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IM WALD MIT LUIS

An einem Morgen buchten wir einen begleiteten Ausflug und Luis, der Besitzer der Pouso Alegre Lodge, kümmerte sich höchstpersönlich um seine einzigen allein reisenden Gäste, denn alle anderen waren mit eigenem Guide unterwegs und hatten so ihre ständige Begleitung für den ganzen Tag mitgebracht.

Wir machten uns mit dem alten Toyota von Luis am Morgen nach dem Frühstück auf den Weg, um ein Waldstück in der Nähe des Rio Bento Gomes zu besuchen, der hier am Privatgelände vorbei fließt. Um diesen Wald, den Piúva de Cipó zu erreichen, mussten wir erst einmal eine längere Strecke über die Weiden fahren.

Die Kühe und Pferde hier sind an Autos gewöhnt und schauten kaum vom Grasen auf. In der Regenzeit ist dieses flache Gelände komplett unter Wasser. Das muss ein wunderbarer Anblick sein, wenn sich der blaue Himmel darin spiegelt und hunderte Wasservögel sich auf den wenigen Bauminseln versammeln. Unterwegs erzählte uns Luis begeistert von den Sichtungen, die er hier schon hatte und den Vogelkolonien, die man zu anderen Jahreszeiten sehen kann. Jetzt in der Trockenzeit war weniger los und wir erreichten schnell einen Waldstreifen. Die Straße hier ist eher schlecht, nachdem wir einige Lichtungen passiert hatten parkten wir am Ende in der Nähe des Flussufers und gingen zu Fuß weiter. Hier lag auch ein Kanu, das man nutzen kann, wenn es mehr Wasser gibt.

Das Ufer ist hier dicht bewaldet, nur selten kann man es erreichen und hat dann einen Blick über eine weite Fläche aus Wasserhyazinthen bis zum gegenüber liegenden Ufer. Wenig Wasser war um diese Jahreszeit im Fluss, mehr grüne Flächen waren zu sehen und einige jagende Bussarde über den Bäumen gegenüber.

Mitten im Fluss liegt eine große Insel, zu der man auch mit dem Boot übersetzen kann, wenn genug Wasser im Fluss ist. Folgt man dem Pfad weiter, dann erreicht man den Retirinho Oxbow Lake.

Auf den hohen Bäumen am Ufer sitzen zahlreiche Schneckenweihen, Bussarde und Eisvögel. Überall lagen leere Schneckengehäuse zwischen den Stämmen auf dem Boden, vor allem dort, wo die Raubvögel ihren Lieblingssitzplatz haben. Bei unserer Annäherung waren die aber leider gleich verschwunden.

Wir bewegten uns so leise wie möglich durch den Wald, immer hinter Luis her, der sich hier ja gut auskannte. Er zeigte uns seltene Orchideenarten und machte uns auf Vögel aufmerksam. Den einen oder anderen konnten wir auch fotografieren. Es war sehr heiß, der Schweiß lief uns in Strömen über den Rücken. Dazu kam noch die schwere Kamera, die ich ja ständig in der Hand hatte. Es war wunderbar zu beobachten, mit wie viel Liebe Luis kleine, vom Baum gefallene Orchideenableger vom Boden aufhob und wieder auf einen Baumstamm setzte. Ab und zu kontrollierte der Schlangenexperte einige seiner Fallen, die er zu Studienzwecken überall auf seinem Land hat und regelmäßig auf neue Fundstücke überprüft. Aber an diesem Tag war leider nirgends etwas drin, was wir hätten bestaunen können. Dafür sahen wir eine Schlange im dichten Laub, die wir ohne Luis mit Sicherheit nicht bemerkt hätten.






Der Tamandua

Auf dem Rückweg zum Auto konnten wir einen kleinen Vogel beobachten, der eifrig mit Nestbau in einer Baumhöhle beschäftigt war und uns kaum zu bemerken schien. Der schmale Pfad durch den Wald war wunderschön, aber die Hitze setzte uns am späten Vormittag trotz Schatten doch schon sehr zu. Plötzlich war alle Müdigkeit verflogen, denn vor uns erschein ein Tier, auf das ich sehr gehofft hatte und das wir leider nur ein einziges Mal sehen sollten: ein Tamandua, ein kleiner Ameisenbär.

Diese putzigen Tiere sind sowohl tag- als auch nachtaktiv, sie ruhen aber meist in der Mittagszeit. Unser Exemplar war ein Weibchen, das sich bei unserer Annäherung schnell in einen Busch zurückzog. Ein paar Bilder konnte ich noch machen, dann schauten nur noch Auge und Nase aus dem dichten Blattwerk heraus. So getarnt hätten wir sie nie bemerkt, wenn wir ein paar Meter entfernt vorbei gelaufen wären.

Ein Tamandua ist etwa acht Stunden pro Tag aktiv, er durchfegt mit seinem langen buschigen Schwanz die Trockensteppen und Savannen nach schmackhaften Termiten und Kerbtieren, wobei er sich ebenso auf dem Boden wie auch in den Bäumen fortbewegt. Ständig auf der Suche nach Nahrung, vertilgt an einem einzigen Tag rund 35.000 Ameisen. Die Vorderkrallen sind auf das Aufbrechen von Ameisen- und Termitenbauten spezialisiert. Am Boden sind die Tiere aber eher langsam und unbeholfen, vor allem im Vergleich zum viel mobileren großen Ameisenbären. Tamanduas können schwimmen und richten sich bei Bedrohung auf ihren Hinterbeinen auf, um gefährlicher zu wirken.

Wir haben uns zurückgehalten und mit Teleobjektiv fotografiert um das Tier nicht zu stören, schließlich waren wir froh überhaupt ein Exemplar dieser niedlichen Spezies davon gesehen zu haben. Es sollte leider auch der einzige in diesem Urlaub bleiben.

Kurz bevor wir das Auto wieder erreichten fanden wir noch eine große Ansammlung Grillen auf einem Blatt. Unten auf dem Foto ist schon die Hälfte abgesprungen, es waren noch mehr. Leider haben wir sie zu spät bemerkt und den Zweig beim Vorbeigehen gestreift. Im Wald muss man immer die Augen offen halten, man weiß nie was noch kommt.






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