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DIE BRUTHÖHLE

Als wir auf einem Campingplatz im Mutawintji Nationalpark nördlich von Broken Hill zwei Nächte verbrachten, bemerkten wir direkt nach unserer Ankunft heiseres Krächzen über unseren Köpfen.

Wir waren ganz schön aufgeregt, als wir feststellten daß unser Camper fast direkt neben einem Baum mit einer idealen Bruthöhle für eine Familie Langschnabel-Nacktaugenkakadus (Long Billed Corella, Cacatua tenuirostris oder Cacatua pastinator) stand. Die Brutpaare sondern sich zur Brutzeit gerne ab, kehren aber später mit den Jungen in den Schwarm zurück, wenn diese flügge geworden sind. Die Schlafbäume befinden sich meist in der Nähe von Wasserstellen, wo die Vögel trinken können und in den frühen Morgenstunden sehr laut kreischend zur Nahrungssuche in die flachen Ebenen aufbrechen.

Beim Abendessen begleitete uns ein ständiges, heiseres Krächzen und in der Dämmerung konnten wir die kleinen, weißen Köpfe erkennen, die neugierig zu uns herunterspähten. Das Geplapper verstummte erst bei völliger Dunkelheit und Ruhe kehrte ein im Vogelparadies. Wir waren die einzigen menschlichen Störenfriede in den 2 Tagen.



Am nächsten Morgen bezogen wir direkt nach Sonnenaufgang einen Beobachtungsposten gegenüber der Höhle. Kaum erreichten die ersten Sonnenstrahlen das große Astloch, das als Bruthöhle diente, so guckte schon neugierig der erste Kopf heraus.

Die Morgentoilette begann, das zerrupfte Gefieder wurde geputzt und man schmuste erste einmal eine Runde miteinander. Die Altvögel flogen zu einem Nachbarbaum und lockten mit viel Gekreisch die beiden Jungen. Die Nestlingszeit beträgt 45 - 55 Tage und die Kleinen waren schon ziemlich groß.

Einer war deutlich scheuer als der andere, man sah oft nur das Köpfchen. Nach einger Zeit flogen die Eltern etwas weiter weg, der Flug wird von ständigen, lauten Rufen begleitet. Auf einem Ast am Nachbarbaum wurde das Gefieder ausgiebig in der Morgensonne geputzt, dabei wurde ständig gerufen. Auch die Jungen riefen laut nach den Alten.

Die kamen wieder, es wurde kurz geschnäbelt, der Kleinere bekam noch etwas in den Schnabel gestopft und dann wurden wir Zeugen, wie das erste Jungtier flügge wurde. Er flog laut kreischend mit den Eltern davon, der kleinere Nestling blieb alleine in der Höhle zurück.


Mittag ist Ruhezeit bei Kakadus, man sitzt gerne im Schatten. Auch wir machten Pause nach einer längeren Wanderung. Die Höhle oben im Baum schien ausgestorben. War der Kleinere doch ausgeflogen?

Nachmittags fliegen Kakadus gerne zur Futtersuche auf Felder und an Straßenränder, bis sie kurz vor Sonnenuntergang zu den Schlafplätzen zurückfliegen. Diese lokalen Bewegungen im normalen Tagesablauf können gut und gern bis zu 250 km ausmachen.

Als es dämmerte, zeigte sich ein kleines, weißes Köpfchen und wird hörten einige Male ein leises, klagendes Kreischen. Der Kleine hatte den ganzen Tag im Baum verbracht und nun warteten wir gemeinsam mit ihm auf die Rückkehr von Eltern und flügge gerwordenen Geschwisterchen. In einem Umkreis von ca. 200 Metern rings umher hörten wir noch die Geräusche von zwei oder drei anderen Kakadufamilien, welche unseren einsamen Jungvogel immer sehr aufmerksam aufblicken ließen.

Irgendwann, es war schon fast dunkel, flogen drei Kakadus laut kreischend über den Baum in Richtung eines entfernten Bachufers. Offenbar hat unser Jungtier seine Famile an den Stimmen erkannt, den es wurde sehr aufgeregt, stellte sein Häubchen auf und hat einige Male ganz lauf und wild gerufen und gekrächtzt. Doch die Familie kam nicht zurück, und aus dem Nest hat sich der Kleine leider immer noch nicht herausgetraut.

Auch am nächsten Morgen guckte uns das neugierige Kerlchen beim Packen zu und wir mussten weiter. Vergebens hielten wir ebenso wie er Ausschau nach den anderen.

Leider haben wir nie erfahren, ob es für den kleinen Kakadu noch ein Happy End gab - ein Wiedersehen mit seiner Familie. Groß genug zum Fliegen war er sicherlich, er musste sich nur überwinden. Aber die Bilder werden uns immer an diese sowohl schöne als auch tragische Begegnung erinnern...


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