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BALINESISCHE ARCHITEKTUR
     Die balinesischen Tempel unterscheiden sich stark nach Bedeutung und Bestimmung, sind aber hinsichtlich ihrer Anlage und Ausstattung eigentlich immer sehr ähnlich. Stets sind sie zum heiligen Berg Gunung Agung hin ausgerichtet und in verschiedene Höfe gegliederte, nur von Mauern umrandetet, dem Himmel und den Göttern offenstehende Räume. Nur Gläubige dürfen die inneren Höfe betreten, meist haben Touristen aber einen Einblick in die heiligen Bezirke, die Mauern sind oft nur niedrig und man kann darüber hinweggucken. Balinesische Häuser sind ihren Besitzern auf den Leib geschnitten, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Maße des Familienoberhauptes dienen als Grundlage für Länge, Höhe und Breite der einzelnen Hauselemente.
 
Tore und Tempel
     Die Tempel betritt man fast immer durch ein gespaltenes Tor, das so genannte Candi Bentar, es ist oft reich verziert. Der relativ enge Eingang ist immer meerwärts ausgerichtet, so dass man den Tempel in Richtung auf die Berge betritt. Die ungewöhnliche Form des Tores geht auf eine Legende zurück: Als der Berg Mahameru, Sitz aller hinduistischen Götter, nach Bali transportiert wurde, fiel er in zwei Teile auseinander, aus denen die Berge Gunung Agung und Batur entstanden. Das gespaltene Tor symbolisiert diese beiden Hälften.
     Hat man dieses Tor passiert, befindet man sich auf dem ersten Hof. Er ist eine Art Vorplatz und Versammlungsort, auf dem bei Tempelfesten die Opfergaben zubereitet und die obligatorischen Hahnenkämpfe veranstaltet werden. Hier findet man auch einige Pavillons.
     Durch ein normalerweise besonders reich verziertes, oben geschlossenes Tor, das Candi Korung, kommt man in den zweiten Hof. Flankiert wird das Tor von steinernen Wächterfiguren, die paarweise am Eingang aufgestellt sind. Es handelt sich um bösartige Dämonen, die zugleich Schutzgottheiten gegen böse Einflüsse sind und deshalb meist hässlich: Mit massigem Kopf und gerunzelter Stirn, runden, hervorquellenden Augen und gefletschtem Mund.
Unterstützt werden sie oftmals von in den Portalen eingelassenen, stilisierten Dämonenfratzen und als weitere Absicherung gibt es direkt hinter dem Tor eine Steinmauer. Man läuft also quasi direkt vor die Wand. An dieser Schutzmauer sollen böse Geister und Dämonen (soweit bis dahin nicht schon abgeschreckt) abprallen, da diese sich nach Glauben der Balinesen nicht um die Ecke bewegen können.
     Aber wir Menschen können das und deshalb steht man kurz darauf im mittleren Hof. Hier befindet sich eine Versammlungshalle und mehrere Pavillons zur Aufbewahrung der Gamelaninstrumente und des Kultgeräts für die Priester.
     Die inneren Bereiche eines balinesischen Tempels sind den Göttern und Gläubigen vorbehalten und für Touristen tabu. Abgerundet wird das Bild durch eine Reihe von Altären, Schreinen und Pagoden, die man aber meist beim Blick über die Mauer sehen kann.
Das balinesische Dorf
     Beim Betreten eines traditionellen balinesischen Dorfes fällt zuerst die Hauptstraße auf, welche durch eine Querstraße gekreuzt wird. Die an diesen Straßen dicht aneinandergereihten Familienanwesen sind von hohen Lehm- oder Backsteinmauern zum Schutz vor bösen Geistern umschlossen.
     In der Mitte eines jeden Dorfes liegt der Dorfplatz, wo sich sämtliche wichtigen öffentlichen Gebäude befinden. Dazu zählen der Dorftempel, die Versammlungshalle und der Palast des lokalen Fürsten. Jedes Dorf, das etwas auf sich hält, besitzt auch eine Hahnenkampfarena und drei Haupttempel. Die Lage dieser Tempel ist von entscheidender Bedeutung:
 
     Immer im bergwärts ausgerichteten östlichen Teil steht der Pura Puseh(Ursprungstempel), den vergötterten Ahnen vergangener Dorfbewohner geweiht. Als zentraler Dorftempel befindet sich der Pura Desa (Tempel der großen Ratsversammlung) in der Mitte des Dorfes. Hier werden religiöse Zeremonien und Versammlungen der Gemeinschaft abgehalten. Richtung Meer und außerhalb des Dorfes steht der dritte Tempel, der Pura Dalem (Todestempel). Daneben liegen der Friedhof und das Krematorium.
 
     Nur wenige Dörfer besitzen diese perfekte Anordnung der drei Tempel. Meistens teilen mehrere Gemeinden einen Ursprungs- und Ratstempel, aber jede besitzt ihren eigenen Todestempel. Jedes balinesische Dorf bildet eine eigene Gemeinschaft, mit eigenen sozialen Organisationen.
 
Balinesische Gehöfte
     Alle balinesischen Familienehöfte sind wie eine Festung von dicken Lehm- oder Backsteinmauern eingeschlossen. Sie dienen, wie immer, zum Schutz vor bösen Geistern und sind mit geflochtenen Palmblättern, Reisstroh oder Kletterpflanzen bedeckt. Der Weg durch das Eingangstor führt über hohe Steinstufen, zu denen meistens noch eine kleine Brücke oder ein Steg über den Graben neben der Straße führt.
     Ein typisches Gehöft ist mit viel Phantasie analog zum menschlichen Körper konzipiert. Der wichtige und heilige Familienschrein für vergötterte Ahnen stellt den Kopf dar und befindet sich in dem Teil, der dem heiligen Berg Gunung Agung zugewandt ist. Er wird häufig durch eine zusätzliche Mauer abgegrenzt. Daneben liegen die Wohn- und Schlafhäuser, welche die Arme darstellen und der Hof entspricht dem Nabel. Beine und Füße bilden die großen Getreidespeicher und die immer separat liegende Küche, die dem Meer zugewandt ist.
     Die einzelnen Gebäude im Hof sind locker angeordnet und die meist halboffenen Pavillons stehen dem gesamten Familienverband zur Verfügung. Mit Ausnahme der Paläste haben fast alle Höfe auf Bali dieses allgemeine Grundmuster, egal in welchem Teil der Insel.
 
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