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Klungkung
     Klungkung spielte eine wichtige Rolle in der balinesischen Geschichte. Als Sitz des Dewa Agung, des nominell ranghöchsten der vielen balinesischen Radschas, hatte Klungkung immer einen besonderen Platz in der Geschichte der Insel. Die Paläste der Edelleute waren Zentren der Kunst: Malerei, Musik und Tanz wurden hier gefördert. Im 15. Jahrhundert fanden die Flüchtlinge des javanischen Majapahit-Reiches im 3 km südlich gelegnenen Ort Gelgel eine neue Heimat. Der Sohn des Majapahit-Herrschers erklärte sich selbst zum König von Bali und begründete die Gelgel-Dynastie. Die Macht des Raja von Klungkung fand erst ein Ende, als die Holländer 1908 zu einer Strafexpedition ansetzten. Der Raja, seine Familie und viele Getreue verübten rituellen Selbstmord und der Königspalast wurde fast ganz zerstört.
     Die Bewohner von Klungkung geleten auf Bali aufgrund ihres aristokatischen Erbes als besonders stolz, konservativ und traditionell.
    Auf Karten und im Sprachgebrauch trägt die Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Klungkung ebenfalls diesen Namen, obwohl sie seit 1992 offiziell wieder Semarapura heißt. Die meisten Straßensschilder sind mittlerweile auch schon abgeändert. Die bekannteste Sehenswürdigkeit dieser ansonsten nicht sehr anziehenden Stadt ist das alte Gerichtsgebäude. Direkt daneben liegt das riesege Monument des Puputan, eine Stupa aus Vulkangestein, mit dem an den Selbstmord des Königshofes von 1908 erinnert wird.
Kerta Gosa
     Wenn man in Reisefüheren die schönen Bilder der Anlage um die Gerichtsgebäude sieht, kann man nirgends erkennen, dass die alten Gebäude etwas erhöht direkt am einem der verkehrsreichsten Kreisverkehre von Klungkung liegen. Je nach Tageszeit ist der Lärm und Gestank hier unglaublich.
    Der offizielle Parkplatz liegt direkt gegenüber dem Eingang, wo man schon beim Aussteigen von zahlreichen Händlern umlagert wird. Nachdem man seinen Eintritt gezahlt hat, bietet sich dann garantiert ein netter, meist auch deutschsprechender Herr als Führer an. Diese Leistung ist natürlich nicht umsonst, für die übersichtliche Anlage lohnt sich die Ausgabe nicht, wenn man einen guten Reisefüherer hat dann kann man das Wichtigste auch nachlesen. Es ist allerdings schwer, den aufdringlichen Hern freundlich wieder loszuwerden.
     Kerta Gosa wurde als königlicher Gerichtshof im 18.Jahrhundert erbaut und beherbergte damit das oberste Gericht der Insel. Einst war es Bestandteil eines Raja-Palastes. Bei der Zerstörung dur die Holländer blieb außer dem Eingangstor nur die Gerichtshalle und der schwimmende Pavillon bis heute erhalten. Alle Gebäude und Gemälde wurden schon mehrmals renoviert.
     In einer kleinen Parkanlage steht dem Tor gegenüber eine große Halle, umgeben von einem Wassergraben, der schwimmende Pavillon Bale Kembang(oben). Rechts vom Eingang, in der Ecke des Geländes, steht als zweites Gebäude die kleinere, eigentliche Gerichtshalle Bale Kerta Gosa, in der noch einige alte Holzmöbel stehen. Von hier aus hat man den besten Blick auf den vorbeirauschenden Verkehr.
   Die Malereien an der Decke sind einzigartig. Stand früher ein Angeklagter im Kerta Gosa vor den jeweils drei Richtern und Beisitzern, so zeigte schon ein Blick zur Decke, welche Strafen ihn bei einer Verurteilung erwarteten. Die meisten Darstellungen sind sehr drastisch, die Bilder sind das reinste Gruselkabinett. Ehebrechern werden da die Genitalien abgebrannt, Frauen müssen beim Gang durchs Feuer in die Gesichter ihrer abgetriebenen Säuglinge schauen und Diebe werden in Kesseln mit siedendem Öl zu Tode gequält. Auf meinen Bildern passiert auch allerlei Schreckliches...
    Vom Stil, der Kamasan- oder Wayang-Malerei her gleich, zeigen die Malereien im schwimmenden Pavillon Bale Kembang ganz andere Motive. In mehreren Reihen werden kalendarische Beobachtungen und Berechnungen, Szenen aus dem historischen balinesischen Alltag und verschiedene Sagen und Mythen erzählt. In der Kolonialzeit diente diese Halle als Warteraum für das Gericht. In vielen Reiseführern wird der Bale Kembang irrtümlich als die eigentliche Gerichtshalle abgebildet, vermutlich ist das Bild der Halle mit dem Wassergraben imposanter.

 
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