Im balinesischen Glauben ist das Leben nur ein kurzes Zwischenspiel im langen Entwicklungsprozess der Seele. Der Körper ist nur ein Behälter für die Seele und der Tod ist die Befreiung der Seele auf ihren Weg zum Himmel. Der Tod tritt ein, wenn die Seele den Körper verlässt, dieser kann sie aber nicht ganz freigegeben, so lange es noch einen Körper gibt. Die Seele verlässt den Körper, zum Beispiel auch während des Schlafes, und wenn sie nicht mehr zurückkehrt, muss dieser Behälter für die Seele zerstört werden. Weil der Balinese den Tod nicht als Ende, sondern als neuen Anfang wahrnimmt, ist die Verbrennungszeremonie der größte Tag im Leben eines Hindu.
Früher war die Verbrennung ein Privileg der oberen Schichten, heute äschern alle Hindus auf Bali ihre Toten ein. Es ist aber eine teuere Angelegenheit, und oftmals vergehen mehrere Jahre, bis die Voraussetzungen geschaffen sind. Deswegen werden oft auch mehrere Tote in einer gemeinsamen Zeremonie verbrannt. Bis zur Verbrennung können so auch Jahre vergehen.
Der Körper liegt begraben, bis er verbrannt wird, und ein kleiner Bambusaltar wird am Grab aufgerichtet. Das Signal des Todes in einem Haus ist eine Kokosnuss-Öllampe, die an einem langen Bambusstab über das Dach gehängt wird.
Wenn die Verbrennung stattfindet, wird der Körper mumifiziert, müssen die Opfergaben vorbereitet und die Opfertische errichtet werden. Siehe Foto oben.
Nachdem alle Gäste an einem üppigen Essen teilgenommen haben, wird der Körper, von Gamelanmusik begleitet, über eine aufwendig gebaute Treppe hoch auf einem Bambusturm (gestützt auf ein Bambusfundament) befestigt.
Ein hoher Priester oder die Mutter des Toten können auf einem Stuhl, der oben an der Spitze des Turmes befestigt ist, mitgetragen werden.
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