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SCHILDER

Der Schilderwald an den patagonischen Straßen ist nicht nur weniger dicht als in Deutschland, er ist oft auch von etwas anderer Natur. Ob und wann irgendwo ein Schild aufgestellt wird erscheint manchmal willkülich. Nach dem Ende einer Bau- oder Gefahrenstelle wird das Schild oft nicht entfernt und steht dann noch eine ganze Weile herum. Wie so oft in Argentinien zu beobachten - stumme Zeugen einer gewissen Lässigkeit.

Die deutlichsten Beispiele dafür sind Begrenzungen der Geschwindigkeit und Überholverbote. Diese werden offenbar als netter Hinweis betrachtet, Grund für konkretes Handeln wird hier nicht gesehen. Man fährt halt so schnell es die Strecke hergibt, und überholt wird dort, wo man die Straße weit genug einsehen kann, doppelt durchgezogene Linien heftig ignorierend.

An den Fernstraßen (Ruta Nacional oder Ruta Provincial) - auch an den Schotterstrecken - ist immerhin alle paar Dutzend Kilometer ein Hinweis auf die nächsten Fernziele und ihre Entfernung zu finden, vom Aussehen sehr ähnlich dem rechts abgebildeten Richtungsanzeiger vor einer Straßenkreuzung in der einsamen Leere.

Kommt man aber in eine größere Ortschaft, so ist viel Gefühl und eventuell ein Kompass gefragt, denn Wegweiser sind Magelware. Im Zweifel erfährt man erst am Ortsausgang, daß man die falsche Ausfallstraße gewählt hat - dort wenigstens findet sich wieder ein Hinweis auf das nächste Ziel.

Sprachkenntnisse

Findet man wie bei dem obigen Schild zur Gefährlichkeit der Schotterstraßen noch eine englische Übersetzung neben den verständlichen Bildern, dann ist man ja gut dran. Andernfalls sind spanische oder zumindest lateinische Grundkenntnisse gefragt.

Abgesehen von Entfernungsanzeigen und international üblichen Piktogrammen werden die Sprachkenntnisse ganz schön beansprucht. Bei kurzen Worten wie ganz oben - "Peligro" = Gefahr - geht das ja noch, an anderen Stellen stehen ganze Romane am Straßenrand, die man beim Vorbeiflitzen gar nicht so schnell entziffern kann, geschweige denn übersetzen und verstehen. Um so ärgerlicher sind dann nett gemeinte, aber völlig überflüssige Hinweise wie links: "Weiterhin kurvige Straße"! Als ob man das nicht von selbst sehen würde. Das wird nur noch übertroffen von dem ähnlichen Schild: "FIN CAMINO SINUSO" - Ende der kurvigen Straße!

Eine der entscheidendsten Abweichungen von der internationalen Norm ist der Buchstabe E - Estatione. Er steht in Argentinien und vielleicht in ganz Lateinamerika für das ansonsten übliche P - Parking. Hat man das erstmal begriffen, dann ist zum einen klar, wo man vor der Unterkunft oder an der Sehenswürdigkeit den Wagen abstellen darf, zum anderen erklärt sich auch die Bedeutung des durchgestrichenen E im roten Kreis links unten: Parkverbot.

Mit diesen Kenntnissen erschließt sich auch die Kurzgeschichte auf dem Bild rechts: "Prohibido Estacionar" bedeutet "Parken verboten". Und warum? "Taludes erosionados" sind wohl sinngemäß "erodierte Randstreifen", was auch der Augenschein bestätigte. Und so etwas ist halt "PELIGRO" - also "gefährlich"

Auf diese Weise und mit etwas verdrehten Fremdwörtern kann man so manche langatmige Beschilderung entziffern. Zwei Beispiele für rein textuelle Hinweise will ich hier noch nennen, da sie wirklich gefährliche Situationen markieren:

Gerade das letzte Beispiel kann einen bei Tempo 120 böse erwischen - vor allem, wenn die Straßenarbeiter die Löcher mittlerweile rechtwinklig herausgefräst, aber noch nicht neu verfüllt haben...

Einbahnstraße

Fast alle Straßen in etwas größeren patagonischen Ortschaften sind Einbahnstraßen - abgesehen von der vierspurigen Hauptstraße mit begrüntem Mittelstreifen. Diese Information findet man auch in vielen Reiseführern, aber was soll man sich darunter vorstellen. Einen traumatisierenden Irrgarten wie in engen deutschen Altstädten?

Weit gefehlt! Bis auf wenige Abweichungen sind alle diese Orte auch im Schachbrettmuster angelegt. Und dieses Muster gehorcht einer einfachen Regel: Die Einbahnstraßen laufen immer abwechselnd. Egal, wie breit die Straßen sind, die jeweils nächste rechte und linke Parallelstraße verläuft in Gegenrichtung, die jeweils übernächste in der eigenen Fahrtrichtung. Wenn man dabei einem Irrtum unterliegt, dann wird man sofort von allen möglichen Leuten mit Winken, Blinken und Hupen darauf aufmerksam gemacht - zum Glück ist das Tempo meist gering und viel Platz zum Ausweichen vorhanden.

Bei diesem einfachen System sind besondere Hinweise kaum mehr nötig. Sicher, es gibt manchmal die internationalen roten, runden Schilder mit weißem Querbalken für "Einfahrt verboten" und die blauen Schilder mit weißen Richtungspfeilen. In einer armen Gemeinde werden sie auch einfach auf eine Hauswand gepinselt. An den Hauptstraßen findet man ab und zu Schilder, ob man an der nächsten Straße links oder rechts abbiegen darf.

Ansonsten genügen dezente Hinweise an den Schildern mit den Straßennamen. Ein einfacher Pfeil gibt die mögliche Fahrtrichtung für eine einfache an, ein Doppelpfeil bedeutet eine Avenida, also beide Fahrtrichtungen. Dabei ist die Gestaltung Entscheidung der Gemeinde, es gibt keinen einheitlichen Style-Guide. So hat zum Beispiel Buenos Aires moderne Schilder (rechts), San Martin de los Andes hat rustikale Schilder im alpinen Holz-Stil (oben).

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