieder, wer nicht davor gestanden hat der vermag sie in Ermangelung eines Maßstabs kaum einzuschätzen.

In der Mitte der Gletscherzunge hat man einen täglichen Schub von 2 Metern gemessen, am Rand sind es immerhin noch 35 Zentimeter. So verformt sich der Perito Moreno langsam aber sicher und fließt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 450 Metern im Jahr bergab.

Benannt ist der Gletscher übrigens nach Francisco Pascasio Moreno. Perito ist kein Name, sondern ein Ehrentitel der so viel wie "Fachmann" oder "Sachverständiger" bedeutet. Der Forscher, der von 1852-1919 lebte, war auch ein Fachmann auf seinem Gebiet: Während zahlreicher Expeditionen erforschte er die Tier- und Pflanzenwelt und die Geographie Patagoniens. Ihm zu Ehren ist auch noch ein Ort an der Ruta 40 und ein eigener Nationalpark an der Grenze zu Chile benannt - Grund genug für Verwirrung.

Hier ist das aktuelle Wetter für einen Besuch am Gletscher.

La Ruptura

Für die Wissenschaftler und die Tourismusindustrie vor Ort ist noch ein weiteres Phänomen im Zusammenhang mit diesem Gletscher von großer Bedeutung: La Ruptura

Durch den ständige Gletschervorstoß erreichen die Eismassen irgendwann das gegenüberliegende Ufer. Eine früher behauptete Regelmäßigkeit ist allerdings zufällig. Eine Weile lang geschah das alle drei bis vier Jahre, nun hat passierte es über 15 Jahre lang nicht. Woran das liegt kann niemand mit Bestimmtheit sagen.

Mit diesem Vorstoß trennt der Gletscher den nördlichen und südlichen Teil des Lago Argentino voneinander. Der Canal de los Témpanos, Kanal der Eisberge, war gerade frisch blockiert als wir im Dezember 2003 vor Ort waren. Das Eis schob sich mit seiner Spitze schon auf die Felsen unterhalb des Aussichtspunktes. Wohl schon seit Beginn des Herbstes 2003 wurde der See an dieser Stelle vom Eis geteilt.

Da der Lago Argentino über den nördlichen Teil entwässert und auch in den südlichen Teil einige Flüsse, Bäche und Gletscher hineinfließen bewirkt die zeitweilige Staumauer aus Eis auf Dauer einen Pegelunterschied von über 30 m auf den beiden Seiten der Blockade. Der durch den Höhenunterschied des Wassers erzeugte Druck, verstärkt durch die Schmelze im Sommer, wird dann irgendwann zu stark und die Eisbarriere explodiert regelrecht. Besucher, Fernsehteams und Wissenschaftler aus aller Welt reisen zu diesem Spektakel an. Ein gefährliches Schauspiel, auf spanisch La Ruptura genannt.

Gefährlich daher, weil riesige Eisbrocken jeder Grösse dann wie Geschosse mit ohrenbetäubendem Getöse in den Lago Argentino schießen und von den sich entladenden Spannungen hunderte von Metern weit durch die Luft geschleudert werden. Seit 1960 gab es durch solche Ereignisse über 30 Todesopfer.

Seit den ersten Aufzeichnungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam die Eiswalze mehrmals bis zum gegenüberliegenden Festland. Das beeindruckenste Ereignis dieser Art fand wohl im Jahr 1970 statt. Da blockierte der Gletscher nicht nur den Kanal, sonder stieß auch in den Wald hinter der jetzigen Aussichtsplattform vor. Im März 1972 stand das Wasser auf der Südseite dann 37 Meter über dem Normalzustand und der immense Druck entlud sich schließlich in einem grandiosen Durchbruch.

Ein 170 Meter breiter und 40 Meter hoher Tunnel öffnete sich und das gestaute Wasser schoss mit einer Geschwindigkeit von 8.000 Kubikmetern pro Sekunde heraus. In El Calafate kann man überall Videos von diesem Ereignis kaufen. Denn den wenigsten Besuchern ist es vergönnt, so etwas mal live zu erleben.

Am Rand des Gletschers sieht man heute noch Baumskelette, ein Beweis für die Zerstörungskraft. Auch derjenige Arm des Sees, in dem der Wasserspiegel bei einer Ruptura steigt, hat kahle Überflutungsflächen am Rand, auf denen nichts mehr wächst und nur vereinzelt kahle Bäume in den Himmel ragen. Hier steigt der Wasserspiegel immerhin alle paar Jahre um 15 bis 25 Meter. Das letzte Mal vor unserem Urlaub fand das Ereignis der Ruptura dann im Jahr 1988 statt, das Wasser stand vorher 18 m höher als auf der Nordseite.

Ruptura 2004

Und dann war es endlich wieder so weit: Mitte März 2004 war der Wasserspiegel auf der südlichen Seite der Eisbarriere so weit gestiegen, daß sich über mehrere Tagen eine neue Ruptura ankündigte. Der Wasserdruck hatte im Gletscherinneren einen Riss gefunden und im Laufe der Zeit einen kleinen Tunnel gebohrt, dessen Strömung aufmerksame Beobachter alarmierte. Etliche Tausend Touristen, Journalisten und Wissenschaftler machten sich auf den Weg, alle verfügbaren Unterkünfte in der Umgebung waren ausgebucht.

Über drei Tage hinweg erweiterte sich der Tunnel immer mehr, aus einem flachen Bogen direkt über dem Wasserspiegel wuchs allmählich ein immer größeres Loch im Gletscher. Am Abend des 14.03.2004 schließlich bahnte sich das Wasser endgültig seinen Weg, die Strömung erweiterte den über Wasser sichtbaren Tunnel zu einer über 40 m durchmessenden und noch längeren Röhre. Zu guter Letzt stürzte die Eisbrücke über den wieder geöffneten Canal de los Témpanos Stück für Stück ein. Unter gewaltigem Getöse und begleitet vom explosionsartigen Aufstieben der von den fallenden Eisbergen verdrängten Wassermassen verlor der Perito Moreno seine Verbindung zur Halbinsel mit den Besucherterassen.

Danach war die Eismauer wieder etwa 80 m vom gegenüberliegenden Ufer entfernt, auf dem nur noch wenige Eisreste lagerten.

Eine Gletscher-Galerie gibt es auf meinen Fotoseiten - leider nicht von der Ruptura!

Video zum Thema

Ruptura - Caida del glaciar Perito Moreno

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