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KÄNGURU

Es gibt viele verschiedene Känguruarten in Australien. Diese Seite widme ich den Riesenkängurus, diese ungwöhnlichen Tiere können bis zu 1.60 m groß werden, ein Gewicht bis zu 70 Kg erreichen und sich in Sprüngen bis zu 10 m fortbewegen, wenn sie einer Gefahr entfliehen.

Die kleineren und mittelgroßen Arten von Kängurus, die in Australien als Wallaby bezeichnet werden, haben eine eigene Seite mit Bildern. Sie erreichen nur eine Körperhöhe von maximal einem Meter bei einem Gewicht von bis zu 24 Kg.

Der wissenschaftliche Name Macropodiae bedeutet "Großfüssler" und drückt aus, was die Tiere auszeichnet: kraftvolle, lange Hinterbeine und die daraus resultierende, hüpfende Fortbewegungsart.

Den Bestand der Kängurus schätzt man auf 20 Millionen Tiere gegenüber 18 Millionen menschlichen Australiern. Um bei extremer Trockenheit zu überleben können Kängurus notfalls bis zu einem Meter tief nach Wasser graben. Diese Wasserlöcher bieten auch anderen Tieren eind Chance, die wasserarmen Zeiten zu überstehen. Heute gibt es durch die Viehwirtschaft beinahe überall ein Überangebot an Wasser, so konnten sich die Kängurus sehr zum Ärger der Farmer wieder Scharenweise vermehren.

Namensgebung

Es gibt eine schöne Legende, wie das Känguru zu seinem Namen kam: Am 11. Juni 1770 lief James Cooks Schiff, die "Endeavour", auf eine Korallenriff an der australischen Nordostküste. Captain Cook und seine Mannschaft nutzten die Zeit bis zur erfolgreichen Reparatur des Schiffes zur Erforschung der Landschaft und der Eingeborenen. Einige der von dieser Erkundung zurückgekehrten Männer berichteten von einem äußerst schnellen komischen Tier in mausgrauem Fell, das sich mit großen Sprüngen fortbewegte. Die Eingeborenen wurden gefragt, was das für ein seltenes Tier sei und die Antwort lautetete: "Kangaroo". Erst viel später fand man heraus, das dieses Wort in der Sprache der Aborigines nur so viel bedeutet wie: "Ich verstehe Dich nicht".

Durch das komische Erscheinungsbild erregten die Kängurus natürlich viel Aufsehen. Für König Georg III. wurde sogar ein lebendes Tier als Geschenk nach England geschickt. Für die Bürger von London war das kuriose hüpfende und boxende Lebewesen vom fernen 5. Kontinent der Publikumsliebling.

Seitdem die ersten Europäer damals einen Fuß auf den australischen Kontinent setzten, wurden schon einige Känguruarten ausgerottet. 10 weitere der kleinen Arten sind heute vom Aussterben bedroht. Dabei wird ihnen nicht alleine das Bejagen durch den Menschen zum Verhängnis, sondern die Veränderung des Pflanzenwuchses durch die einführte Viehwirtschaft und die Gefährdung durch Raubtiere wie Fuchs und Hauskatze.

Rote Riesen

Die größten heute lebenden Beuteltiere sind die Riesenkängurus, die auch die am weitesten spezialisierten ihrer Art sind. Riesenkängurus vertreten in Australien die grasfressenden Huftiere anderer Kontinente, wie Antilopen, Hirsche, Zebras oder Büffel. Sie sind sehr gute Dauer-Hüpfer - Läufer ist wohl unzutreffend - und können Spitzengeschwindigkeiten bis zu 88 Km/h erreichen. Bei Sprüngen von 1,20 bis 1,90 m Sprungweite dient der Schwanz als Balancegewicht und wippt gegenläufig zu den Beinen auf und nieder. Auf der Flucht wurden schon Sprünge von 9 m und mehr beobachtet bei einer Sprunghöhe von über 3 m. Die Achillessehnen der Hüpfer wirken beim Springen wie Federelemente, so verbrauchen die Kängurus bei gleicher Geschwindigkeit deutlich weniger Energie als Lauftiere.

Bei langsamer Fortbewegung wird der Schwanz wie ein fünftes Bein benutzt, da die schwachen Vorderläufe den Körper gar nicht halten könnten. Das sieht verglichen mit der eleganten Sprungtechnik sehr unbeholfen und ulkig aus. Die Pfoten sind weich wie Pantoffeln und speziell der australischen Vegetation angepasst. Sie zerstören nicht das empfindliche Ökosystem wie es durch die harten Hufe der eingeführten Vieharten geschieht.

Natürliche Feinde haben die Kängurus nicht, der größte Feind ist der Mensch und sein Auto. Da sie sehr wehrhaft sind, trauen sich andere Tiere nicht heran, denn die Fußschläge der Riesenkängurus sind präzise und mit verheerender Wirkung. Bedroht sind die Tiere trotz ihrer Genügsamkeit bei der Futterauswahl eher durch Hunger, Hitze und Trockenheit.

Fortpflanzung

Bei allen Känguruarten haben die Weibchen auf der Bauchseiten einen nach oben und vorne zu öffnenden Beutel, darin verborgen sind 4 Zitzen. Nach etwa 30-40 Tagen Tragezeit kriecht ein nur etwa 0,75 g schweres Embryo, vom Geruchssinn geleitet, selbsttändig den Bauch hinauf bis in den Beutel der Mutter. Dies erfordert ein für dieses Alter bereits hoch entwickeltes neuronales System. Um dies zu ermöglichen ist bei den Känguruweibchen (flyer) der Hormonzyklus verglichen mit anderen Säugetieren verschoben: Eine längere Gestagenphase für die Embryonalentwicklung bewirkt auf der anderen Seite eine sehr kurze Phase der Empfängnisbereitschaft.

Die paarungswilligen Männchen (boomer) müssen diese kurze Zeitspanne durch regelmäßiges Schnüffeln und Urinproben genau bestimmen, wenn ihre Bemühungen bei den Weibchen zum Befruchtungserfolg führen sollen. Die winzigen Jungtiere bleiben beim roten Riesenkänguru nach dem Einnisten etwa für 235 Tage im Beutel, trinken und wachsen emsig und werden dabei zwischen 2 und 4 Kg schwer.

Erstaunlicherweise kann das Känguruweibchen schon wenige Tage nach der Geburt wieder trächtig werden. Die Entwicklung des Keimling in der Gebärmutter kommt aber zu einem bestimmten sehr frühen Stadium der Zellteilung zum Stillstand und wird erst fortgesetzt, wenn das andere Junge (joey) selbstständig geworden oder gestorben ist. Die Steuerung dieses Vorgangs erfolgt anscheinend über die Intensität der Nutzung der Zitzen. Solange das erste Junge vorwiegend gesäugt wird ist die Entwicklung des Nachkömmlings gestoppt. Sobald es sich überwiegend von Gras ernährt und von der Mutter unabhängiger wird kann der zweite Keimling weiterwachsen. So kann ein Känguruweibchen schon 4 Wochen nach Freiwerden des Beutels ein weiteres Junges gebären, ohne sich vorher erneut paaren zu müssen.

Auch das Junge, das den Beutel bereits verlassen hat wird weiterhin an den Zitzen gesäugt, die Zusammensetzung der Milch für das ältere Kind ist allerdings anders als für das Embryo im Beutel.

Beutelfrage

Ich bekomme viele Anfragen, ob männliche Kängurus auch einen Beutel haben. Da er auch auf meiner Seite nichts dazu gefunden hatte, hat sich Sebastian Braun Anfang 2002 auf die Suche nach einer eindeutigen wissenschaftlichen Erklärung gemacht und einige Leute per Email ausgefragt, die es wohl wissen müssten. Die Ergebnisse stellte er mir zur Verfügung, vielen Dank, Sebastian.

Einige der Angeschriebenen antworteten gar nicht, einige zwar richtig, aber nur ganz knapp oder ausweichend, aber dann gab es doch noch zwei wirklich brauchbare Antworten. Anita Morth vom Zoologischen Institut der Stadt Wien schickte einem Auszug aus einer wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Böck:

"Der Beutel (Marsupium) entsteht ontogenetisch aus paarigen Anlagen, die von den Geschlechtswülsten ausgehen, also mit dem Scrotum homolog sind. Er kommt nur den Weibchen zu und ist, im Gegensatz zum Incubatorium der Monotremen, eine persistierende Bildung. Bollinger konnte durch Oestrogenbehandlung bei männlichen Trichosurus die Bildung eines Beutels aus der Scrotalanlage induzieren."

Netterweise lieferte Prof. Dr. Gattermann vom Zoologischen Institut der Universität Halle fast zeitgleich und unabhängig davon eine dem vorigen inhaltlich sehr nahe kommende Erklärung, quasi eine Übersetzung für Nicht-Zoologen:

"Känguruh-Männer haben keinen Beutel, nur die Weibchen. Dieser Brutbeutel entspricht dem Hodensack der Männchen, d.h. beide werden embryonal aus der gleichen Hautfalte gebildet. Interessant ist, dass beide Geschlechter einen paarigen Beutelknochen besitzen, der natürlich nur beim Weibchen den Beutel stützen kann."

Ich danke vielmals für diese umfassenden Erläuterungen und fasse laienhaft-kurz zusammen: Beim Känguru-Männchen hat sich aus der Anlage zum Brutbeutel im Lauf der Entwicklung ein Eierbeutel gebildet, der aber nicht zu öffnen ist.

Noch mehr zum Thema Kängurus findet Ihr auf meiner Wallaby Seite.

Video zum Thema

Boxing Kangoroo

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