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MOUNT WOOD

Der Campingplatz von Mount Wood liegt direkt gegenüber des Mount Wood Homestead, das vom Manager bewohnt wird und auch Zimmer für Gäste bietet. Schon lange nicht mehr bewohnt sind die ehemaligen Schafschererunterkünfte gegenüber, die man aber als Gruppe mieten kann. Als wir dort waren, befand sich keine Menschenseele weit und breit und wir konnten das gesamte Gelände erkunden.

Das Farmhaus der Mount Wood Station liegt 27 km östlich von Tibooburra Nahe der Einmündung der Gorge Loop Road in die Tibooburra-Wanaaring Road. Es wurde im Jahr 1884 für den Manager Captain Dorwood erbaut, einem ehemaligen Flussschiffahrtkapitän (schönes Wort). Später wurde es mehrmals versetzt und das Haus aus Holz und Eisen brannte im Jahr 1887 komplett aus. Ein paar Jahre später baute man ein neus Haus aus Stein, das heute noch steht.

Im Jahr 1882 weideten auf dem Land der Station 65.000 Schafe. Zum Vergleich: Im gesamten Corner Country außerhalb des heutigen Nationalparks weiden heute nur noch 40.000-50.000 Tiere. Dies war nur möglich durch Wasserversorgung aus artesischen Brunnen, die aber im Laufe der Zeit langsam versiegten, weil das artesische Becken an vielen Stellen angebohrt wurde und so nicht mehr genügend Druck vorhanden war, um das Wasser auf natürliche Weise zur Oberfläche zu transportieren.

Die Schafe schufen Arbeitsplätze in der abgelegenen Region, 2 Monate pro Jahr waren über 50 Männer mit der Schafschur und dem Verarbeiten der Wolle beschäftigt.

Doch die Trockenheit, die Kaninchenplage und die Überweidung in den fetten Jahren verminderte die Schafherde auf 39.00 Tiere im Jahr 1899. 1920 kam es dann ganz schlimm. Eine weitere Dürre verringerte den Bestand auf 7.000 Tiere.

Shearer´s Quarters

Die Schafscherer, in Spitzenzeiten bis zu 50 Männer, wohnten 500 Meter südöstlich des Homestead in den Shearer´s Quarters. Wie überall in Australien üblich waren es Wanderarbeiter, die von Schafschur zu Schafschur ziehen.

1903 wurde der erste Teil des Gebäudes errichtet, doch eine der seltenen, aber dafür um so gefährlicheren Fluten ließ den nahen Thompsons Creek über die Steilufer treten. Sie spülte vieles fort und die aktuellen Teile der Gebäude sind aus den frühen 1950er Jahren. Es gibt hier 8 Räume die man mieten kann, dazu eine extra Küche und septerate sanitäre Anlagen. Besichtigen kann man nichts, alles ist abgesperrt.

Die Männer mussten damals einen Graben, den Thompsons Creek, überqueren, um von ihren Quartieren zur Arbeitsstelle im Wollschuppen zu kommen. Dieser Creek war meist knochentrocken und man baute eine einfache Hängebrücke aus Holz und Stahldraht.

Doch wenn die seltenen Regenfälle auch in weit entfernten Regionen fallen, dann verwandelt sich die trockene Rinne ursplötzlich in einen reißenden Fluss. Auch die alte Hängebrücke wurde so weggerissen und die Männer kamen nicht zu ihrer Arbeitsstelle.

  Heute geht man über eine moderne, etwas höhere Hängebrücke, die kaum wackelt. Die Reste der alten Holzbrücke sind noch im Graben zu sehen, die hat mit Sicherheit ein wenig mehr gewackelt und hatte auch kein Geländer zum Festhalten. Oben auf einem Foto sind die Teile zu erkennen, rechts das kleine Bild zeigt die neue Brücke und im Hintergrund die Unterkünfte.

Im Mount Wood Shearing Shed wurden die Schafe geschoren und es macht Spass, in dem schattigen, teilweise durchlöcherten Gebäude herumzulaufen und sich vorzustellen wie es hier in Spitzenzeiten zuging. Die Sonne zaubert hier hübsche Muster auf den Boden, denn das Wellblech ist an vielen Stellen perforiert - ein Spiel mit Licht und Schatten.

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1913 und wurde ebenso wie die Unterkünfte auf der anderen Flussseite von Fluten beschädigt. Innen findet man noch eine alte Waage, eine Wollballen-Presse, eine Art Aufenthaltsraum und die Vorrichtungen für den Antrieb der Schermaschinen. Eine eiserne Welle, über Treibriemen angetrieben von alten Kerosinmotoren zeigt heute noch die Getrieberäder für die einzelnen Scher-Anschlüsse mit der Prägung 650rpm. In den Aussenanlagen sieht man die Gatter, in denen die Tiere sortiert wurden. Alle zwei Stunden hatten die Scherer Pause, dann wurden die Schafe in dem jeweiligen Pferch, der jedem Scherer zugeordnet war, für die Bezahlung gezählt.

Durch die trockene Hitze riecht es hier gar nicht mehr nach Schaf, ganz im Gegenteil zu gleichen Einrichtungen in Patagonien, in denen man auch nach 40 Jahren den Schafgeruch nicht aus der Nase bekommt...


Pastoral Museum

Die Einfahrt ist von der Gorge Loop Road her ausgeschildert, von Tibooburra kommend befindet sich die Zufahrt nach 22 km kurz vor Mount Wood auf der rechten Seite, 1,8 km südöstlich der Mount Wood Homestead.

Ein paar hundert Meter Fahrt und man steht mitten im Pastoral Museum. Hier ist alles ordentlich aufgestellt und zusammengetragen, teilweise beschriftet und restauriert. Für Fotografen ein Paradies, wo findet man auf einen Haufen schon so viele rostige und fotogene Objekte?

Einige Exponate stehen in der prallen Sonne, einige kleinere Geräte sind unter einem Schattendach zusammengefasst. Manche kamen ursprünglich den weiten Weg aus England.

Ganz besonders interessant ist neben alten Dampfmaschinen und Dampfkesseln, rostigen Einzelteilen und hölzernen Zeugen der Vergangenheit der teilweise erhaltene und gut dokumentierte Wool Scour Complex.

Hier sieht man ein seltenes Beispiel von Woll-Technologie. Die Vliese, die geschoren wurden, konnten hier gleich gereinigt werden. Der Transport von Wollballen war sehr teuer, damals erfolgte er noch mit Ochsenkarren und Kamelen. Eine Reduzierung des Gewichtes durch vorherige Reinigung sparte eine Menge an Kosten und maximierte so den Gewinn - Dreck, Fett und Sand machten etwa die Hälfte des Gewichts aus und wurden hier von der Wolle getrennt.

Erbaut wurde die Anlage 1897 und sie arbeitete bis 1920, als der Transport mit Motorkraft erfolgte und sich dmait die Transportkosten verringerten. Ihre Effektivität war auch schwankend, da sowohl die Reinigungsstraße als auch die Dampfmaschine viel Wasser brauchten. Während der großen Dürre im Jahr 1918 konnten nur 24 von 757 Ballen Wolle gewaschen werden.

Sehr interessant ist auch die Rechnung für die Maschinerie: Für knapp 400 Pfund Sterling wurde diverses Gerät wie Pumpen und Getriebe inklusive einer Dampfmaschine aus England geliefert. Die Dampfmaschine hatte wegen des hohen Gewichts gleich ihr eigenes lenkbares Fahrwerk, da jeder normale Ochsenkarren darunter zusammengebrochen wäre.



Ein anders, interessantes Teil ist der restaurierte Walking Beam, mit dem man Wasser aus dem Untergrund aus 300 Fuß Tiefe mit Hilfe von Pferden oder Kamelen an die Oberfläche brachte. Mit einfachsten Mitteln wurde hier über dem Brunnenschacht ein Aufzug für Wasser-Schöpfkanister installiert. Über ein hölzernes Umlenkgetriebe und eine große Seiltrommel wurden die Kanister auf und ab bewegt und am Brunnenkopf in eine offene Rinne entleert.

Wiederum erstaunlich sind die Werkzeuge, mit denen die Viehtränken, die so genannten Tanks, ausgebaggert wurden: Man nehme in etwa den Räumschild einer Planierraupe, bringe daran einige Ösen und eine Halterung für ein Zuggeschirr an, und schon kann man mit einem Team von Zugochsen umfangreiche Erdbewegungen durchführen.

Letztes Beispiel für die heute kaum vorstellbare Handwerkskunst: Wir sahen hier mechanische Mähmaschinen, an denen eigentlich nur die Schermesser aus Stahl waren. Eines der Räder übertrug die Bewegung über eine hölzerne Untersetzung auf das Schermesser - ein Pferd reichte für die Arbeit.

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