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LEBEN AM GHAT

Ghat nennt man in Indien eine Treppe, die zu einem Gewässer hinunter führt. Meist handelt es sich um einen Fluss oder See, es kann auch ein Tempelteich oder Stufenbrunnen sein. Ghats sind oft gesäumt von Tempeln und anderen sakralen oder offiziellen Bauten, die berühmtesten liegen an heiligen Orten wie am See von Pushkar oder am Ufer von heiligen Flüssen wie Ganges oder Yamuna. Berühmte Ghats findet amn zum Beispiel in Varanasi, Allahabad, Haridwar, Mathura und Vrindavan.

Diese Plätze werden oft für ganz profane Alltagsarbeiten genutzt, sie dienen als Anlegestellen für Boote, Badeeinstieg, als Waschplatz oder als Flaniermeile, um Freunde zu treffen. Ghats sind häufig aber auch wichtige Stellen für die rituellen Waschungen der Hindus und sie gehören zum Stadtbild vieler indischer Städte, die an einem Fluss- oder Seeufer liegen.

Die beschaulichen Ahilyabai Ghats von Maheshwar sind nicht berühmt und werden daher eher wenig von ausländischen Touristen besucht, aber genau das macht sie sehr autentisch. Am Ufer der noch recht sauberen Narmada gelegen und direkt unterhalb des Ahilya Fort bieten sie Einblick in den Alltag. Waschpulver und Seife werden am Ufer gründlich verwendet und der Schaum zieht dann mit dem Fluss ab - angesichts der Größe des Gewässers und der geringen Einwohnerzahl wohl biologisch abbaubar. Wir konnten auch Männer beobachten, welsche die Stufen von Belag säubern, damit hier niemand ausrutscht.

An den Ghats von Maheshwar kann man wunderbar flanieren, zahlreiche Boote liegen hier am Ufer und warten auf Kundschaft. Sie dienen als Fährboote zu den Dörfern am anderen Ufer oder als Ausflugsboote für die meist indischen Touristen. Einige davon sehen aus wie umgebaute alte Hochsee-Rettungsboote, bei manchen ist das ursprüngliche Dach entfernt, andere haben noch ein richtiges Schott in der Wand am Ende des Bootes, auf einem stand "Monrovia" als Heimathafen des Schiffes, welches vermutlich am Strand in Alang abgewrackt wurde - das liegt fast gegenüber der Mündung der Namara in Gujarat nur 400 km entfernt.

Am Abend und am frühen Morgen werden die Treppen mit Flutlicht ausgeleuchtet. Da wir direkt oberhalb im Zimmer mit Balkon gewohnt haben, hatten wir eine schöne Aussicht auf das Treiben unter uns. Die Frauen fangen schon um 5 Uhr am Morgen an, ihre Wäsche zu waschen. Dafür schlagen die die Wäsche mit Holzknüppeln oder zu einer Wurst gerollt auf den Steinboden, spätestens dann ist man wach. Wenn nicht schon vorher der Lautsprecher an einem der vielen Tempel am Flussufer losplärrt. Zu Festivalzeiten sollte man sich lieber innen hinter den Fortmauern einquartieren.

Kleine Tempel und Nandi-Statuen werden liebevoll von älteren Frauen mit Blüten geschmückt. Die Männer treffen sich zum Baden, springen mit Kopfsprung und Anlauf ins klare Wasser und machen Wettschwimmen zur ganz schön weit entfernten Boje in der Flussmitte. Ausgelassen wie die Kinder, es dringt viel Gelächter hinauf zum Fort. Vom Ufer aus werden gerne Fische gefüttert, dann brodelt das Wasser, wenn Futter hinein geworfen wird. Überall stehen blaue, zeltähnliche Häuschen aus Metall, in denen man sich sicher vor fremden Blicken umziehen kann.

Und am Abend lassen gläubige Hindus gerne kleine Opferschalen aus ein Form gepressten Blättern mit Öllämpchen auf dem Fluss schwimmen. Die tägliche Aarti-Zeremonie um 19:30 Uhr am Narmada Temple ist eher schlicht und kein mediales Highlight wie in den großen Städten Varanasi, Rishikesh oder Haridwar.

Die Frauen baden hier auch, mit Vorliebe früh am Morgen und nach der Wäsche werden die bunten Stoffbahnen der Saris auf den Steinen zum Trocknen ausgelegt. Kühe und Ziegen haben an den Ghats ebenfalls das Recht auf frei Wahl des Weges, dazwischen Mopedfahrer und Händler mit Handkarren. Ein buntes Bild, dem man von oben oder auch unten auf den Treppen sitzend zu jeder Tageszeit stundenlang zuschauen kann.








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