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BERGSTRASSEN

Ein wunderschöner Tagesausflug führte uns am Morgen von Mussoorie aus weiter hinein in die steilen Vorberge der Region Garhwal im Vor-Himalaya. Wie an allen Tagen hatten wir auch an diesem Morgen keine gute Sicht auf die Schneegipfel, trotzdem war den ganzen Tag wunderbares Wetter. Kurz nach Sonnenaufgang liefen wir zu Fuß hoch auf den Gun Hill, danach frühstückten wir erst einmal gemütlich auf der Terrasse des Hotels Kasmanda Palace und danach holten uns Ram, unser Fahrer und Majeet, unser Guide an der Library in Mussoorie ab. Schnell hat man den Ort hinter sich und in steilen Serpentinen schlängelt sich die gut ausgebaute Straße zuerst in Richtung Kempty Falls. Wir passierten die Fälle und machten ein paar Aufnahmen im Sonnenlicht, besucht haben wir sie dann auf der Rückfahrt an Nachmittag. Der Ausflug sollte zum alten Tempel von Lakhamandal, oder auch Lakha Mandal geschrieben, führen. Aber schon der Weg durch die beeindruckende Bergwelt war hier schon ein Ziel.

In der Höhe von Mussoorie sahen wir noch die letzten rot blühenden Rhododenronbäume, dann ging es steil und kurvig wieder bergab. Menschen, denen es beim Autofahren manchmal übel wird sollten hier im Gebirge vor Fahrtantritt unbedingt eine Reisetablette nehmen. Denn der Magen hat auf der Strecke eine Menge auszuhalten. Die Straßen sind eng und kurvig, mit Gegenverkehr und plötzlichen Bremsmanövern ist immer zu rechnen. An vielen Stellen bessern Bautrupps die Strecke aus und manchmal versperren ein Erdrutsch oder eine Ziegenherde einen Teil der Straße.

Meist folgt man hier den Flüssen und bewegt sich mit wenig Steigungen und Gefälle ca. 50 bis 100 Meter über dem Talgrund am Hang entlang, jeder Kurve des Tals und jedem einmündenden Bachlauf folgend. Die Flüsse im Tal haben meist viel felsiges Schwemmland, nach der Bauweise der Brücken kann der Wasserspiegel zur Regenzeit schnell um fünf Meter oder mehr ansteigen, daher sind die Ufer selbst nur selten bebaut. An etwas ebeneren Stellen sieht man etwas unterhalb und oberhalb der Straße Bauerhöfe, Menschen, Tiere und Felder. Aber nicht nur dort, die Bebauung zieht sich hier sehr weit verstreut hoch bis auf die kargen Gipfel, immer in dem Bemühen, möglichst wenig Ackerfläche zu verbrauchen. Ganz oben befindet sich meist die Schule, die Kinder steigen jeden Morgen von den zwei Tälern auf beiden Seiten des Berges hinauf. Die Berge sind nur noch teilweise bewaldet, viele sind fast kahl. Aber überall, wohin man schaut, leben Menschen in den steilen Hängen. Dort hinauf kommt man nur zu Fuß mit dem Gepäck auf dem Eselsrücken oder mit dem Maultier, einige Bewohner nehmen 3-stündige Märsche in Kauf, um zum Einkaufen ins Tal zu kommen.

Überall begegnen einem hart arbeitende Frauen. Sie schleppen Futterpflanzen für das Vieh und Holz in riesigen Bündeln auf dem Rücken die Straße entlang. Meist gehen sie mit ihrer Last aber querfeldein, über Stock und Stein. Ein hartes Leben. Ab und zu hielten wir an, um einen Blick auf die unter uns liegenden Höfe mit ihren satten, grünen Feldern zu werfen. Leider waren fast an jedem Haltepunkt irgendwelche Leitungen mit im Bild. Im Tal waren viele Menschen unterwegs und ein haltendes Auto erregt hier noch Aufmerksamkeit.



Dörfer

Neben all den einzelnen Höfen gibt es auf der Strecke ab und an auch einen kleinen Ort. Der liegt meist auch malerisch in einem Flusstal und die beiden größten am Fluss heissen Nainbagh und Damta. Die Ufer sind an wichtigen Verkehrsknotenpunkten mit den für die Region typischen Brücken verbunden. In den kleinen Orten herrscht reges Leben auf den Strassen, es gibt Geschäfte und einfache Restaurants. Hierher kommen alle Dorfbewohner der Umgebung zum Einkaufen und nehmen dafür stundenlange Fußmärsche oder Busfahrten auf sich. Wir passierten während der Fahrt auch einige Stellen, an denen ein Nebenfluss mit dem Yamuna zusammenfließt. Wie fast überall in Indien befinden sich an solchen Orten immer ein kleiner Tempel oder Schrein.

Ein weiteres, bauliches Merkmal der Region sind die typischen, runden Wassertürme. Hier wird das kostbare Flusswasser in die höher gelegenen, bewohnten Gebiete gepumpt. Die Hänge sind teilweise extrem steil, kein Wunder dass es hier nach Regen immer heftige Erdrutsche gibt. Manchmal ist die einzige Verbindungsstrasse in eine Region dann tage- oder wochenlang gesperrt.

Der letzte Teil der Reise vor Erreichen des Ziels Lakhamandal war der landschaftlich besonders beeindruckend. Die Fahrt führt am Fluss Yamuna entlang und durch sehr malerische Dörfer. Hier war der Bewuchs auch wieder grüner und üppiger, an einigen Berghängen wuchsen sogar Palmen. Typisch für die Region sind aich die Strohgebilde, die hier zum trocknen in den Bäumen hängen. So können die Ziegen sie nicht erreichen. Nach 125"Kilometern Fahrt, für die wir mehrere Stunden brauchten, hatten wir dann unser Ziel erreicht: den Tempel von Lakhamandal.

Leider gibt es in diesem Teil der Berge recht wenige Strassen, so mussten wir nach dem Besuch die gleiche Strecke auch wieder zurück fahren. Am Nachmittag hatten wir dann alle Hunger und besonders Ram, unserem Fahrer, knurrte der Magen. Nach der anstrengenden Kurverei hatte er sich eine Pause auch redlich verdient. In einem der kleinen Dörfer namens Damta hielten wir an und gingen in ein sehr einfaches Restaurant. Hier sassen ein paar der einheimischen Männer beisammen, Frauen sah man keine. Natürlich wurden wir aufmerksam beäugt und bestellten uns Masala Chai und Gemüsepakoras. Das frittierte Gemüse im Linsenteig kam mit einer leckeren, giftgrünen scharfen Sauce. Auch die Speisen der anderen Gäste sahen gut aus. Unser beiden "Angestellten" setzten sich nicht zu uns an den Tisch, sondern wie selbstverständlich an einen Nachbartisch. Obwohl die Sauberkeit für europäische Verhältnisse ein wenig zu wünschen übrig ließ und die Spülküche eher primitiv war, haben wir hier ohne Scheu und ohne Nachwirkungen für kleines Geld hervorragend gegessen. Es war echt ein Erlebnis, dort zu sitzen und die Leute genau so zu beobachten, wie sie uns beobachteten.

Nach dem Besuch der Wasserfälle von Kempty kamen wir dann am frühen Abend wieder in Mussoorie an. Ein wenig gerädert von der langen Fahrt, aber glücklich durch die vielen Eindrücke und Erlebnisse. Auch das Wetter hatte mitgespielt und der Himmel zeigte sich meist blau. Ein wunderschöner Ausflug, den wir nur empfehlen können.



Google Map zum Thema

Der kleine Ort Damta am Yamuna


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