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LANDWIRTSCHAFT

Indien und Landwirtschaft, das gehört einfach zusammen. In den verschiedenen Klimazonen des Subkontinents leben Millionen Menschen von den Erzeugnissen der Natur, als Selbstversorger und als Kleinbauern. Wer außerhalb der Städte unterwegs ist, der sieht oft am Wegrand bäuerliche Szenen, die noch aus dem Mittelalter stammen könnten. 59,4% der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, dabei sind die Menschen auf dem Land gleichzeitig der ärmste Teil der Bevölkerung.

In den 60er Jahren verschlechterte sich die Nahrungsmittelversorgung Indiens so sehr, dass das Land seine rasant anwachsende Bevölkerung nicht mehr ernähren konnte. Die Regierung rief eine so genannte "Grüne Revolution" seit Mitte der 1960er Jahre aus. Gegen die Hungersnöte pflanzte man gezielt schneller wachsende Reis- und Weizensorten an, um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Heute können die neuen Sorten je nach Region bis zu dreimal im Jahr geerntet werden. Dafür gab es einst mehr als 30.000 Reissorten, von denen heute nur noch 50 angebaut werden. Indien ist nach China der zweitgrößte Reisproduzent der Welt, ein Fünftel der weltweiten Erträge wachsen in Indien.

Leider brauchen die neuen Hochleistungssorten eine geregelte Bewässerung mit Motorpumpen, was die Umwelt belastet. Gerade im trockenen, ariden Rajasthan hört man ständig die laut tuckernden Pumpen auf den Feldern arbeiten. In trockeneren Landstrichen dominiert allerdings der Anbau von Hirse. Eine starke Versalzung der Böden und Vergiftung der Umwelt sind die verheerenden Folgen von ständiger Bewässerung und Einsatz von Kunstdünger. Denn der Einsatz von chemischem Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger sind für die hoch gezüchteten Pflanzen lebensnotwendig, vor allem auf den Monokulturböden. Doch die armen Kleinbauern können sich keine teuren Dünger leisten und greifen oft auch auf Pestizide zurück, die gesundheitlich mehr als bedenklich und in Europa längst verboten sind.

Die Anbauflächen wurden in den letzten Jahrzehnten stark vergrößert, eine umfassende Industrialisierung der Landwirtschaft steht aber weiten Teilen des Landes erst noch bevor. Nur im Punjab, der Kornkammer Indiens, ist sie bereits weiter fortgeschritten. Mehr landwirtschaftlich genutzte Flächen bedeuten natürlich auch Einschränkungen im Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. So gibt es einen ständigen Kampf zwischen Naturschutz und den Interessen der Kleinbauern, wobei der Naturschutz oft verliert. So gibt es heute im ehemaligen Tigerschutzgebiet im Sariska Nationalpark keine Tiger mehr und auch anderswo ist die Natur auf dem Rückzug. Straßen und Bewässerungssysteme wurden gebaut, was sich vorteilhaft auf die indische Infrastruktur ausgewirkt hat.

Auch die Menschen haben von größeren Feldern kaum Vorteile. Diese müssen mit Maschinen bestellt werden, wodurch viele Landarbeiter ihre Arbeit verloren. Nur die Großgrundbesitzer können sich die neuen Getreidearten als Saatgut und Maschinen leisten. Inzwischen organisiert sich schon eine politische Gegenbewegung, die begonnen hat, alte Reissorten wieder zu züchten und zu archivieren, um den Genpool nicht zu verlieren.


In Rajasthan

Die Landschaft in Rajasthan ist zweigeteilt. Der Nordwesten und Westen besteht aus wüstenartigen Landstrichen, auf denen die Viehzucht dominiert. Kamelzüchtende Nomaden haben sich in festen Siedlungen niedergelassen, nur die berühmten Kamelmärkte wie der von Pushkar lassen Erinnerung an die alten Handelsrouten lebendig werden. Da die Aravalli-Bergkette den Monsunregen aus dem Süden fernhält haben sich hier vor allem Wüsten und Halbwüsten gebildet.

Der Südosten jenseits der Berge ist fruchtbar, doch ohne Bewässerungsbrunnen würden auch hier die Ernten karg ausfallen. In trockeneren Landstrichen, wie Rajasthan, Gujarat und großen Teilen des Dekkans, dominiert die Hirse als Getreidesorte. Wer jedoch im Winter durch Rajasthan fährt, dem fallen die gelben Felder ins Auge, denn dann blüht der Senf und die Farbe dominiert ganze Landstriche. Besonders hübsch sehen dann die bunten Saris der Frauen in den Senffeldern aus, eine Farborgie unter ständig blauem Himmel.

Am Rande der Felder, die größtenteils künstlich bewässert werden, tuckern ständig die lauten Wasserpumpen. Es gibt aber auch viele interessante Variationen von Bewässerungsbrunnen, einer ist unten auf dem Foto zu sehen. Ochsen ziehen hier eine lange Kette aus Eimern, gefüllt mit dem Wasser aus der Tiefe, an die Oberfläche. Die Felder sind mit kleinen Dämmen eingeteilt in Parzellen von vielleicht 4 x 8 m, durch das Umschichten von Erdhaufen in den Bewässerungskanälen wie auf dem Bild unten wird für eine gleichmäßige Verteilung des Wassers gesorgt.

Angebaut werden vor allem Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Zwiebeln, Ölsaaten wie Erdnüsse, Sojabohnen, Sesam und Raps und vor allem auch Chilis. Oft werden auch mehrere Pflanzensorten zusammen angebaut, die sich gegenseitig schützen, Schatten geben und nicht miteinander konkurrieren wie z.B. Chilli und Anis. Somit hat man oft auch doppelten Ertrag von einer Fläche, und bei schlechter Ernte kommt wenigstens eine Pflanzenart durch. Daneben wachsen direkt an den Haupt-Wasserkanälen auch ein paar Auberginen, Kohl, Baumwolle und andere Pflanzen mit hohem Wasserverbrauch für den Eigenbedarf.

Das Leben der Bauern ist einfach. Sie leben mit der ganzen Familie in bescheidenen Hütten, meist sogar zusammen mit ihrem Vieh. Am wichtigsten sind die mächtigen Zebu-Rinder, die nicht nur religiöse Bedeutung haben, sondern vor allem als Arbeitstiere dienen. Die genügsamen Ziegen liefern Milch, die größtenteils zu Joghurt verarbeitet wird. Maultiere werden zum Transport eingesetzt und in den Orten sieht man öfters auch Schweine am Wegrand im Abfall wühlen. An einigen Straßen sahen wir sogar auf den Feldern winzige Unterkünfte von Wanderarbeitern, Hirten oder Ernte-Schützern, die aus Kuhfladen als Ziegel zusammengebaut waren.


Tee

Wenn man an Indien denkt, denkt man auch sofort an Tee. Der Subkontinent ist neben Sri Lanka eines der wichtigsten Exportländer für Tee. So ist der Teeanbau ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und auch klimatisch günstige Hochlage zieht ausserdem Touristen an. Wir haben im trockenen Rajasthan natürlich keine Teeplantage gesehen, kaufen konnte man ihn dort aber auch sehr gut. Die größten und bekanntesten Tee-Anbaugebiete befinden sich in Darjeeling in Westbengalen, in Assam und westlich davon in Dooars und in Nilgiri im Südwesten. Aus den Plantagen in Darjeeling auf 2.000 Metern Höhe, an den steilen Südhängen im Himalaja-Gebirge gelegen, kommt der edelste und kostbarste Tee der Welt.



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