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JAIGARH FORT

Erst beim zweiten Besuch in Jaipur nahmen wir uns Zeit für das 15 km entfernte Jaigarh Fort. Als eines der wenigen alten Spuren der indischen Militärstruktur, die sich über die Jahrhunderte erhalten haben, wurde das Jaigarh Fort erst kürzlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sieben Jahre war das Fort verschlossen gehalten worden, weil man nach einem gewaltigen Goldschatz suchte. Jaigarh Fort bewacht Pässe und Paläste von Amber. Jeder Tourist besucht das bekanntere Amber Fort und sieht hoch oben die furchterregenden Zinnen auf dem Berg. Aber nur die wenigsten Programme sehen auch einen anschließenden Besuch dort oben vor. Dabei hat man eine wunderbare Aussicht auf Amber und wir können einen Rundgang hier nur empfehlen.

Eine schmale und kurvenreiche Straße mit Aussicht führt hinauf auf den Berg. Vor dem Eingang war dann großes Gedränge, viele Busse parkten schon hier. So richtig ans Tor heran kam man gar nicht mehr. Auch unser Fahrer ließ uns schon ein Stück außerhalb heraus, wie wir später erfuhren kann man auch mit dem Auto ins Fort fahren, muss dafür aber extra bezahlen. So weit sind die Wege vom Eingang zu den beiden Auto-Parkplätzen im Inneren aber auch nicht, so dass wir uns nicht darüber geärgert haben. Allerdings läuft man im weitläufigen Fort auch noch eine ganze Weile herum, so dass schon einiges an Wegstrecke zusammenkommt. Ohne gutes Schuhwerk und Sonnenschutz sollte man nicht starten, Getränke bekommt man auch eisgekühlt im kleinen Restaurant, auch Flaschen zum mitnehmen.

Nachdem wir den Eingang am Dungar Gate passiert hatten, mussten wir uns erst einmal orientieren. Eine Karte bekommt man nicht an die Hand, es gibt aber Hinweisschilder. Leider waren die alle in Hindi, erst bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass sich auch englische Texte auf der Rückseite befanden.

Das Fort liegt ca. 122 Meter hoch über Amber. Seine Lage auf dem steilen Felsen ähnelt einem Adlerhorst und der Name des Berges lautet Chilh Ka Tola, was soviel wie Adlerberg bedeutet. Die rundum laufende Mauer des Forts ist über drei Kilometer lang. Der höchste Punkt in Jaigarh ist der gewaltige Wachtturm namens Diya Burj. Einst zählte er sieben Stockwerke. Der Legende nach soll ihm jedoch ein eifersüchtiger Blitz, der ihm die in solcher Höhe brennende Lampe missgönnte, die oberen beiden Stockwerke abgeschlagen haben.

Der erste Innenhof, den man beritt ist recht unspektakulär und beinhaltet einige Zisternen, einen Kiosk und Unterkünfte frü Truppen. Dann folgt ein weiterer Innenhof, der Jaleb Chowk, dort waren Restaurierungsarbeiten im Gange und es gab nichts zu sehen. Es folgen weitere Innenhöfe mit Galerien, Räumen, einem kleinen Tempel namens Kal Bhairav und in einem Hof steht ein besonders schöner, schattenspendender Mangobaum mit einer Bank zum Ausruhen. Doch im Vergleich zu anderen Palästen ist die Innenausstattung in Jaigarh eher militärisch zweckmäßig. Es gibt eine offene, gesäulte Halle namens Subhat Niwas und die Audienzhalle Khilawat Niwas, das Waffenlager Vijay Garh und den großen Appellplatz zur Truppeninspektion. Man streift durch viele undekorierte Räume und Gänge, deren früherer Zweck dem unkundigen verborgen bleibt. In einem ist heute ein Puppentheater untergebracht, in dem ständig Stücke aufgeführt werden. Die Begleitmusik hallt durch die Gänge. In einem anderen Gebäudeteil war eine Art Museum mit aufgebaut: Teile einer Halle waren mit Glaswänden abgetrennt und dahinter Puppen mit zeitgenössischer Kleidung und ein simuliertes Festbankett dargestellt.

Auf der Ostseite der Hauptmauer befindet sich auf einer separaten Terasse die Reste einer alten Kanonengießerei, in der einst die besten Kanonen Indiens gegossen wurden. Diese wurden dann von den Kachhwaha Fürsten bei ihren Feldzügen eingesetzt, welche das Wissen um dieses Handwerk aus Afghanistan mitgebracht hatten. Die einstmals wirklich als Top Secret einzustufende High Tech Anlage ist im Innenhof extra als "Canon Foundry" ausgeschildert. Zu sehen sind heute noch die Reste des alten Schmelzofens mit Belüftungskanal und die große Maschine zum Ausbohren der Kanonenrohre, dazu gibt es Schilder mit längeren Beschreibungen. Auf dem Weg hierher läuft man am zweiten Tor vorbei, dem Awani Gate. Von hier aus kann man zu Fuß hinunter zum Amber Fort gehen, bestimmt ein sehr interessanter Weg.



Der Garten

Nachdem wir viele Räume durchstreift hatten, standen wir auf dem Rundgang um den reizenden alten Mogulgarten am Nordende der Anlage. Dieser ist in vier gleiche Quadraten angelegt und von hohen Mauern umgeben. In der Mitte befindet sich ein trockener Brunnen, es gibt Gras und Bäume, die sich wohltuend für die Augen von der trockenen Umgebung und den sandsteinfarbenen Mauern abheben. Besonders schön ist der Blick durch die von Säulen durchbrochene Mauer in Richtung Norden ins Tal und auf ein Wasserreservoir. Es gibt einen befestigten Gang, der sich bis zu dem See hinunterschlängelt. So wurde sichergestellt, dass auch in Zeiten der Belagerung die Wasserversorgung gewährleistet war.

Rund um den Garten befindet sich eine Mauer mit Zinnen und Aussichtspunkten, von dort hat man einen wunderbaren Blick auf den Ort Amber und das weiter unten gelegene Amber Fort. Bilder und Beschreibung davon findet ihr auf der eigenen Seite Amber von oben.

Es gibt noch einen guten Grund das Jaigarh Fort zu besuchen. Denn außer uns trafen wir hier auf dem langen Rundgang höchstens noch vier weitere westliche Touristen. Der Rest der Besucher stammt aus Indien, teilweise große Gruppen aus dem benachbarten Staat Gujarat oder aus dem entfernten Mumbai. Und für diese Menschen waren nicht die alten Steine, sondern wir die Attraktion. Genau so, wie wir gerne malerische Inder im Sari ablichten, wurden wir von den indischen Touristen fotografiert. Teilweise heimlich mit der Handy-Kamera aus der Hüfte, die Mutigen sprachen uns direkt an und baten um ein Foto. Besonders beliebt war, uns zusammen mit dem Nachwuchs abzulichten, der bei dieser Gelegenheit gleich ein paar Brocken der in der Schule erworbenen Englischkenntnisse zum Besten geben musste. So viele Hände wie beim Rundgang im Jaigarh Fort haben wir selten geschüttelt. Wer dem entgehen möchte, der braucht nur schlampig oder mit kurzen Hosen bekleidet herum zu laufen und wird mit Sicherheit von den meisten Indern ignoriert...


Jaivan Kanone

Einen großen Teil des Forts hatten wir nach dem langen Rundgang immer noch nicht besucht. Zurück am Dungar Gate geht es auf der anderen Seite noch weiter. Hier fahren einige Besucher mit dem Auto hoch. Die Straße führt vorbei an einem riesigen Wasserreservoir, denn die geringe Niederschlagsmenge ist hier immer ein Problem gewesen. In Jaigarh hat man dies durch ein kühn angelegtes System zur Wassersammlung gelöst. Das Regenwasser wird in umliegenden großen Reservoirs und Teichen gespeichert und in Leitungen und Kanälen ins Fort geführt. Rund um das Reservoir konnten wir viele Affen beobachten, teilweise sitzen sie auch direkt an der Straße auf der Mauer.

Eine weitere Legende rund um das Fort erzählt die Geschichte vom sagenhaften Schatz der Kachhawaha. Raja Man Singh I. soll den Familienschatz, Beute zahlreicher Feldzüge, hierher gebracht haben. Die kriegerischen Mina, einst die Herren von Amber, wurden mit seiner Bewachung betraut. Jeder Nachfolger des Herrscher wurde in der Folgezeit wurde ein einziges Mal in seinem Leben mit verbundenen Augen von den Mina zu dem Schatz geführt und er durfte er sich genau ein Stück davon mitnehmen. In den 70er Jahren gab die indische Regierung sogar fast 7.500 englische Pfund für die Suche nach dem Schatz aus. Angeblich soll er in den riesigen Wasserreservoirs des Forts verborgen sein, man fand allerdings nichts.

Zu der Waffensammlung des Fort zählt auch die weltweit größte Kanone auf Rädern namens Jaivan. Sie wurde hier in Jaigarh im Jahr 1720 gegossen und ist die Hauptattraktion und somit der eigentliche Schatz, denn wegen ihr kommen die meisten Besucher hierher. Vielleicht auch ein Grund, warum erst hier am Eingang zur Kanonenplattform ganz am Südende des Forts die Eintrittskarten vom Dungar Gate kontrolliert werden. Die Kanone Jaivan besteht aus einem 6 Meter langen Rohr, welches reich verziert ist. Die vier Räder haben einen Durchmesser von jeweils 2,9 Metern und das Ganze wiegt 50 Tonnen. Im Kampf wurde das Riesending nie eingesetzt und nur einmal zum Testen abgefeuert. Ihre Reichweite betrug dabei 38 Kilometer und der Knall führte zum Einsturz mehrer Häuser in Jaipur.

Für einen Besuch im Jaigarh Fort sollte man sich auf jeden Fall ein paar Stunden Zeit nehmen. Um einen schönen, noch näheren Blick auf die Altstadt von Jaipur zu haben, kann man den Ausflug mit einem Abstecher zum Nahargarh Fort verbinden.



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Jaigarh Fort


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