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WAGAH BORDER

Seit ich zum ersten Mal in Youtube Videos von der Fahnenzeremonie an der Grenze zwischen Indien und Pakistan gesehen hatte stand fest: Wenn wir in Amritsar sind, dann müssen wir auch dort hin um dieses Spektakel live mitzuerleben. Das Verhältnis zwischen Pakistan und Indien ist seit Jahrzehnten kompliziert, die beiden Staaten haben aufgrund historischer und aktueller anhaltender Feindseligkeiten und wegen Gebietsdisputen ein angespanntes politisches Verhältnis.

Hier nahe Amritsar kann man jeden Abend ein ziemlich bizarres militärisches Spektakel miterleben. Es dient der Demonstration militärischer Präsenz und Kampfbereitschaft und darf durchaus mit gemischten Gefühlen betrachtet werden.

Es ist immer am Abend um 17:30 Uhr zu besichtigen, wenn beide Länder ihre Flaggen am Grenzübergang Wagah Border einholen. Dabei werden sie angefeuert von Zehntausenden Menschen auf beiden Seiten der Grenze, die extra dafür anreisen.

Nirgendwo sind sich Pakistani und Inder zumindest räumlich so nah. Dazu gibt es, zumindest auf indischer Seite, auch noch ein Vorprogramm und der Eintritt hier ist frei. Man muss sich nur eine Transportgelegenheit suchen (www.taxirentalamritsar.com), wir sind natürlich mit unserem eigenen Fahrer dort hin gefahren.

Der zweite Tag bot sich dazu geradezu an, leider machte uns dann doch das Wetter einen dicken Strich durch die Rechnung. Kurz nach Mittag ruhten wir uns noch im Hyatt Hotel aus und hatten von unserem Zimmer aus einen schönen Blick über die Stadt. Leider wurde es immer dunkler und nach und nach verschwanden die Häuser. Eine schwarze Regenfront mit Sturmböen näherte sich und die Sicht wurde immer schlechter. Unten auf dem Parkplatz vom Shopping Center räumte man schon Plakatwände ab und fing fliegende Teile ein.

Der Ort des Spektakels liegt 22 km von Lahore und 28 km von Amritsar entfernt. Da man noch ein Stück laufen muss und einige Kontrollen zu passieren sind sollte man rechtzeitig losfahren. Als wir dann kurz vor 15 Uhr los wollten wurde es anscheinend schon wieder ein bisschen heller. Aber das täuschte, denn unterwegs wurde es dann wieder schwärzer und eine Gewitterfront mit Hagelkörnern zog über uns hinweg, siehe folgendes Video. Aber eine zweite Chance auf den Besuch hatten wir nicht, so fuhren wir weiter bis zu der Stelle, an der die Autos parken mussten. Wegen dem Regen brauchten wir etwas weniger als eine Stunde bis hierher.

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Vorprogramm

Als wir ankamen regnete es immer noch heftig. Karan Singh hatte umsichtig zwei neu gekaufte kleine Regenschirme im Auto und wir hatten Plastikschuhe an. So ging es erstmal vom Wendeplatz, wo man aussteigen konnten, einige hundert Meter eine vierspurige Strasse entlang in Richtung Grenze. Schon hier wurden von den Wachposten der Grenztruppen die offensichtlichen Ausländer von den Indern getrennt. Man darf hier aus Sicherheitsgründen keine Taschen oder Beutel mit bringen - wir haben die Kameras im Regen in einer durchsichtigen Plastiktüte vor uns her getragen, das war wohl ok, es gab keine Einwände.

Kurz vor der Grenze kommt dann ein großer Torbogen, dahinter sind wie im Freilufttheater große Tribünen aus Beton aufgebaut. Die große Menge an Indern nimmt den rechten Eingang, Ausländer und Personen mit gebuchten VIP-Plätzen werden links hinten um die Tribüne herum geleitet. Dort hatte sich auf der gut geteerten Strasse zwischen den Bordsteinen schon 10 cm hoch das Regenwasser gesammelt, ohne nasse Füße ging es nicht weiter.

Am Ende der Tribünen geht es dann auch für Ausländer und VIPs wieder nach rechts in Richtung der Straße, die wir gekommen waren und welche durch den Torbogen und die Grenztore führt. An dieser Ecke wird jeder Besucher noch mal abgetastet, die Männer müssen auf ein Treppchen steigen, die Frauen besuchen eine kleine Kabine mit weiblichen Personal. Danach ist man dann 30 Meter weiter an der erwähnten Straße, hier geht es links zu den VIP-Plätzen direkt am Grenzzaun und rechts um die Ecke auf die Tribüne hinauf. Dort ist der Abschnitt am nächsten zur Grenze für die Ausländer reserviert, danach kommen noch zwei abgetrennte Abschnitte, die wohl für alleinreisende Frauen oder Familien mit Kindern gedacht sind. Die große Menge befindet sich 30 Meter weiter rechts auf einer Tribüne, die auch die Fankurve eines Fußballstations sein könnte sowie auf einer Tribüne schräg gegenüber neben dem großen Eingangstor.

Zuerst gab es ein Vorprogramm, ab und zu hörte es sogar ein wenig auf zu regnen. Gut so, denn wir mussten auf den Tribünen alle Schirme schließen. Schwierig, da sie Kamera trocken zu halten.

Zuerst liefen ausgesuchte Schüler mit indischen Flaggen mehr oder weniger enthusiastisch durch die Gasse, danach wurde zu lauter Musik getanzt. Auch ein paar Touristen haben sich unter die tanzende Menge gemischt, vor allem als der Hit "Jai Ho" aus dem Film Slumdog Millionaire gespielt wurde, den ja im Gegesatz zu den nationalistischen Gesängen jeder kennt. Es hat Spaß gemacht dem zuzusehen. Als die Flagge auf dem großen Tor eingeholt wurde, brach auf den Tribünen lauter Jubel aus. Nasse Fahnen wurden geschwenkt, den Nachbarn direkt ins Gesicht. Frauen und Männer sitzen hier getrennt, die Stimmung war sehr gut. Denn trotz dem Sauwetter waren auf indischer Seite die Tribünen fast voll, nur wir Touristen hatten etwas Platz. Und auf der pakistanischen Seite sah man leider nur eine Hand voll Leute auf den Rängen.

Dann begann die eigentliche Flaggenparade, die das Ertönen der Clairon, der Signaltrompete beinhaltet. Die Parade zeichnet sich durch eine selbst für militärische Verhältnisse übertriebene und überspitzte Ritualisierung aus, die Beine werden hoch geschmissen und im Stechschritt wird der Gegner hinter dem Tor beeindruckt. Jede Bewegung ist perfekt synchronisiert, der Blick böse und jeder Hauch eines Lächelns scheinbar verboten. Die Fans auf beiden Seiten der Grenze sind außer Rand und Band.



Nasses Ende

Das eigentliche Schließen des Tors haben wir dann aber nicht mehr mitbekommen. Zuerst wurde es sehr dunkel, dann fing es wieder an zu regnen. Alle öffneten ihre Schirme und man sah kaum noch etwas. Schließlich fing es plötzlich so an zu schütten, dass wir mit Rücksicht auf unsere Kameras das Ereignis kurz vor Schluss abgebrochen haben. Das Ganze dauert normalerweise eine Stunde, aber wir hatten genug.

Patschnass bis hoch zur Hüfte und oben krampfhaft den Schirm gegen Regen und Wind über die Kamera haltend liefen wir mit einigen anderen als erste zurück.

So fanden wir auf der noch leeren Straße auch auf Anhieb unseren Fahrer und saßen schnell im warmen Auto in Richtung Amritsar, bevor die Menschenmassen die Stätte verlassen hat.

Leider war es durch die Gewitterwolken so dunkel, das man aus der Entfernung von der Tribüne kaum vernünftige Aufnahmen mit Bewegung hinbekommen hat. Die Bilder auf dieser Seite sind also eher enttäuschend, wer das Spektakel bei Sonnenschein sehen möchte, dem seien die Youtube Videos weiter unten empfohlen. Da sieht man auch mehr als in Wirklichkeit von der Tribüne. Das erste zeigt das Geschehen von der indischen VIP Tribüne aus, das zweite aus pakistanischer Sicht. Und natürlich bei schönem Wetter.

Die ganze Art der Bewegung wird oft verglichen mit Monty Python's Flying Circus und dem berühmte "Ministry of Silly Walks", ich habe den Sketch unten als letztes Video zum Vergleich eingefügt.

Fazit: Es lohnt sich, etwas Geld und Zeit in VIP-Plätze zu investieren. Diese soll man in Amritsar buchen können, wir haben aber die Vorlaufzeit und die Bedingungen nicht in Erfahrung gebracht. Dafür sitzt man dann auf Augenhöhe mit den Wachen direkt am Tor und eventuell sogar mit etwas Glück mit dem Rücken zur Sonne oder im Schatten der Bäume.



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