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JEEP SAFARI

Eigentlich hatten wir zwei Nächte in der Ghanerao Jungle Lodge nur gebucht, weil man laut Webseite von hier aus einen Ausflug in den angrenzenden Kumbhalgarh National Park machen konnte. So haben wir vorab auch die Jeep Safari gebucht, denn Natur und Tiere wollten wir natürlich hautnah sehen. Es gibt hier Lippenbären, Leoparden, verschiedene Hirscharten, Wildschweine und sogar Wölfe. Um es gleich vorweg zu nehmen: die Wahrscheinlichkeit bei einem Aufenthalt hier eines dieser Tiere zu sehen tendiert wohl eher gegen Null.

Die neuen Verwalter der Lodge kannten die Tour natürlich noch nicht und konnten uns im Vorfeld gar nichts dazu sagen. Unsere Vorstellung von einer Jeep Safari bewegte sich in dem Rahmen, am Nachmittag bis Abend ein paar Stunden durch den Wald zu fahren, Tiere zu suchen und mit viel Glück auch zu beobachten.

Wie man schon auf den Fotos auf dieser Seite sehen kann, wurden wir diesbezüglich doch ziemlich enttäuscht. Der Ausflug war nicht schlecht, aber gar nicht das was wir erwartet hatten. Als wir voller Vorfreude auf den Jeep warteten, kam dann auch einer vorgefahren. Der misslaunige Fahrer ließ uns links liegen und ging erst mal ins Haus zu den Verwaltern. Wir kletterten auf den Rücksitz und warteten auf den Beginn der Fahrt. Nach einer Weile kam der Fahrer dann mit unserem Kellner und jetzt Fremdenführer Udaram aus dem Nachbardorf zum Auto, stellte sich nicht mal vor, ignorierte uns komplett und fuhr los.

Wir fuhren einmal ums Eck, dann ging es nach dem Passieren eines großen Gittertores tatsächlich in den Wald. Auf sehr holperigen Pfaden über Wurzelwerk, da hatte selbst der Jeep seine Mühe und wir wurden ordentlich durchgerüttelt. Nach einem Kilometer Fahrt hielten wir dann an. Mittlerweile hatten wir herausgefunden, das unser Fahrer zwar gut Englisch sprach, aber nur auf Anrede reagierte und dem Gast gegenüber ziemlich mundfaul war. Er redete lieber ununterbrochen mit seinem Beifahrer.

Angehalten hatte wir auf dem Platz voer einem alten, fast verfallenen und verlassenem Haus des Forest Department. Wir mussten nur ein paar Schritte herum laufen und standen auf einer Terrasse oberhalb eines Sees namens Tandy Brei. Unsere zwei Führer schauten runter und meinten, da unten gäbe es ein Krokodil. Wir konnten nichts erkennen und fühlten uns ein wenig veräppelt. Vermutlich war die Echse gerade abgetaucht. Doch nach einiger Zeit entdeckten wir tatsächlich weit entfernt am anderen Ufer eine markante, einem Baumstamm ähnliche Gestalt im Wasser. Unten auf dem Übersichtsfoto schwimmt es gerade in Richtung Damm.

Es handelt sich um ein altes Krokodil namens Bhima, die Attraktion der Region. Wir fuhren den gleichen Weg ein Stück zurück und versuchten weiter unten noch einmal näher an das Tier heranzukommen. Von einem Abzweig am Weg konnte man nämlich zu Fuß bis auf den Staudamm gelangen, welcher den See erhält. Vögel oder andere Tiere sahen wir hier nur wenige, ein paar Enten, Teichhühner und Reiher. auf der Rückfahrt einen Ibis und man kann von hier aus auch das 15 Kilometer entfernte Kumbhalgarh Fort sehen, das mächtig auf einem Berg thront. Leider war die Luft ziemlich dunstig.

Tipp: Hierher kann man auch gut zu Fuß gehen, es wäre ein schönes ca. 20 Minuten langes Trekking. Ein offizielles Gate oder kontrollierten Eintritt zu diesem Gebiet gibt es nicht, man muss nur Bescheid wissen. Wir sind uns auch nicht klar daüber geworden, ob wir schon im Nationalpark waren oder nur in der diesen umgebenden Buffer-Zone.




Am See

Zu unserem großen Erstaunen fuhren wir dann den einen Kilometer gleich wieder zurück und raus aus dem Wald. Was sollte das? Unser Fahrer gab leider keine Auskunft. So wurden wir dann über Teerstraßen gefahren, vorbei an kleinen Höfen und durch winzige Dörfer. Die Region war schön grün.

Überall wurde unser Fahrer von den einfachen Hirten und Bauern voller Ehrfurcht gegrüßt. Man kann ihn offenbar, wahrscheinlich war er ein Mitglied der Herrscherfamilie von Ghanerao, der es scheinbar unter seiner Würde fand sich mit Gästen zu unterhalten. Er hatte jedenfalls einen Jeep und war damit in den Augen der armen Bauern ein reicher Mann.

Nach ein paar Kilometern Fahrt hielten wir an einem großen See, der vom Seli River gespeist wird, der hier aus den Bergen kommt.

Während unser Fahrer sich gelangweilt im Jeep lümmelte, musste der Angestellte der Jungle Lodge uns bei einem Spaziergang begleiten. Wir liefen ein Stück auf einem Deich entlang, auf der einen Seite Felder und auf der anderen der See mit den Bergen im Hintergrund. Die Umgebung war friedlich und die Sonne verbreitet ein schönes Abendlicht. Sonst gab es nicht Aufregendes zu sehen, hierher wären wir aber auch mit unserem eigenen Auto und Fahrer gekommen.



Am Tempel

Nach diesem Abendspaziergang fuhren wir dann weiter über die Dörfer. Während unser Fahrer überall gegrüßt wurde, bestaunte man uns stumm. Irgendwann nach langweiliger Fahrt kamen wir dann nach einem weitern Abzweig vom Highway zu einem etwas vernachlässigten Tempel unter einem wahren Wald aus großen Banyanbäumen direkt an einem dritten See, auf dem viele Seerosen wuchsen. Auch hier außer ein paar Stichworten keine Erklärung, unser Fahrer traf einen hier lebenden Mann, mit dem er bald darauf in ein angeregtes Gespräch vertieft war.

Da uns der Tempel nicht interessierte, beobachteten wir lieber den Bauern, der mit Ochsengespann und Holzpflug seinen Acker bearbeitet. Er freute sich sichtlich über unser Erscheinen und die Aufmerksamkeit und winkte immer wieder freundlich in unsere Richtung. Auf dem Video unten ist er zu sehen.

Irgendwann, unser Fahrer war immer noch ins Gespräch vertieft und wir langweilten uns, kamen dann noch ein weiteres Fotomotiv. Ein Rabari Hirte mit seinen Ziegen in malerischer traditioneller weißer Tracht mit rotem Turban, der mir ein Foto gestattete.

Danach fuhren wir dann zurück zur Ghanerao Jungle Lodge, wo unser Fahrer aus dem Auto sprang und grußlos im Inneren des Hauses verschwand. Wir taten es ihm gleich und zogen uns auf unser Zimmer zurück.

Irgendwann klopfte es und unser armer Mitbegleiter Udaram wurde geschickt um zu fragen, ob wir kein Trinkgeld geben wollten. Als wir das verneinten, machte sich der Fahrer mit seinem Jeep aus dem Staub.

Später haben wir den Verwaltern dann erklärt, warum er in unseren Augen kein Trinkgeld verdient hatte und was wir eigentlich von einer Jungle Safari erwarten würden, nämlich eine längere Fahrt durch den Jungle und wenigstens eine Begrüßung, eigentlich auch weitere Erläuterungen zu Land, Leuten und Tieren. Eben nicht nur zwei Kilometer zum nächsten Krokodil und dann mundfaule Langeweile. Man hat unsere Kritik mit Betroffenheit, aber auch Interesse angenommen und erklärte dazu, man selbst müsse sich auch noch erst ein Bild von den angebotenen Touren machen, damit man sie auch korrekt bewerben könne.

Unser Begleiter Udaram, der ja auch Kellner und Kofferträger war, hat natürlich am Ende von uns sein verdientes Trinkgeld bekommen.




Eigenes Video zum Thema

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