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DER ERSTE SCHNEE

Die Temperaturen im September im Jahr 2010 lagen eigentlich immer ein wenig unter den Mittelwerten, was uns in den Rockies einige kalte Nächte bescherte. Vor allem bei den Übernachtungen am Icefields Parkway hatten wir durchaus schon Minustemperaturen. Am Morgen waren es dann im Camper, trotz Heizung, um die 6°C. Zum Frühstück hatten wir den Innenraum dann auf muckelige 14°C aufgeheizt. Dagegen hilft nur warme Kleidung und ein heißer Kaffee am Morgen.

Schön war der Herbst am Highway, überall lag am frühen Morgen noch Rauhreif auf den Pflanzen oder Nebel und Wolken hingen auf dem Talboden. Besonders über den Gewässern lösten sich die dicken Nebelbänke nur zögerlich auf, erst nachdem die Sonne genug Kraft hatte war auch die Sicht gut.

Wir befanden uns gerade westlich der Rockies und suchten im Internet nach den aktuellen Wettervorhersagen, als uns Mitte September die ersten Schneevorhersagen überrschten. In den nächsten Tagen sollte es vor allem in Lake Louise und Jasper kräftig schneien, danach war ein paar Tage strahlender Sonnenschein vorhergesagt. Da wir den Icefields Parkway beim ersten Besuch auf weiten Strecken nur mit vielen Wolken und Regen erlebt hatten, beschlossen wir spontan einen zweiten Besuch.

Den Sonnenschein erlebten wir dann schon im Yoho National Park und voller Vorfreude fuhren wir über Lake Louise zum Mosquito Creek Campground. Dieser liegt nur ca. 30 Kilometer hinter dem Ort im Nationalpark und war Mitte September neben dem Rampart Creek Campground nördlich von Sascatchewan Crossing als einziger Platz noch geöffnet. Es gab allerdings kein Wasser mehr, weil es über Nacht in den Rohren einfriert und so Schäden anrichtet.

Es hatte wirklich in der Region um Lake Louise geschneit und ein paar Reste lagen auch noch am Boden, vor allem an den Stellen ohne längere Sonneneinstrahlung. Auch am Campground zwischen den Tannen war alles noch ziemlich weiß, wir suchten uns den Stellplatz Nummer 29 mit zwei Zufahrten aus. Der Abendspaziergang fiel wegen Kälte etwas kürzer aus. Eine Hand-Probe im Bach neben dem Campground zeigte uns schnell, wie kalt es des Nachts werden würde.




Unfall am Morgen

Nach einer guten Nacht unter warmen Decken standen wir am nächsten Morgen ganz früh auf. Ein Blick aus den Fenster - es regnete nicht, nur ein paar Eisblumen behinderten die Sicht aus dem Alkoven. Wir beschlossen, uns schnell in die warme Kleidung zu werfen und ohne Frühstück loszufahren, um so die Lichtstimmung er ersten Sonnenstrahlen auf den weißen Bergen zu erleben. Von unserem Standplatz aus sah man fast nur hohe Nadelbäume und kaum Berge.

Beim Herausfahren aus dem Stellplatz passierte es dann: Wir konzentrierten uns darauf, den nahen Baum auf der linken Seite nicht zu streifen, da hoppelte der Camper mit dem rechten Vorderreifen über eine dicke Unebenheit, vermutlich ein Findling im Boden. Eigentlich nicht weiter schlimm, über eine Bordsteinkannte kann man ja auch fahren. Hier war es aber ein unter der Schneeschicht gut getarnter Baumstumpf, dahinter ein Stein. So senkte sich der Wagen nach einem Meter wieder ab und an dem Baumstumpf blieben wir nun mit der tief liegenden Eingangstreppe hängen.

Es kirschte und knackte ganz gewaltig und dann ging es weder vor noch zurück. Die Holztreppe mit Metallkasten rund herum war an der Vorderseite aus dem Fußboden herausgerissen und hatte sich komplett nach hinten in Richtung Reifen verschoben, die dünne Schrankwand zum Kühlschrank war vom verbogenen Fußboden nach oben geschoben und gebrochen - dort gab es aber eine Sollbruchstelle zwischen Bodenlampe und Feuerlöscher.

Mit ein paar unter die Reifen gelegten Holzscheiten kamen wir erstmal etwas höher und somit vom Baumstumpf frei - ein Wagenheber wird ja von Cruise Canada absichtlich nicht mitgegeben. Aber alle Versuche, aus der Falle heraus zu rangieren schlugen fehl. Beim Fahren nach vorne hing man wieder am Baumstumpf fest, beim zurück setzen verklemmten sich die Treppenreste vor dem Hinterrad und wurden noch weiter nach oben geschoben. Zur linken Seite konnten wir wegen der Bäume nicht. Ein paar andere Camper kamen auf dem Weg zur Toilette vorbei, glotzten aber nur und verschwanden schnell wieder. Da wir kein Werkzeug hatten, beschloss ich einen der anwesenden Kanadier nach einem Kreuzschlitz-Schraubenzieher zu fragen, um damit die Treppenreste komplett abzuschrauben.

Ein netter Mensch mit zwei Hunden, das konnte nur ein Kandier sein, wurde dann mit den Worten angesprochen "Sie sehen aus wie einer dieser gut ausgerüsteten Kanadier...". Und tatsächlich, an dieser Stelle ein großes Dankeschön an den netten Herrn unten auf dem Bild. Er hatte nämlich nicht nur einen Schraubenzieher, sondern auch eine Brechstange bzw. Kuhfuß dabei, zudem half er Michael auch tatkräftig beim herausoperieren der Treppe. Zwischenzeitlich waren zufällig auch zwei junge Damen von der Parkverwaltung eingetroffen, die uns rieten, die 30 Kilometer zurück nach Lake Louise zu fahren - Handy und Funk würden hier nicht funktionieren. Fahrtüchtig war der Camper ja noch.

Nach einer guten Stunde Arbeit lösten sich dann die letzten Verbindungen, nach geschicktem Manövrieren bekamen wir die Blechkiste mit den Treppenstufen auch noch duch das Loch im Boden und die Eingangstür hinaus bugsiert. Im Boden des Campers gab es jetzt ein großes Loch. Der verbeulte Treppenkasten wurde dann vor der Toilettentür abgelegt und mit offenem Boden fuhren wir zum Campingplatz in Lake Louise, auf dem wir am Anfang der Reise übernachtet hatten. Dort konnten wir die Toll-free-0800-Nummer von Cruise Canada anrufen.

Der Rest war schnell und professionell. Die Hotline nahm den Schaden auf, und ein Spezialist übernahm einige Minuten später die Leitung. Nach einigen Detailfragen telefonierte dieser Könner auf seiner zweiten Leitung mit einer Werkstatt in Jasper, mit seinem Supervisor und mit der Verleihstation in Calgary und klärte das weitere Vorgehen ab. Da wir so bei der Kälte ja nicht weiter im Camper schlafen konnten und auf Nachfrage eine Reperaturwerkstatt für Schäden dieser Größe in den Bergorten nicht aufzutreiben war, fuhren wir die 186 Kilometer zum Depot nach Calgary. Dort wartete ein fast nagelneuer Camper auf uns, wir mussten nur schnell unsere Sachen umladen und auf Kreditkarte die 1.000 Dollar Selbstbeteiligung bezahlen. Das ist die Pauschalsumme, die bei einem Schaden, der einen Autotausch erfordert, immer fällig wird. Das war durch unsere Zusatzversicherung beim deutschen Fahrzeugvermittler aber ebenfalls abgedeckt.

Den ungeplanten Umweg nutzten wir dann zur Weiterfahrt nach Drumheller, wo uns sommerliche Temperaturen und Sonnenschein erwarteten.

Unsere Route war ja flexibel, also fuhren wir zuerst durch die Prärie und den Waterton Lakes National Park, um dann von der Westseite der Rockies einen erneuten Versuch zu starten, den Icefields Parkway noch einmal im Sonnenschein zu sehen. Und an den letzten beiden Urlaubstagen klappte das dann auch perfekt!



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Mosquito Creek Campground


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