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DIRT & DUST

Alle Autovermieter in Australien sind so besorgt um ihre Wagen, dass die Mietverträge das Fahren auf unbefestigten Straßen auf den ersten Blick hin schlichtweg verbieten. Inwieweit die Formulierungen juristisch haltbar sind, will ich nicht beurteilen, aber praxisfremd sind sie auf jeden Fall. Ein paar tausend Kilometer an Erfahrungen reicher fühlt man sich noch mehr veralbert.

Nur zwei Festlegungen sind wirklich eindeutig: Man darf den Leihwagen nicht mit einer Fähre hinüber auf dem australischen Festland vorgelagerte Inseln mitnehmen, und für das Befahren des schwierigen simpson desert track braucht man auch mit einem 4WD-Wagen die Genehmigung des Vermieters - und die kriegt man selten...

Die restlichen Bestimmungen sind Spiegelfechterei. Man verliert den Versicherungsschutz, wenn man unsealed roads benutzt - aber was damit wirklich gemeint ist, das kann einem keiner sagen. Folgende Fälle sind uns untergekommen:

Wie man leicht erkennen kann, ist das ganze Brimborium um sealed oder unsealed eine Sache des guten Willens. Wenn man eine unsealed road benutzen muss, und sie ist mit einem "normal streetcar" zu bewältigen, dann benutzt man sie auch. Natürlich ist man dabei vorsichtiger als auf Asphalt, und auf Strecken, die 4WD-only sind, hat man mit einer Limousine sowieso nichts zu suchen. Vor der unumgänglichen Benutzung unbefestigter Pisten erkundigt man sich bei den locals, wie die Strecke weitergeht und ob die Fahrt gefahrlos möglich ist. Natürlich fährt man gerade solche Strecken nicht im Dunkeln oder in der Zeit der Dämmerung.

Der fehlende Versicherungsschutz auf unsealed roads ist nicht so wichtig: Es ist kaum Gefahr, einen Unfall mit einem anderen Auto zu haben, da es davon so wenige gibt, und man fährt aufgrund der Straßenverhältnisse besonders aufmerksam. Ein selbstverschuldeter Unfall wird kaum schwere Schäden zur Folge haben, da die Geschwindigkeit eher niedrig ist. Unfälle mit Tieren sind sowieso nicht zu versichern. Und wenn man den Aufpreis für einen ernsthaften Versicherungsschutz bezahlt, dann kann man sich dafür auch gleich einen bushcamper mieten.

Ach ja, vor der Rückgabe das Auto zu waschen kann lästige Fragen ersparen. Uns half eine Fahrt im heftigen Regen, den feinen roten Staub, der sich überall festsetzt, wieder loszuwerden...

Bitumen

Alle großen Verbindungsstraßen Australiens sind mittlerweile asphaltiert, in dicht besiedelten Gebieten oder im Gebirge sind selbst unbefestigte Feldwege inzwischen selten geworden. So eine bitumen road hat einen hohen Anteil an feinem Schotter und Erde im Teer, damit sie bei großer Hitze nicht zu schnell weich wird.

Trotz der scheinbar glatten Oberfläche ist das Fahren hier nicht ungefährlich. Die schweren Trucks haben die Straßen zum Teil ganz schön durchgewalkt, Unterhöhlungen durch Insekten und Kaninchen führen zu unverhofften leichten Absenkungen, die das Spurhalten erschweren. Es ist aus Sicherheitsgründen empfehlenswert, sich an die speed limits zu halten, auch wenn die Polizei nicht wie in den USA hinter jedem Busch lauert, weil der Wagen ab 110 Km/h ganz schön ins Schwimmen kommt.

Gravel

Eine gravel road kann vielgestaltig sein. Das reicht von Outbackstraßen aus feinen Geröll mit Sand und Erde wie abgebildet über Schotter, Splitt, Felsgrund mit Schotter bis zu Bachbetten mit natürlichem Felsgeröll und Kies, wo einmal ein Grader und eine Walze darübergefahren sind.

So eine Straße über Geröll hält unfeine Überraschungen bereit. Mitten im Weg liegen auf einmal Steine in den Formaten Bierdose oder Ziegelstein. Das kann man mit einem geländetauglichen 4WD-car ignorieren, mit einer normalen Limousine nicht - da heist es Obacht geben. Hat man keinen Jeep, so sind 50 Km/h schon top.

Sand

Unbefestigte Sandstraßen sind tückisch. Hat es in letzter Zeit geregnet, so dass der Untergrund noch feucht ist, so fährt es sich hier fast wie auf Bitumen. Vom Wasser zusammengewschwemmt ist der feine Sand fest wie Beton. Ist es auch nur leicht hügelig, so dass der Sand auf den Hügelkuppe trockener und dadurch tiefer ist als in der Ebene, so ist besondere Vorsicht angebracht. Ein Hügel ist dann nämlich kein Hügel, sondern nur eine lockere Düne. Mehr als 25 Km/h sind nicht drin.

Meine Erfahrungen beziehen sich ausdrücklich NICHT auf Strecken in den australischen Sandwüsten wie der Simpson Desert, sondern auf sandige Rundstrecken in ausgeschilderten Nationalparks und auf kürzeren Zufahrten. Gelben Sand wie auf dem Bild oben findet man zum Beispiel im im Kinchega N.P.. Das Wichtigste ist, den Wagen ohne viel Gasgeben einfach langsam rollen zu lassen. Gerade dann, wenn der feine Sand stellenweise etwas nachgeben sollte und man ein flaues Gefühl unter der Sitzfläche bekommt, darf man auf keinen Fall anhalten. Wenn man sich beim Anfahren an einer Steigung erst mit den Hinterrädern eingegraben hat, dann kann einem nur noch der Ranger mit seinem 4WD weiterhelfen. Manchmal ist es besser, den Wagen zurückrollen zu lassen, um aus der Ebene einen neuen Anlauf zu nehmen, statt es mit Gewalt zu versuchen.

Auf dem Weg zum Lambert`s Gravitational Centre entstand das Bild unten mit roter Erde, hier sind aber gerade die tiefsten Spurrillen nicht sichtbar. Mit einem normalen Straßenauto war dort kein Durchkommen, selbst der HiLux setzte manchmal auf.

Dirt

Unbefestigte Straßen, die haupsächlich aus festgewalzter Erde und Staub bestehen, sind dirt roads. Dort, wo es ausreichend Feuchtigkeit und Vegetation gibt, um ein wenig Humus zu bilden, sind sie etwas stabiler als da, wo sie nur aus pulverisiertem Sand bestehen.

dirt roads sind für vielerlei Schäden anfällig. Bei Nässe werden wie abgebildet Spurrillen ausgefahren, heftiger Regen reisst tiefe Rinnen quer und längs in die Fahrspur. Urplötzlich tauchen tiefe, schlammige Schlaglöcher auf. Besonders lästig ist das so genannte "Wellblech". Diese regelmäßigen Querrillen - ihre Entstehung ist ein Rätsel - schütteln den ganzen Wagen durch und versuchen ihn in hirnerschütternde Resonanz zu versetzen.

Auch wenn es mit Risiken verbunden ist: Gegen "Wellblech" hilft nur schneller fahren, wenn man sich nicht auf Mofatempo beschränken will. Ab 70 Km/h beginnt das Geschüttel zu verschwinden. Das kann man natürlich nur machen, wenn man die Strecke kennt, also zum Beispiel auf einem Ausflug für Hin- und Rückweg die gleiche Straße nimmt und sich auf dem Hinweg die schlimmsten Schlaglöcher merkt. Nach einer solchen Fahrt ist eine Kontrolle des Fahrzeugs auf lockere Schrauben unumgänglich.

Auf dem Weg zum Chambers Pillar rüttelte es so schlimm, dass sich nach zweimal Benutzen der Strecke hinten im Camper die schwere Kühlbox halb aus der Verankerung gelöst hat. Zwei Schrauben hatten sich durch das Gerüttel einfach rausgedreht.

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