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COLOMÉ

Von Cafayate aus fuhren wir 116 Kilometer durch die Valles Calchaquíes bis nach Molinos. Hier gibt es einiges zu sehen, die Altstadt des Ortes liegt auf 2.020 Metern Höhe. Der Ort wurde bisher durch die Entfernung von den Touristenzentren vor dem Vordringen des Massentourismus verschont. Es gibt das Hostal de Molinos im Zentrum, das jedenfalls von außen die Aura seiner zweihundertjährigen Geschichte bewahrt. Das Innere haben wir leider nicht gesehen. Die Unterkunft liegt zentral direkt gegenüber der schönen Kirche San Pedro Nolasco und in dem Anwesen lebte einst der letzte spanische Gouverneur. Die Kirche wurde Ende des 18. Jahrhunderts auf Veranlassung des letzten königlich-spanischen Gouverneurs von Salta, Nicolás Severo de Isasmendi, gebaut. Seine sterblichen Überreste wurden hier beigesetzt. 1942 wurde sie zum historischen Nationaldenkmal erklärt, aber durch ihre Nähe zum Fluss und der großen Menge von Salpeter in ihren Mauern ist der Bestand der restaurierten Kirche leider auf lange Sicht gefährdet.

Restaurierte historische Gebäude, darunter die Kirche und die Hacienda der Isasmendis tragen zur Attraktivität des kleinen Ortes Molinos bei.

Bestimmt ein netter Ort für eine Übernachtung, denn unser nächstes Ziel, die Estancia Colomé bietet zwar auch Unterkunft. Die ist allerdings der pure Luxus und kostet mit Frühstück um die 300 US$ pro Tag. Wir haben kurz überlegt, ob wir dort wohnen möchten. In Relation zu den anderen Unterkünften der Reise war der Preis allerdings exorbitant und im Urlaub 2008 war die teuerste Unterkunft in dem Preissegment (die Posada Salentein, allerdings mit Halbpension) nicht unbedingt auch die Beste. Also fuhren wir nach dem Besuch am Nachmittag noch weiter nach Cachi, wo wir im Boutique Hotel El Cotijo wohnten.

Kurz hinter Molinos, auf dem gut ausgeschilderten Weg nach Colomé, kann man einige Vikunjas in Gefangenschaft sehen. Ein seltener Anblick. Die örtliche Kooperative verarbeitet die teure Wolle zusammen mit Schafwolle und webt in alter Tradition daraus Ponchos und andere Wollsachen. Wir hätten uns gerne den Verkaufsraum angesehen, der direkt in einem imposanten Gebäude neben der Straße lag. Aber es war alles abgeschlossen und weit und breit kein Mensch zu sehen. Schilder mit Öffnungszeiten oder Informationen waren mal wieder Fehlanzeige, so gewinnt man leider keine Kunden. Ausser uns hielt noch ein anderes Auto vor der Tür und fuhr ebenfalls unverrichteter Dinge wieder weg.



Lichtkunst im Nirgendwo

Von Molinos aus fährt man in Richtung Berge. Hier befinden sich die Finca Colomé und die Finca Amaicha, beide Weingüter sind bekannt für ihre Hochlandweine. Unser Ziel war das Besucherzentrum von Colomé, dem höchst gelegenen Weingut der Welt und das älteste in Argentinien. Hier kann man nicht nur erstklassige Weine probieren und kaufen, sondern auch wie schon erwähnt, auch wohnen.

Der alte Winzerbetrieb Colomé wurde 1831 von jenem letzten spanischen Gouverneur von Salta gegründet, der in der Kirche von Molinos beerdigt wurde. Das Anwesen Colomé war dann 170 Jahren ununterbrochen im Besitz der Familien Isasmendi-Dávalos. Rául Dávalos, ein direkter Nachkomme der Familie Isasmendi-Dávalos, verkaufte im Juni 2001 seinen 39.000 Hektar großen Besitz an die Schweizer Hess Group.

Seit der Übernahme wurde in den Betrieb eine Menge investiert, man stellte auf ökologische Landbewirtschaftung um und die Trauben werden per Hand geerntet und sortiert. Der Weinberg Altura Maxima, der höchste Weinberg der Welt, trägt auf der Rekordhöhe von 3.111 Meter Trauben für Spitzenweine. Im Gegensatz zur Höhe über dem Meer werden Zahlen zur Größe und zum Ertrag dieser Fläche aber nicht publiziert. Die anderen Rebstöcke liegen auf 2.200-3.000 Meter über dem Meerespiegel und produzieren dank des einzigartigen Mikroklimas und 350 Sonnentagen im Jahr eine besonders intensive und dunkle Traube. Von der Estancia aus fährt man aber noch einmal gut 2 Stunden durch die Berge, bis man die höchsten Lagen erreicht hat.

Im modernen Besucherzentrum mussten wir uns ein wenig länger aufhalten als geplant. Denn der eigentliche Grund unseres Besuches war es nicht, die Weine zu probieren. Die hatten wir in einigen Restaurants schon gekostet. Aber am 22.April 2009 hatte hier mitten im Nirgendwo ein Museum eröffnet, das so auch in einer Weltstadt stehen könnte.

Die Hess Art Collection präsentiert in ihrem dritten Museum neben einem im Napa Valley in Kalifornien und einem in Paarl in Südafrika hier Werke von James Turrell aus der internationalen Hess-Sammlung auf 1.680 m² Museumsfläche. Damit gewinnt die Region eine bedeutende Attraktion hinzu und wird nun auch für Kunstliebhaber aus der ganzen Welt zum beliebten Reiseziel, denn es ist das einzige Museum alleine mit Werken des berühmten Lichtkünstlers. Und dieses Museum machte erst um 14:00 Uhr auf, also über eine Stunde Zeit genug für uns um als einzige Gäste auf der Terrasse zu sitzen, die Sonne zu genießen, einen leckeren Salat zu essen und ein Glas hauseigenen Torrontés dazu zu genießen.

Wir waren erstaunt, dass niemand sonst kam und bekamen eine Führung ganz für uns alleine. Fotografieren darf man im Inneren nicht, unser Führer sprach hervorragend Englisch und der Rundgang war mehr als beeindruckend. James Turrell zählt zu den international renommiertesten zeitgenössischen Licht- und Raum-Künstlern und seine Werke beanspruchen viel Raum. Daher sind sie in herkömmlichen Museen nur eine begrenzte Zeit zu sehen und müssen dann anderen Ausstellungen weichen. Hier hat man 14 Licht-Installationen zusammengestellt, die aus fünf Dekaden des künstlerischen Schaffens von James Turrell stammen. Eine ist beeindruckender als die andere, so wie Licht-Installation Spread 2003, in dem der Besucher von blauem Licht umgeben ist. Man verliert teilweise komplett die Orientierung in den Räumen. Rotes, grünes, gelbes, blaues oder violettes Licht wechseln sich in einem Tunnel ab und im Nachbarraum wurde ein scharf begrenzter grüner Lichtkegel als Illusion eines räumlichen Körpers perfekt in die Raumecke projiziert. Der Künstler selbst hat das Museum entworfen und es ist sehr gelungen, wer hier vorbeifährt, der ist selbst schuld - auch wenn man sich eigentlich nicht für Kunst interessiert.

Leider hatten wir noch 4 Räume vor uns, als der Strom ausfiel. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt standen wir in einem völlig abgedunkelten Raum, in dem man bis zu 15 Minuten geduldig verweilen muss, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und man ein langsam heraufkriechendes Licht erkennen kann. Diese Dunkelheit wurde abrupt von dem grün leuchtenend Schild für den Notausgang erleuchtet, dafür ging das Licht in den Fluren aus.

Unser Führer scheuchte uns auf dem kürzesten Weg raus, denn Lichtkunst ohne Strom ist doof. Witzigerweise waren einige der Installationen immer noch in Betrieb, sie hatten wohl ihre eigene Stromversorgung. Wir bedauerten den Vorfall ein wenig und warteten im Besucherzentrum auf die Fortsetzung, während man versuchte den Ausfall zu beheben. Nach einer Weile teilte man uns dann aber mit, das es heute nichts mehr würde. Unser Guide war wohl im Hauptberuf auch für die Elektronik der Strom- und Notstromversorgung der ganzen Bodega zuständig und verständlicherweise im Stress und unabkömmlich. So fuhren wir weiter über Seclantás nach Cachi.

Der beste Zeitpunkt für den Museumsbesuch ist übrigens zum Sonnenuntergang., dann kann man das Objekt "Unseen Blue" aus dem Jahr 2002 eben doch richtig sehen. Allerdings muss man danach die Rückfahrt nach Cachi ohne Tageslicht bewältigen, wenn man nicht vor Ort übernachtet. Fahrzeit nach Molinos ist ca. eine halbe Stunde, für die 45 Kilometer nach Cachi benötigt man dann noch eine gute Stunde, im Dunkeln sicherlich noch mehr.



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Colomé


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