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FORT DAULATABAD 2

Die nahezu uneinnehmbare Festungsanlage von Daulatabad hat eine lange Geschichte und ihr markantester Teil ist der etwa 185 Meter hohe und seitlich bis in eine Höhe von ca. 50 Metern rundum steile Festungsberg, der jetzt vor uns lag und den wir natürlich erklimmen mussten. Doch vor der Aussicht gab es viel Schweiß, denn es war irre heiß und der Aufstieg steil und teilweise in der prallen Sonne. Zusätzlich ist die Festung noch von einem Wassergraben umgeben, und der Zugangsbereich von einer knapp 4,5 Kilometer langen Festungsmauer, darin befand sich die Stadt, die Moschee und mehrere Palastbauten.

Langweilig wird der Weg mit Sicherheit nicht, weil man unterwegs an den unterschiedlichsten Sicherheitsvorkehrungen vorbei kommt, die damals getroffen wurden, um Eroberer abzuhalten. Das Daulatabad Fort war eine der mächtigsten Festungen im Mittelalter. Dazu gehören zuerst einige mächtige Tore und mit hölzernen Zacken versehene Türen, die deshalb errichtet wurden, um damit Elefanten aufzuhalten. Die Festung wurde durch einen tiefen Burggraben verteidigt und eines der komplexesten und komplizierten Abwehrsystem in Indien, das um den Hügel herum angelegt wurde. Die Befestigungsanlagenumfassen bestehen aus drei Ringmauern mit Bastionen.

Der Eingang durch die Außenmauer führt durch ein Hornwerk und dahinter liegt eine Abfolge von Toren und Höfen mit sehr dicken und hohen Mauern an den Außenflächen. Im Zentrum steht hier ein Wachturm. Das nächste Tor wird von starken Türmen und einem breiten Brüstung verteidigt. Es gibt auch hier ein Tor, die übliche schwere Konstruktionen und bewaffnet mit Eisenspitzen. Natürlich sind die stabilsten Tore immer um die Ecke angelegt, Anlauf nehmen mit einem Sturmbock war in Indien niemals möglich. Innerhalb der Festung befinden sich auch noch Ruinen der Paläste aus der Tughluq-Zeit und aus späteren Bauphasen.

Die dritte Mauer liegt weiter oben am Berg und der Aufstieg wird jetzt immer steiler. Der Eingang hier wird von einem Turm auf beiden Seiten verteidigt. Der Weg führt vorbei an den Ruinen des Chini Mahal, einem Palast, der mit Keramikfliesen verziert ist. Hier am Fuß der Zitadelle neben dem Palast befindet sich auch ein runder Turm, auf den eine Treppe führt. Oben auf dem Dach liegt eine wunderschöne massive Kanone aus der Zeit von Aurangazeb, die im Volksmund bekannt ist als "Menda Top" und die am Ende mit einem Widderkopf verziert ist.

Der Eingang zur Zitadelle wird durch einen breiten und tiefen Wassergraben verteidigt. Der einzige Weg für den Zugang zum Gipfel führt zuerst über eine schmale Brücke im Wassergraben, die gerade mal so breit ist, das hier höchstens zwei Personen nebeneinander gehen können. Das Design ist einmalig, denn zuerst führt eine schmale Treppe hinunter zur Brücke und am anderen Ufer vom Graben, nach überqueren der Brücke, wieder steil hinauf. Wenn Angreifer kamen konnte die Brücke so bequem durch das Öffnen von Dämmen geflutet werden und der Weg war abgeschnitten. Am oberen Ende der Treppe führt ein kleiner Durchgang in die Befestigungsmauer hinein, dort drinnen führt schließlich eine weitere sehr steile Treppe im rechten Winkel zur Seite nach oben auf die Ebene des Hofes. Dort kommt man quasi aus einem Loch von weniger als einem m² aus dem Boden heraus - eine nicht sehr vorteilhafte Position für einen Angreifer.

Man kann heute als Besucher den alten Weg gehen, es führt aber oberhalb davon auch eine moderne Brücke über den Graben. Auf dem folgenden Foto kann man die ungewöhnliche Konstruktion sehr gut erkennen.



Dunkelheit

Wenn man die andere Seite des Wassergrabens erreicht hat, dann betritt man die Festung. Auf das, was nun folgte waren wir nicht vorbereitet. Um einen Wachturm herum geht man vom Ende einer Galerie aus paar Schritte hinunter in einen kleinen nach oben offenen natürlichen Felsenhof, auf der gegenüberligenden Seite befindet sich der Eingang zu einem Tunnel. Mutig betraten wir die Dunkelheit, zusammen mit einigen indischen Besuchern.

Es handelt sich hier um die perfekte Falle für Angreifer des Forts. Es ist ein unterirdisches Labyrinth, in dem man mehrmals die Richtung wechseln und zugleich zwei Stockwerke nach oben klettern muss. Desorientiert durch die Dunkelheit tastet man sich hier vorwärts, es gibt überall tote Enden und Winkel, aus dem Fels gehauene Räume, die damals für die Wachen oder als Lagerraum benutzt wurden. Die Treppenstufen hier haben alle unterschiedliche Breiten und Höhen, was die Orientierung nicht erleichtert.

Ich verfluchte meine Sonnenbrille, die alles noch viel dunkler machte. Und ebenso fluchten wir darüber, dass unsere Taschenlampe im Auto geblieben war. So taperten wir mit Hilfe der Taschenlampen-App am Smartphone durch die Dunkelheit und hielten uns eng an einige indische Besucher mit echten Taschenlampen, die anscheinend den Weg nach oben kannten. Dazu kam ein ständiges Fiepen und der Geruch von Ammoniak, denn an der Decke hingen hier Fledermäuse die ab und zu aufschreckten und herum flatterten.

Sicher nicht jedermanns Sache, aber am Ende ist man stolz, wenn man es durch die "Dark Passage" geschafft hat, die sich Andheri nennt.

Die Feinde, die sich früher als Angreifer hierher trauten, wurden dazu noch von oben mit kochendem Wasser und Öl begossen und durch eine Barriere aus Rauch vom weiteren Aufstieg abgehalten, dazu kamen lange Speere, die aus verborgenen Räumen durch schmale Spalten in die Durchgänge gestoßen wurden.

Uns reichte es auch so und wir waren froh, als wir oben endlich wieder Licht sahen. Der lange Steigtunnel mit den steilen Stufen lag nun hinter uns, auf dem Rückweg entdeckten wir dann die außen liegende Treppe daneben. Sie wurde im Jahr 1952 erreichtet, damit Touristen nicht immer durch die Dark Passage müssen. Hätten wir das doch eher registriert, dann hätten wir uns den dunklen Aufstieg erspart. Auf der anderen Seite war das Abenteuer schon etwas Besonderes und wir waren am Ende stolz, es geschafft zu haben. Auch wenn sich zwischenzeitlich durchaus eine leichte Orientierungslosigkeit und Beklemmung einstellte. Mit Taschenlampen wäre es ein Kinderspiel gewesen.




Endlich oben

Am oberen Ende der "Dark Passage" gelangt man auf eine Bastion, von der man in den oben beschiebenen Zugangshof schauen kann. Hier kann man noch kurz Luft schnappen, dann geht es wieder im Inneren des Berges weiter bergauf, diesmal in einem eher regelmäßigen Treppenhaus. Auch hier war es beim Aufstieg wieder ziemlich dunkel. Beim Abstieg waren dann Lampen an und Lichtschächte geöffnet, die wohl zuvor geschlossen waren. So mussten wir uns weiter im Dunklen hochquälen, mit Licht ist der Weg kein Problem. Im Freien oberhalb der Tunnels ging es dann über einen breiten Weg mit Treppen weiter bergauf, wir waren schon ziemlich fertig und froh über die mitgebrachten Wasservorräte. Langsam und mit einigen Pausen, in denen wir den weiten Blick über die umliegende Landschaft und die Festungsmauern genossen, ging es stetig bergauf. Mittlerweile war es Mittag und noch heißer. Ständig wurden wir angesprochen und um ein Foto gebeten, verschwitzt wie wir waren stellten wir uns dann brav neben zahlreichen indischen Familien auf.

Oben angekommen machten wir eine Rast im schönen Aussichts- bzw. Wachpavillon, der für Shah Jahan bei seinem Besuch in Daulatabad im Jahre 1636 gebaut wurde. In den breiten Fensterbögen konnte man schön sitzen, hier wehte wenigstens ein bisschen kühlender Wind. Zahlreiche Streifenhörnchen werden hier von den Besuchern mit Chips und Plätzchen gefüttert, dem entsprechend frech sind sie. Eines hielt meine graubraune Bluse wohl für einen Felsen und sprang mir auf den Rücken, was mich zum Vergnügen der anderen Besucher sehr erschreckte.

Von dieser Ebene aus führt dann noch eine weitere Treppe auf der Außenseite des Palastes hoch auf den höchsten Punkt der Zitadelle. Wir konnten nicht mehr, aber da mussten wir dann doch noch hoch. Über frei schwebende aussenliegene Treppen aus Steinen, die einzeln aus der Mauer herausragen, geht es nach ganz oben, wo eine schwere Original-Kanone aus dem 18. Jahrhundert liegt, ein indischer Besucher entzifferte die in feiner Punkschrift eingehämmerte Produktionsstätta als Haydarabad. Angeblich hatte diese Kanone vom höchsten Punkt der Festung aus eine Reichweite von 4 km und konnte alle Zugangswege über die Berge erreichen, was für alle Angreifer eine böse Überraschung war. Die Zitadelle besaß einst eine reichliche Versorgung mit Wasser aus eigenen Quellen, die heute leider alle versiegt sind.

Nach einer längeren Rast folgte dann der Abstieg, der wesentlich unkomplizierter war. Der Himmel zog sich immer weiter zu und das beste Licht war weg, der Ausblick wurde immer dunstiger. Die schwitzenden Besucher, die uns entgegen kamen, taten uns leid. Es wurde immer heißer und wir wussten ja, wie weit und steil es noch war. Auf den Treppen im Inneren des Berges gab es jetzt elektrisches Licht und die "Dark Passage" umgingen wir über die Außentreppe. Wir versuchten danach nur noch einmal am Eingang der dunklen Höhle ein Bild von den Fledermäusen zu machen.

Als wir nach ca. 4 Stunden dann wieder unten bei unserem Fahrer ankamen, hatten wir uns für diesen Tag genug bewegt und verschoben weitere Besichtigungen auf den nächsten Tag.

Auf dem Weg ins nur 15 Kilometer entfernte Aurangabad kommt man noch am 1 Kilometer außerhalb von Daulatabad gelegenen, meist eher leeren H²O-Vergnügungspark vorbei. Wer möchte, kann hier für 200 Rupien Eintritt noch etwas im Wasser planschen oder sich im nagegliederten Hotel Lotos einmieten.




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