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HEILIGE KÜHE

Neben dem Kastensystem sind die sogenannten "Heiligen Kühe" Indiens bekannteste Eigenart, von der mit Sicherheit jeder schon einmal im Vorfeld einer Reise gehört hat. In dichtem Verkehr und am Strassenrand herumstehende Rindviecher gehören einfach zum indischen Straßenbild dazu.

Man sagt, die Kühe werden von den Hindus als heilige Wesen verehrt, aber die meisten Tiere fristen im Alltag oft eher ein trauriges Dasein. Ausserdem ist immer nur von Kühen die Rede, gleiches gilt aber auch für die männlichen Rindviecher, wobei das weibliche Tier dennoch einen höheren Stellenwert genießt.

Rinder dürfen in Indien nicht geschlachtet werden, denn wer einer Kuh das Leben nimmt, der hat nach hinduistischem Glauben einen Mord begangen. Der Sanskrit-Name lautet Aghnya, die Unantastbare. In den meisten indischen Bundesstaaten ist das Töten von Kühen sogar gesetzlich verboten, einen Überblick darüber findet man bei http://dahd.nic.in/ch2/an2.8.htm.

Für Hindus ist eine Kuh die Mutter allen Lebens und sogar ihre Gaben haben religiöse Bedeutung, weil sie den Alltag von Millionen Menschen bestimmen. Viele Familien leben von der Milch, die selbst verzehrt wird oder auf Märkten verkauft. Aus ihr wird Ghee gewonnen, ein Butterfett zum Kochen und der Butterschmalz wird sogar als Lampenöl verwendet. Auch Joghurt, der mit Wasser verdünnt als Lassi ein sehr beliebtes Getränk ist, wird ebenfalls oft zum Kochen verwendet.

Traditionell ist die Zebu-Kuh als friedliches und gutmütiges Tier favorisiert, aufgrund der höheren Milchausbeute halten aber immer mehr Bauern heute die als agressiv und hinterhältig verrufenen Wasserbüffel, die wir mancherorts als Wach-Bullen eingesetzt sahen. Kein Fremder traut sich in einen von einem wütenden Wasserbüffel bewachten Hof. Unten auf dem vorletzten Bild sieht man eine Wasserbüffel-Kuh.

Der Kuhdung wird aufgesammelt, mit Häcksel vermischt, in flachen Scheiben gepresst und getrocknet. Kleine Berge sieht man überall am Strassenrand. Für Millionen Menschen in den Dörfern und sogar in den Städten ist der Dung das wichtigste Heizmaterial für das tägliche Kochen. Besser, gesünder und ökologischer als das sonst benutzte, subventionierte Kerosin.

In den Dörfern ist Kuhdung auch zum Bau der Häuser als Beimischung zum Mörtel unerlässlich. Er wird dort ausserdem dem Wasser beigemischt, mit dem man Haus und Hof reinigt. Für Hindus findet dadurch auch eine spirituellen Reinigung statt, für Europäer eine eher befremdliche Vorstellung. Aber wie so oft, hat sich die traditionelle Verwendung von Dung, mit moderner Forschung untersucht, als sehr sinnvoll erwiesen. Denn der Dung ist ein sehr wirksames Insektizid und Desinfektionsmittel und liegt quasi kostenlos vor der Haustür. Dung und Urin von Rindern setzt sogar die traditionelle Volksmedizin Ayurveda als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten ein. Die Wertschätzung, die die Hindus den Rindern entgegenbringen, hat neben den religiösen also auch ökonomische Wurzeln und ganz sachliche Gründe.


Legenden

Schon in den ältesten Hinduschriften kommt die Kuh als Göttin vor, als Verkörperung der Erde, Prithivi Mata. Auch viele andere nachfolgende hinduistische Schriften bezeichnen sie an einigen Stellen als Göttin. Besonders häufig wird die Wunschkuh erwähnt, die Erfüllerin der Wünsche mit dem Namen Kamadhenu.

In der indischen Mythologie steht eine Kuh dem Gott Krishna nah, die heute besonders beliebte Inkarnation des Gottes Vishnu. Denn dieser wurde der Legende nach sofort nach seiner Geburt in die Obhut einer Hirtenfamilie gegeben, weil man dem Knaben nach dem Leben trachtete. Zusammen mit den Kühen wuchs Krishna auf, wurde von ihnen ernährt und verbrachte als Hirtenjunge die meiste Zeit mit seinen tierischen Schützlingen. Auf Darstellungen oder als Skulptur hält er daher meist eine Flöte in der Hand, das traditionelle Instrument der Kuhhirten. Das Füttern einer Kuh gilt bis heute als Bestandteil der Krishna-Verehrung.

Der Stier ist in der Mythologie Nandi, das Reittier des Gottes Shiva. Nandi-Statuen findet man sehr häufig am Eingang von Tempeln, die Shiva geweiht sind. Die weibliche Kuh wird allerdings nur in ihrer lebendigen Form verehrt, niemals in Abbildungen. Daher gibt es in ganz Indien auch keinen einzigen Tempel zu Ehren einer heiligen Kuh. Es gibt Rattentempel und Affentempel – aber keinen Kuhtempel.

Der Respekt vor dem Rindvieh wurde in der Vergangenheit sogar clever von den angreifenden, feindlichen Heeren ausgenutzt. Islamische Eroberer trieben in den Schlachten ihren Heeren oft Kühe voran, wodurch die Hindus sie nicht angreifen konnten ohne eine davon zu töten.


Kuhalltag

In Indien leben 222 Millionen Tiere (Stand: 2002), das ist der größte Rinderbestand der Erde. Heiligkeit schützt aber auch in Indien nicht vor Arbeit, Kühe werden meistens als Zugtier oder als Helfer in der Landwirtschaft eingesetzt. Besonders die Kleinbauern sind auf ihre Rinder angewiesen, denn sie sind oft das einzige Zugtier für Lasten und Pflug. Beim Betrachten von Kühen während einer Reise durch Indien muss man aber schon deutlich unterscheiden: Kühe auf dem Land und Kühe in der Stadt.

Auf dem Land haben die Kühe meist einen Stall und werden von den Bauern betreut. Es gibt Hirten, die sich um die Tiere kümmern und sie werden mit Erzeugnissen und Grünkram vom eigenen Hof gefüttert. So gesehen sind indische Landkühe eher die glücklichen Kühe, auch wenn sie hart auf den Feldern arbeiten müssen.

Das Herumlaufen der Kühe in den Straßen ist für Europäer ein typisches Indienbild, das man aber meistens in größeren Dörfern und Städten sieht. Die Kühe sind aber auch hier nicht herrenlos, alle haben einen Besitzer. Und die lassen ihre Kühe einfach frei herumlaufen, damit sie sich von Abfällen selbst ernähren. Schließlich besitzt ein Stadtmensch kein Land, auf dem er Futterpflanzen anbauen kann. Und die Städte besitzen keinerlei Grünflächen, So erfüllen die herumstreunenden Tiere für das Gemeinwesen einen wichtigen Zweck, denn Abfallwirtschaftsbetriebe mit Straßenkehrern gibt in den meisten Regionen in Indien nicht.

Oft ist es ein trauriger Anblick, wenn man an einer Kuh vorbeikommt, die erst eine leere Chipstüte ausschleckt und dann am Ende die ganze Plastiktüte auffrisst. Mit der Zeit bekamen wir einige Übung, die Bananenschalen vom Mittagssnack zielsicher vor die Hufe einer Kuh zu werfen. Die nahm das Opfer meist dankbar an, schließlich konkurriert sie auf den Müllhalden auch noch mit anderen Tieren wie Schweinen, Ziegen oder Hunden. Einfach Pappe fressen und erfolgreich verdauen können aber nur die Kühe. An vielen Plastikabfällen gehen sie aber elend zugrunde.

Da die Tiere oft bei Dunkelheit einfach auf der Straße schlafen, sind sie ständig in Gefahr, einem Verkehrsunfall zum Opfer zu fallen. Vor allem in den großen Metropolen, in denen recht rücksichtslos gefahren wird. Um dies zu verhindern, werden die Kühe von der Straße geholt und in sogenannten "Kuhheimen" untergebracht. Etwa dreißig Prozent der Kühe in Delhi sind inzwischen in solchen Einrichtungen untergekommen, die von der Stadt und auch mit Hilfe von privaten Spendengeldern unterhalten werden.



Video zum Thema

Holy Cow! - The True Story

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