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AARTI AM ABEND

Wer in Haridwar Station macht, der sollte auf keinen Fall die Hauptattraktion des Ortes verpassen: die religiöse und sehr stimmungsvolle Zeremonie, die jeden Abend am Haupt-Ghat in Haridwar, dem Har-Ki-Pauri, stattfindet. Das bedeutet wörtlich übersetzt "Fußstapfen Vishnus", es ist aber auch unter dem Namen Brahmakund bekannt. Genau hier verlässt der Fluss die Berge. Die beiden Tempel Ganga Mandir und Haricharan Mandis befinden sich hier.

Haridwar ist neben den Orten Nasik, Ujjain und Allahabad (Prayag) eine der vier heiligen Flussübergänge, eine so genannte Thirta. Jeder Ort hat einen Zyklus von zwölf Jahren, nach dem eine große Maha Kumbh Mela stattfindet - eine rituelle Waschung an einem besonders heiligen Ort zu einer besonders günstigen Zeit. Zudem gibt es noch alle sechs Jahre eine - halbe - Ardh Kumbh Mela. In Haridwar findet die nächste Maha Kumbh Mela im März/April 2010 statt, dann wird es hier wieder extrem voll sein. Im Fluss befinden sich gegenüber des Har-Ki-Pauri die fest gemauerten Pfeiler für mehrere zusätzliche Brücken, über die dann Pilgerströme geführt werden. Aber auch abseits von diesem Großereignis kommen ständig Pilger in die heilige Stadt.

Bei unserem Besuch im März war noch Nebensaison und der Pilgeransturm hielt sich in Grenzen. Später im Jahr, wenn die heiligen Pilgerorte weit oben in den Bergen erreichbar sind und die Hitze in der Ebene unerträglich wird, dann profitiert auch Haridwar von den Pilgerströmen.

Die Zeremonie des Maha Aarti findet hier täglich statt, ein einzigartiges und absolut nicht zu versäumendes Ereignis. Um 19:00 Uhr, egal welches Wetter herrscht. Ein unvergesslicher Anblick, die Aarti Zeremonie wird an allen Tempeln in Haridwar am gleichen Augenblick durchgeführt. Hunderte gläubige Pilger strömen zu den Ghats, um an diesem Fest teilzunehmen.

Wir gingen am frühen Abend mit unserem Führer durch die malerischen Basargassen in Richtung Har-Ki-Pauri. Die Geschäfte hier sind hauptsächlich auf indische Besucher eingestellt und bieten neben den Waren des täglichen Bedarfs vor allem religiöse Souvenirs, Spielsachen und spirituelle Bücher und Musik an.


Am Uhrturm

Je näher man zum Haupttempel kommt, um so mehr Menschen sind unterwegs. Haridwar ist recht klein und alle wichtigen Orte sind gut auch zu Fuß erreichbar. Einige Fußgängerbrücken führen auf eine kleine Insel gegenüber dem Har-Ki-Pauri, auf der ein Uhrturm steht. Er ist neben dem Tempel am gegenüberliegenden Ufer eines der Wahrzeichen von Haridwar. Das schnell fließende Gewässer dazwischen ist nicht der natürliche Fluss und auch nicht der aufgestaute Hauptkanal, es handelt sich hier um weiteren abgeteilten kleinen Badekanal, in die Menschen sich waschen können. Eisenketten sorgen für Halt in der Strömung.

Da wir bis zum Beginn der Zeremonie noch ein wenig Zeit hatten, erkundeten wir erst einmal die Umgebung. Überall sitzen Händler, die kleine Kunstwerke verkaufen. Es handelt sich um mit Blumen geschmückte Boote aus großen Blättern, die später mit einer kleinen Opfergabe und einem Licht ins Wasser gelassen werden, um den Fluss hinunter zu treiben. Einige verkaufen hellblaue Plastikcontainer und Flaschen, mit denen die Pilger heiliges Gangeswasser mit nach Hause nehmen können.

Wir fanden noch ein freies Plätzchen direkt gegenüber vom Hauptheiligtum und setzten uns dort auf die Stufen. Diese waren recht kühl, aber die freundliche Dame neben mir bot mir gleich einen Zipfel ihrer Decke an. In der gesamten Umgebung waren wir die einzigen weißen Gesichter. Einige Leute in Uniform und mit deutlichem Kommandoton sorgten dafür, dass sich alle hinsetzen und niemand die wenigen Gehwege verstopft.

Einige Jungen trotzten der heftigen Strömung und suchten im Kanal nach Münzen, welche die Pilger ins Wasser werfen. Jeder hatte da so seine eigene Methode und wir hatten genügend Zeit, sie zu beobachten. Ein besonders cleverer suchte mit einem Stock, an den er unten einen Magneten gebunden hatte. Ein anderer hatte eine Glasscheibe, die er ins Wasser hielt, um auf den Grund zu gucken. Ab und zu fischten sie auch etwas heraus, die Arbeit scheint sich zu lohnen. Ganze Gruppen von älteren Männern und Frauen stiegen etwas oberhalb von uns an der anderen Seite ins Wasser, planschten und jauchzten wie die Kinder. Am Ufer stehen einige Hütten, so eine Art Badehaus wie am Strand, zum Umziehen für die Wohlhabenden. Hier ist das Wasser noch sauber und deshalb wird der Ort besonders gerne für das Läuterungsbad gewählt. Die Badenden glauben, dass so die Seele erfrischt und von geläutert wird und dadurch der Weg zum letzten Ziel, dem Nirwana, offen steht.



Lichterzauber

Kurz vor 19:00 Uhr im März, sonst auch immer nach Einbruch der Dunkelheit, werden die ersten leuchtenden Opfergaben zu Wasser gelassen und sie treiben schnell vorbei. Beginnt dann offiziell das Aarti, wird die Fußgängerbrücke zur Besucherinsel geschlossen. Die singenden Menschen, die Musik im Hintergrund und die zunehmend romantische Lichtstimmung sorgen für eine ganz eigene Atmosphäre.

Ein Aarti ist nichts anderes als ein mit gesungenen Sanskritmantren zelebrierter Gottesdienst. Im traditionellen Ritual werden Feuer, Weihrauch, gereinigte Butter, Blumen, Sandelholzpulver oder Roli als Opfergaben dargebracht. Dazu werden Mantras gesungen, die hier aus einem Lautsprecher dezent über die versammelte Gemeinde erschallen. Die meisten Menschen singen mit. Ab und zu reißen alle gemeinsam die Hände hoch.

Ein paar Männer gehen laut rufend durch die Reihen und sammeln Spenden für den Tempel ein - damit wird auch der Bau dieser Besucherinsel, die zusätzlichen Brücken und allerlei soziales Engagement des Tempels und der angegliederten Ashrams finanziert. Kaum hat man die Hand an der Börse, wird man erspäht und der Sammler macht sich sofort auf den Weg zu einem. Da man hier keinen Eintritt zahlt, haben wir gerne etwas gespendet, nachdem wir beobachtet hatten, was einige der anderen Besucher übelicherweise so gegeben haben. Man bekommt sogar eine Quittung und der Kassierer sorgte lautstark dafür, das es auch alle in der Umgebung mitbekommen und es den Touristen aus dem Westen gleichtun.

Zum Höhepunkt, es ist dann schon dunkel, werden Feuer entzündet und am anderen Ufer stehen drei Männer, die riesige mehrarmige Leuchter schwenken. Dazu Gongs, Musik und Gebete, ein erhebender Moment. Wenn die Feier beende ist, strömen die Massen ziemlich ruhig und geordnet über die Brücke zurück in die Altstadt. Die Markthändler machen dann ihr bestes Geschäft.




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Har-Ki-Pauri


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Video zum Thema

Aarti Haridwar

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