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ABRA DEL ACAY

Nachdem wir den Weg von Cachi über La Poma bewältigt hatten, folgte hinter dem Weiler El Trigal die eigentliche Auffahrt zum Ziel: Die Passhöhe Abra del Acay, die auf 4.895 Metern Höhe in der Provinz Salta liegt. Direkt am Fuß des Nevado del Acay (5.950 m).

Die durchschnittliche Steigung der unasphaltierten und meist einspurigen Strecke beträgt 4,5 Prozent. Die Passstraße wurde am 8. Juli 1960 nach 3 Jahren Bauzeit für den Verkehr freigegeben. Sie gilt somit als die höchste, mit Autos befahrbare Passhöhe der Welt. Und wenn man schon mal in der Gegend ist, sollte man hier auch unbedingt hin, kann dies aber nur begrenzt. Im Sommer ab Dezember schwemmen Wolkenbrüche die Passstraße weg und machen sie bis ca. Mitte April unpassierbar. Schneewehen sorgen nicht selten für eine Vollsperrung im Winter. Man sollte sich bei der Polizei in Cachi, Payogasta oder La Poma auf jeden Fall über den Straßenzustand informieren.

Die Anfahrt von der Südseite ist lang, hat man den Pass erreicht dann sind die zirka 30 Kilometer kurvige Abfahrt nach San Antonio de los Cobres nur noch ein Klacks. Uns kamen von dieser Seite auch zwei Kleinwagen ohne Allrad entgegen, die Fahrt ist ab San Antonio de los Cobres erschien uns einfacher, aber der Rest der Strecke zieht sich dann und ist ohne 4x4 eher beschwerlich und nimmt viel mehr Zeit in Anspruch. Vielleicht sind die ja auch kürz über den Pass gefahren und dann wieder den gleichen Weg zurück.

Wir kamen jedenfalls von La Poma und genossen die vielen Kurven, die sich immer höher in die Berge schraubten. Immer karger werden hier die Berge und am Wegrand sieht man noch die Grundmauern von verlassenen Gehöften. Zahlreiche Kurven später hat man den Eindruck, man wäre kaum von der Stelle gekommen, schaut man doch von weiter oben auf genau diese Grundmauern wie aus einem Hubschrauber heraus. Der einzige Mensch auf der Strecke war eine alte Frau, die in farbenprächtiger Tracht mit ihren fünf großen Hunden zu Fuß unterwegs war. Da die Menschen in dieser Region nicht gerne fotografiert werden, verzichtete ich schweren Herzens auf ein Foto, denn der Anblick war malerisch. Ein wenig weiter bergauf verstanden wir ihre Anwesenheit, denn eine große Herde bunter Lamas bewegte sich grasend durch die karge Landschaft. Direkt neben der Straße entdeckten wir auch noch eine kleine Herde Vikunjas, die sich ihre domestizierten Verwandten sicher mal anschauen wollten.

Die Strecke ist stellenweise mit groben Felsgeröll übersät und in der Höhe kommen erste Schneefelder und gefrorene Bäche in Sicht. Am Wegrand kann man grüne Polsterpflanzen sehen, die ganz hart sind, fast schon wie ein Korallenriff und kleine Wunderwerke. Dieses Andenpolster, je nach Schreibweise Yareta oder Llareta (Azorella compacta) stammt aus der Familie der Doldenblütler (Umbelliferae) und ist eine der wenigen Blütenpflanzen, die ausschließlich in extremen Höhenlagen um die 4.000 m zu finden sind. Diese Pflanzen wachsen extrem langsam, die Wachstumsrate beträgt im Jahr nur rund 1,4 Millimeter. Daraus lässt sich anhand ihrer Größe für besonders große Pflanzen ein Alter von bis zu 3.000 Jahren errechnen. Da man die Pflanzen früher sogar als Brennmaterial für Dampfloks verwendet hat und sich heute verstärkt die Medizin für sie interessiert ist ihr Bestand gefährdet. Leider findet man sie nur noch vereinzelt in abgelegenen Regionen, so wie hier an der Passtrasse.

Die ganze Zeit fragten wir uns, wo die laut Autovermietung so gefährlichen Abschnitte mit "moving earth" den kommen würden, wo auch 4x4-Fahrzeuge ohne fremde Hilfe nicht weiter kommen würden. Nach dem Sommerregen mag das vorkommen, im Oktober 2009 war die Strasse war in ziemlich güten Zustand, was ja auch die schon erwänten Kleinwagen bezeugten. Und doch hat es uns nur wenige Kurven vor der Passhöhe erwischt: Michael wollte Platz machen für einen uns entgegen kommenden Corsa und hatte in den Serpentinen eine entsprechend breite Stelle entdeckt. Ausgerechnet hier floss ein kleines Rinnsal unverfänglich über den Weg, welches schon auf der Strassenmitte fast versickerte - unten auf dem Bild zu sehen. Und in dem schmalen Streifen rechts von der Strasse hatte dieser Bach im Lauf der Zeit ausreichend Erde zu einem länglichen Sumpfloch zusammengeschwemmt, in dem unsere zwei rechten Räder fast sofort bis zur Achse versackten. Trotz Allrad sind wir mangels Achssperren hier nur mit Mühe wieder heraus gekommen, die Reifen drehten ziemlich durch. Die vermutlich einzige Stelle zum Festfahren hatten wir somit treffsicher gefunden...




Oben angekommen

Nach stundenlanger Fahrt kamen wir dann endlich am Höhepunkt des Tages an, im doppelten Sinn: Die Höhe des Passes wird gewöhnlich mit 4.895 Meter über dem Meeresspiegel angegeben. In Argentinien ist die Ruta 40 die längste Nationalstraße und im gesamten Amerika eine der berühmtesten Fernstraßen - und hier ist der höchste Punkt der gesamten Strecke. Neuere Messungen mit GPS ergaben eine Höhe von 5.061 Meter über dem Meeresspiegel und die Koordinaten betragen 24° 23' 0? S, 66° 14' 0? W.

Dort oben ist es stets recht windig und wir waren dankbar für unsere dicken Jacken mit Kapuze. Der Lohn der Mühen hier herauf zu fahren sind fantastische Ausblicke auf Bergpanoramen, die sonst nur die Ur-Bewohner dieser Region sehen können: Lamas, Vicunhas, Chinchillas und sogar einige Pumas soll es hier geben. Sie leben in dieser eigentlich lebensfeindlichen Hochwüste.


Entgegen unserer Befürchtungen machte weder uns noch unserem Auto die dünne Luft hier oben wirkliche Probleme außer einer gewissen Leistungsarmut. Das Laufen ist in dieser Höhe sicherlich anstrengender, aber wir hatten ja auch keine größere Wanderung vor. Dafür war es trotz Traumwetter viel zu ungastlich. Auf dem Passschild haben zahlreiche Veranstalter ihre Etiketten hinterlassen, auch deutsche Firmen konnten wir erkennen. Es gibt auch Radreisen über den Pass, wohl eher etwas für die ganz Harten. Wir waren jedenfalls froh über das warme Autoinnere, in das wir nach einer Fotopause wieder fliehen konnten.

Danach geht es langsam in vielen, weiten Kurven wieder nach San Antonio de los Cobres runter. Die Straße lässt sich von oben gut überblicken und die Abfahrt ist recht spektakulär, hier hoch zu fahren ist mit Sicherheit weniger schön denn dann fehlt der Ausblick wie auf der Südseite. Wir hatten Glück und ein junger Andenkondor (Vultur gryphus) zog unter uns seine Kreise über die kargen Grashügel. Da er gerade aufstieg, konnte wir ihn von oben fotografieren, so nah hatten wir noch nie einen dieser Riesenvögel vor der Linse. Nur kurze Zeit später war er nur noch ein dunkler Punkt am blauen Himmel.

In der Nähe des Wassers sahen wir wieder einige kleine Vikunjaherden, die Tiere waren auch hier nicht besonders scheu und beäugten uns nur kurz, um sich dann gleich wieder ihrem Futter zuzuwenden.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir den wenig schönen Ort San Antonia de los Cobres und besuchten dort den Viadukt La Polvorilla, unter dem wir herfuhren, um dann weiter über den neuen Verlauf der Ruta 40 bis nach Susques ins Hotel El Unquillar zu fahren. Dort kamen wir dann am frühen Abend an. Obwohl der Viadukt noch in der Provinz Salta liegt und erst ein paar Kilometer weiter die Provinz Jujuy beginnt, sind Bilder und Bericht darüber später auf einer eigenen Seite unter Jujuy zu finden.



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Abra del Acay


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