Der Hula
Der traditionelle Hula erlebt auf den Inseln von Hawaii gerade eine Renaissance. Viele junge Hawaiianer identifizieren sich heute wieder mit der Jahrhunderte alten Tradition. Ursprünglich wurde er von Männern getanzt und ist kraftvoll und rhythmisch, von Holztrommeln und Gesängen begleitet.
Die Frauen tanzen weicher als die Männer, jedoch ohne das wilde Hüftschwingen, das zum Beispiel auf Tahiti üblich ist. Der fehlenden Schriftüberlieferung wegen mussten die Tänze als Medium der Überlieferung vor Verfälschungen bewahrt werden. Der tänzerische Ausdruck der Füße, Arme, Hände und des Gesichts stellen eine Zeichensprache dar, die bei falscher Bewegung oder Kopfhaltung die Botschaft verfälscht hätte. Deshalb bleibt der Körper der Tänzer fast unbewegt, die Füße bestimmen den Takt, und Arme und Hände vermitteln den festgelegten Inhalt des Tanzes.
So ist alles strengen Regeln unterworfen, auch auf den begleitenden Gesang wird Wert gelegt. Die Texte sind selbstverständlich in der alten Sprache verfasst. Die getanzten Geschichten sind meist polynesische Legenden.
Die Tänzer haben auch oft eigene musikalische Begleitinstrumente. Kokosschalen werden ausgehöhlt und mit Fischhaut überzogen. Am Oberschenkel des Tänzers befestigt, dienen sie als Trommeln und werden mit einer Schnur geschlagen. Beinkleider und Armbänder aus Eber- und Hundezähnen rasseln ebenfalls im Rhythmus des Tanzes.
Ursprünglich waren die Tänzer mit Röcken und Hals- und Kopfgirlanden aus großen, grünen Ti-Blättern bekleidet. Die weltweit bekannten feineren Grasröcke wurden erst im 19.Jahrhundert von den Gilbert-Inseln in Mikronesien eingeführt. In unserer Zeit kann man bei Touristenaufführungen auch schon mal verkitschte Plastikröckchen und Kunstblumen sehen, die die wild schwingenden Hüften betonen.
Was man so als Tourist geboten bekommt, ist überwiegend moderner Hula und hat mit den alten Traditionen wenig zu tun. Die Begleitung ist Ukulele, E-Gitarre und Schlagzeug, die Texte sind auf englisch, und bei der Kostümierung sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
Die Frauen tanzen mit einem möglichst betont-erotischen Hüftschwung, die Männer geben einige Einlagen, deren tänzerische Choreographie oft auch noch aus dem gesamten Pazifikraum zusammengeklaut wurde. Wer akzeptiert, das diese Tanzvorführungen weder traditionell noch authentisch sind, kann trotzdem bei einer der zahlreichen Hulashows einen unterhaltsamen, bunten Abend verleben. Es ist eben amerikanisches Entertainment, eine perfekte Mischung aus Tradition und Showeinlagen im Stil von Hollywood und Disneyland.
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