Der Ritt in der Röhre![]() Das "Bodysurfen" ohne Brett war in ganz Polynesien bekannt. Als artistischer Sport, bei dem die höchsten Wellenberge gemeistert werden, ist das Surfen aber erst in Hawaii entstanden. Für die alten Hawaiianer war das Surfen immer mehr als eine reine Freizeitgestaltung. Von der Auswahl des Baumes bis zum ersten Wasserkontakt war bei der Herstellung des Surfbretts alles von religiösen Zeremonien begleitet. Nach ihrer Ankunft um 1820 schafften es die christlichen Missionare, diesen Sport fast völlig verschwinden zu lassen. Für die Gottesmänner war es reine Zeitverschwendung. Erst in unserm Jahrhundert wurde der Sport wieder populär, vor allem durch Duke Kahanamoku. Er machte den Sport überall auf der Welt bekannt und begeisterte damit Tausende auf dem Kontinent und sogar in Australien. 1968 starteten die ersten Wettbewerbe und auch heute gilt das hawaiianische "Professional Championship" als das große Finale nach einer Vielzahl internationaler Wettbewerbe. Die drei großen Meisterschaften finden meist in der Zeit von Ende November bis Mitte Dezember hier an der Nordküste von Oahu statt, die Triple Crown of Surfing. Dann sorgen die Winterstürme für große Wellen und beständige Surfbedingungen. Ich war zum ersten Mal im September da, das Wasser war glatt und weit und breit waren kaum Wellen zu sehen. Schwer vorstellbar dass hier, an den besten Surfstränden der Welt, die Wellen mit solcher Urgewalt ankommen können. Im November hatten wir Glück, die Wellen waren ausreichend hoch, wenn auch nicht gewaltig. Die besten Surfbilder, die dort entstanden sind, sind in meiner Fotogalerie "Surfer" zu sehen. Noch eine Woche vorher meldete der Wetterbericht dank eines Sturmtiefs vor Alaska doppelt so hohe Wellen wie auf meinen Bildern. Die Namen der Strände sind Musik in den Ohren eines jeden Surf-Freaks: (Von Norden) Alii, Haleiwa, Waialua, Papailoa, Laniakea, Chuns Reef, Kapealoa, Waimea Bay, Pupukea, Banzai, Ehukai, Sunset und Kaunala. Einfach zu finden sind sie nicht, da keinerlei Beschilderung existiert. Am besten, man orientiert sich an den parkenden Pickups der Einheimischen. Wenn man die in größeren Gruppen am Straßenrand entdeckt, dann befindet sich dort meist zwischen den Häusern ein Zugang zum Strand und nach wenigen Metern schon steht man an einem der berühmtesten Surfstrände der Welt. Dort, wo die meisten Fotografen ihre Stative aufgebaut haben ist mit Sicherheit auch die beste Stelle, um die meiste Aktion zu sehen.An manchen Tagen wird es hier auch erfahrenen Profis zu gefährlich, dann türmen sich die Brecher hoch wie Wohnblocks und hüllen die Autos auf dem Highway in einen Nebel aus Salzspray. Surfen wird an solchen Tagen ein Spiel mit dem Tod.
Am nächsten ist man dem Geschehen als Zuschauer beim Ehukai Beach Park, denn dort bilden sich die riesigen Wasseröhren erst kurz vor dem Strand, was den Sport dort aber auch besonders gefährlich macht. Die Wassermassen werden hochgesaugt, bevor sie auf das Riff donnern, so dass sich in diesem Moment kaum noch Wasser über dem Grund befindet. Nur sehr geübte Surfer dürfen sich in diese pure Naturgewalt wagen. Ungebrochen von vorgelagerten Inseln oder Riffen türmen sich die Wellen, nachdem sie ungehindert Hunderte von Seemeilen übers offene Meer gekommen sind. Richtige Monsterwellen. Anfänger schwimmen besser auf der anderen Seite der Insel, dort ist das Meer wesentlich ruhiger. |

