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ALIVE & DEAD

Viele der großen Trucks und auch viele der Farmer-Pick-Ups haben auf der vorderen Stossstange kräftige "Bull-Bars" montiert. Das sind Gitterwerke aus Aulminiumträgern oder Stahlrohren von monströsen Ausmaßen, dazu gedacht, sich beim Aufprall eines kreuzenden Tieres energieverzehrend zu verformen. Wenn man die ersten toten Tiere an oder auf der Straße gesehen hat, dann weiß man, wofür diese Räumschilde gut sind.

Die Fanggitter vor den Motorhauben der Trucks sind so stabil, dass die Fahrer ein Känguru, Schaf oder sogar ein Rindvieh auf der Straße fast ignorieren können. Diese können schließlich so plötzlich erscheinen, dass ein Ausweichen oder Bremsen unmöglich ist. Man bekommt gehörigen Respekt vor den großen Maschinen, wenn man bedenkt, dass so mancher Kleinwagen leichter ist als ein ausgewachsener Stier, der in einer Autowerbung als Test für die Zuladung von einer Tonne Gewicht gezeigt wird.

An den aufgemotzten Pick-Ups, mit denen die Landjugend abends in die Stadt fährt, hat ein ordentlicher Bull-Bar wahrscheinlich ähnliche Bedeutung wie hierzulande der Fuchsschwanz an der Manta-Antenne oder das verchromte Auspuffrohr: Mit so einem Bull-Bar muss man keine Angst vor einem nächtlichen Zusammenstoss haben, mit was auch immer....


Wildwechsel

Wenn es Nacht wird in down under, dann werden alle Tiere munter, die es bis dahin noch nicht waren. Und die anderen, die auch Tagsüber aktiv waren, werden dann noch munterer als vorher. Ab fünf Uhr nachmittags und bis sieben Uhr am Morgen tobt das Leben am Straßenrand und quer über den Asphalt oder Schotter. Und tagsüber sonnen sich einige Echsen mitten auf der Fahrbahn.

Am besten wäre es natürlich, man könnte in dieser Zeit auf die Foto-Pirsch gehen, aber manchmal ist man dann ja noch oder schon unterwegs. Auf jeden Fall sollte man nach Straßenschildern, die Wildwechsel jeglicher Art ankündigen, verstärkte Aufmerksamkeit auf das Gelände rechts und links der Straße richten, bremsbereit sein und die Geschwindigkeit etwas reduzieren. Das hat mich zum Beispiel in Halls Gap vor einem Zusammenstoss mit einem Känguru bewahrt.

Wie man auf diesem Bild aus dem Mungo N.P. sieht, findet Wildwechsel nicht nur in der Nacht und in den Stunden der Dämmerung statt. Wenn man die in der Hitze dösenden oder grasenden Tiere aufschreckt, so laufen oder springen sie einfach irgendwohin - nach Murphy natürlich direkt vor das eigene Auto. Und auf Schotter kann der Bremsweg ganz schön lang werden.

Wenn Einheimische beim Thema "nachts fahren" skeptisch schauen, so sollte man das ernst nehmen. Alle Tiere, ob Känguru, Schnabeligel, Wombat oder auch Schafe und Rinder werden durch das knallige Fernlicht geblendet und verhalten sich noch unberechenbarer. Zitat: "A roo with 120 kays can do a lot of damage...", mit anderen Worten, wer bei 120 Km/h auf einmal ein Känguru auf dem Beifahrersitz hat, der braucht sich um die Verschrottung seines Autos keine Sorgen mehr machen.

Aasfresser

Hier und da sind Notrufnummern angeschlagen, wo verletzte Tiere versorgt werden, und so manche einsam lebenden Australier hegen einen kleinen Zoo von Tieren, die sie gesund gepflegt haben, und die trotzdem nicht mehr in der Wildnis überleben könnten. Aber in den meisten Fällen hat der Zusammenprall mit einem bullbar ein eindeutiges Ergebnis.

Hier und da ein totes Tier, das ruft einem die Ernsthaftigkeit der Schilder für Wildwechsel in Erinnerung. Aber mancherorts gibt es extrem gefährliche Stellen. So haben wir einmal an der Strecke von Tumut nach Rutherglen auf wenigen Kilometern über 20 tote Kängurus gezählt. Die Straße war eine Rennstrecke aus den Bergen ins Tal des Murray River, auf der einen Seite lag der langgezogene Lake Echumbene, auf der anderen begann in einger Entfernung der Buschwald. Und jeden Abend kamen die Kängurus aus dem Wald, um am Stausee zu trinken...

Um die toten Tiere kümmert sich niemand. Sie liegen am Rand, im Straßengraben oder einige Meter weiter im Busch, wo der Zusammenstoss sie hingeschleudert hat. Selbst ein Polizeiwagen macht einfach einen Bogen um die Teile eines überfahrenen Kängurus. So werden die Highways im Outback zu einer langgestreckten Tafel für Aasfresser wie den räuberischen Rotfuchs.

Überall an der Überlandstraßen kann man Gruppen von Raben beobachten, die eine beachtliche Grösse erreichen. Die streiten sich mit etlichen Keilschwanz-Adlern um die Reste. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Adler gesehen wie zwischen Cobar, Broken Hill und Mildura. Diese großen Raubvögel lassen sich von vorbeifahrenden Trucks nicht stören, selbst wenn diese mit 90 Km/h einen Meter neben ihnen her brausen. Auf einem toten Känguru hockend ist ihr Kopf höher als das Autodach unseres Ford Falcon gewesen.

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