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ABDÒN CASTRO TOLAY

Nachdem wir eine Nacht in der Hosteria El Unquillar etwas außerhalb von Susques verbracht hatten, starteten wir am nächsten Morgen in Richtung Abra Pampa nach Nordwesten. Von dort aus wollten wir unser nächstes Übernachtungsziel erreichen: das einsame Bergdorf Iruya, in der dortigen Hosteria hatten wir die nächste Übernachtung gebucht. Der Tag begann mit schöner Landschaft. Dann kam ganz viel Nichts und endete mit einer spektakulären Anfahrt nach Iruya.

Mehrere Wege führen von Susques aus in den Norden, doch zuerst mussten wir tanken. Auf der Suche nach der Tankstelle fuhren wir erst einmal vergeblich durch den staubigen kleinen Ort, der durch einen Erdwall notdürftig von der Nationalstrasse abgetrennt ist. Hier sind eigentlich nur zwei Dinge bemerkenswert: Susques liegt in der Puna auf 3.896 Metern Höhe und gilt damit als höchstgelegener Ort Argentiniens, der auf einer asphaltierten Straße erreichbar ist. Und die kleine Iglesia de Susques ist sehenswert, sie liegt direkt an der asphaltierten Ruta Nacional 52, die von Purmamarca über den Paso de Jama nach Antofagasta in Chile führt. Im Gegensatz zu der Tankstelle, die wir vom Hotel kommend über die westliche Zufahrt in den Ort hinein erst einmal nicht fanden. Es parkten nur überall die mit Staub bedekten großen LKW der Speditionen, die hier auf dem Weg von und nach Chile Rast machen und Reparaturen durchführen lassen. Ratlos fuhren wir über die östliche Zufahrt wieder auf die Ruta 52 hinaus und kehrten wieder zur westlichen Zufahrt zurück, um es noch einmal zu versuchen.

Und auf diesem Weg erspähten wir tatsächlich die "Tankstelle". Nahe der Nationalstrasse ist das Gelände etwas erhöht, dort reihen sich einige Schuppen, Hallen und Werkstätten aneinander und ragen etwas über den Schutzwall hinüber, vom roten Staub eingefärbt oder aus dem gleichfarbigen Lehm errichtet. Und zwischen zwei solchen Hütten glänzte matt eine vom gleichen Staub eingepuderte Zapfsäule hervor. Wer vermutet sie schon auf einem staubigen Hügel, der von der Straße nur schwer einsehrbar ist? Kein Schild, keine bunte Reklame, kein großzügiges Dach, nicht deutete ansonsten auf die Tanke hin. Wir kurvten also wieder in den Ort hinein, nahmen die erste Zufahrt auf den Hügel und entdekten hinter den lehmroten Hütten schließlich zwei Zapfsäulen mit LKW-gerechter Rangierfläche - natürlich nicht asphaltiert. Hier mussten wir eine Weile auf Bedienung warten, der Tankwart wohnte in der Hütte daneben und mußte sich anscheinend erstmal in die Arbeitskleidung werfen.

Schließlich klappte dann alles hervorragend und mit frisch gefülltem Tank machten wir uns auf den Weg. Zuerst überquert man mal wieder die Grenze von Jujuy nach Salta und folgt der Ruta Nacional 52 in vielen Kurven durch die Berge. Nach einigen Kilometern folgten wir der unscheinbaren Abzweigung der Ruta Provincial 75 nch Norden in Richtung Abdón Castro Tolay im Departamento Cochinoca gelegen.

Zuerst war es noch recht langweilig, die Straße führt durch flaches Land Nach 14 Kilometern kommt dann der malerische kleine Ort in Sicht, sehr schön in einem fruchtbaren Flusstal inmitten karger Landschaft gelegen. Schon der Koch Juan in unserer Unterkunft in Susques hatte uns darauf hingewiesen, hier sei es "muy lindo". Abdón Castro Tolay ist auch als Barrancas bekannt und wurde im Jahr 1919 gegründet. Auffallend ist die nette Kirche mit doppeltem Glockenturm, wie in jedem Puna-Dorf gibt es Fußballplätze und einen außerhalb gelegenen ummauerten Friedhof, an dem die Straße vorbeiführt. Die Menschen hier leben von Schafzucht, Lamas und vom Weben.

Direkt hinter dem Ort beginnt ein beeindruckendes Tal, das von hohen Felswänden begrenzt ist. Die Straße windet sich oberhalb des Flusstals an den Hängen entlang. Wenn man hier aussteigt, fällt einem die absolute Ruhe auf. Diese wurde nur von einem schrillen Kreischen unterbrochen und nach einiger Suche fanden wir auch die Verursacher: kleine, grüne Papageien. Die Biester saßen natürlich ganz weit oben auf den Felsen und schimpften auf uns herunter. Nur mit Fernglas und Tele-Objektiv zu erkennen.

Aber auch landschaftlich hat das Tal einiges zu bieten, die scharfen senkrechten Felsen weisen bei näherer Betrachtung hübsche Muster auf, welche die Erosion geschaffen hat. Es soll hier auch Petroglyphen und Höhlen geben, die man ohne örtlichen Führer aber nicht findet. Insgesamt ein sehr schöner Straßenabschnitt, den wir ganz für uns alleine hatten. Die Ruta Provincial 75 mündet dann am Ende auf die ein klein wenig größere und breitere Ruta Provincial 11, der wir durch die Puna Jujeña nach Abra Pampa folgten.




Abra Pampa

Schon die spanischen Konquistadoren fanden in der Region Indiovölker vor, die Casabindos und Cochinocas, die sich dem Bergbau widmeten. Die Straße führt vorbei am Ort Casabindo, wo alljährlich der einzige argentinische Stierkampf Publikum aus anderen Landesteilen anzieht, und an der Abzweigung nach Cochinoca. Der Reichtum an Bodenschätzen ließ ihn einst zur wichtigsten Siedlung der argentinischen Puna werden, wir haben den Abstecher aber nicht gemacht. Insgesamt wurde die Landschaft hier flacher und trocken. Unser Auto wurde auf der staubigen Piste mit klebrigem, braunen Dreck gepudert.

Abwechslung am Wegrand bot eine große Lamaherde, die wie so oft von wilden Vikunjas begleitet wurde. Als ich die Tiere fotografieren wollte, gab der Autofokus meiner Kamera den Geist auf. Er funktionierte einfach nicht mehr und alles musste per Hand fokussiert werden. Ziemlich verzweifelt setzten wir den Weg fort und konzentrierten uns mehr auf unser neues Problem als auf die eher uninteressante Landschaft. Am Ende des Tages, in Iruya, funktionierte dann nach Reinigung der Kamera und einer Schüttelorgie wieder alles einwandfrei...

So erreichten wir ziemlich schnell Abra Pampa, die Hauptstadt des Departamento Cochinoca im äußersten Nordwesten Argentiniens. Nach dem Grenzort La Quiaca ist sie die zweitgrößte Stadt in der argentinischen Puna. Die Ruta Nacional 9 verbindet Abra Pampa durch die Quebrada de Humahuaca mit der Provinzhauptstadt San Salvador de Jujuy, die 224 Kilometer weiter im Süden liegt. Nach Bolivien sind es von hier aus nur noch 73 km nach Norden. Abra Pampa liegt auf einer Höhe von 3.484 Metern am Fuß des sieben Kilometer südlich gelegenen Cerro Huancar.

Abra Pampa ist ein staubiger Ort mit niedrigen Häusern und die Ruta Nacional 9 führt breit mitten hindurch, wir hatten mit vollem Tank und vollem Magen keinen Grund, hier anzuhalten. Viele große Überlandbusse halten hier und auch für Fernfahrer bietet der Ort eine gute Infrastruktur. Kurz hinter dem Ort Abra Pampa beginnt (oder endet) die Ruta Nacional 40, zumindest in ihrer Routenführung bis 2005, eine staubige Abzweigung, an der es gar nichts zu sehen gibt und zur Linken kommt man einige Kilometer weiter an einen bunten und recht bizarren Felsrücken vorbei. Hier musste wir auch mal wieder einen Polizeiposten passieren, der junge Polizist war mit Recht sehr stolz auf ein paar Englischkenntnisse. Der Verkehr auf der Ruta Nacional No. 9 ist recht dicht, denn dies ist der direkte Weg von Salta zur Grenze nach Bolivien. Dem entsprechend viele der großen Überlandbusse verkehren hier.

Ab Tres Cruzes folgt die Straße einem Flusstal durch die Berge und man kann immer wieder zerfallene Eisenbahnstrecken, Brücken und Tunnel erkennen. Etwa 14 Kilometer hinter Azul Pampa biegt dann die Ruta Provincial 13 von der Quebrada de Humahuaca nach Westen ab, in Richtung Itube und weiter bis zum von hier aus 54 Kilometer entfernten Iruya, dem nächsten Ziel unserer Reise.



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