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UNTERWEGS

Im Shekhawati findet man viele lange und gerade Straßen, die in Indien meist ein Zeichen der Abgeschiedenheit sind. Wer hier als Tourist unterwegs ist, der nimmt entweder die übervollen öffentlichen Transportmittel in Kauf, die nach Einbruch der Dunkelheit ihre Dienste einstellen, oder er reist in einer Gruppe mit dem Bus. Dann übernachtet er, wenn überhaupt hier in der Region Shekhawati, meist in Mandawa im Mandawa Castle. Oder man kommt mit dem eigenen Auto und Fahrer und übernachtet in einem der größeren oder kleinen Heritage Hotels in der Region, die allerdings auch nicht besonders zahlreich sind. Neben dem Castle Mandawa wären da noch Dundlod Fort in Dunlod, Roop Niwas Kothi in Nawalgarh, Mukundgarh Fort in Mukundgarh, Narain Niwas Castle in Mahansar, das Alsisar Mahal in Alsisar oder das Surajgarh Fort in Surajgarh. Auch der Luxuszug The Heritage on Wheels, betrieben von RTDC und Indian Railways, fährt durch die Shekhawati Region. Die Stationen sind Ramgarh, Mandawa und Nawalgarh. Für Reisende mit dickem Geldbeutel sicherlich eine Alternative.

Alles in allem ist ein Fortkommen hier schon ein wenig komplizierter als in anderen Landesteilen des Staates Rajasthan und die Fahrer brauchen gute Ortskenntnisse und fahrerisches Können für die vielen kleinen Landstraßen in der Region.

Unser Fahrer hat sich auf dem Weg von Alsisar nach Surajgarh verfahren, weil er zwar den Hinweisen des Hotelmanagers gefolgt war, die schmalen Wege sich dann aber ohne jede Beschilderung und Unterscheidungsmöglichkeit mehrfach verzweigten. Auf der Suche nach einem Ort namens Mandela landeten wir mitten in der Pampa, fuhren über sandige Feldwege und vorbei an einsamen Gehöften und staunenden Bauern. Zum Glück findet man in Indien ja an jeder Ecke jemanden, den man nach dem Weg fragen kann, leider kennen die meisten Bauern aber nur den nächsten Ort, und nicht mehr den übernächsten.

Mit einem modernen Auto wäre wir stecken geblieben, aber der alte Ambassador fuhr auch aus tiefem Sand wieder heraus. Normalerweise verkehren dort nur Kamelkarren und Traktoren, so waren wir lange Zeit das einzige Auto. Unser Karan Singh hatte als asphaltgewohnter Fahrer echten Stress, wir hingegen genossen die Einblicke ins ländliche Leben weit ab von allen Hauptstraßen. Durch manche der kleinen Dörfer war wohl noch nie ein Tourist gefahren und die Leute waren sichtbar überrascht, weiße Gesichter zu sehen. Ein Abenteuer, zu dem man seinen Fahrer auch einmal überreden sollte, es lohnt sich. Village Roads sind ein Teil des echten Rajasthan, hier scheint die Zeit still zu stehen.



Baoris

Auf dem Land in den kleinen Dörfern sieht man auch im Shekhawati eher selten prachtvolle Havelis mit Wandmalereien, für die diese Region so berühmt ist. Doch die Kaufleute der Marwaris gaben der Region noch andere architektonische Besonderheiten. In der trockenen Halbwüstengegend benötigen die Bauern und natürlich auch die Menschen in den Orten viel Wasser. Und da es selten regnet, sammelt man es in riesigen Brunnen. Die reichen Kaufleute erfüllten die Forderung der Bevölkerung nach Wasserversorgung und bauten überall kunstvoll ausgearbeitete Brunnen, die hier Baoris genannt werden. Einige sind ebenfalls im Inneren oder an den Kuppeln bemalt.

Diese Brunnen mit Reservoir sind heute ein Markenzeichen der Region und man findet sie überall. Meist befindet sich eine Plattform etwa zwei Meter über dem Boden, in der Plattform sind Wasserspeicher. Rund um das Bohrloch in der Mitte ragen 4 Säulen mit Kuppeln hervor, manchmal sind es auch nur zwei, und sie sind oft bis zu 8 Meter hoch. So wirken sie wie ein Wegweiser für müde und durstige Reisende, die durch diesen Anblick aus der Ferne schon erkennen können wo es Wasser gibt. Zwischen den Säulen eingemauert sind Holzbalken, die Umlenkrollen für die Schöpfeimer tragen. Die mit Steinplatten ausgelegten Brunnen haben im unteren Bereich meist einen Abfluss, mit dem daraus austretenden Wasser werden die Felder bewässert und das Vieh getränkt. Oft sieht man einige Kamele oder Ziegen, die in der Nähe von solchen Brunnen an den Büschen festgebunden sind.

In einigen Dörfern sahen wir bei der Durchfahrt natürlich auch Wasserleitungen mit modernen Wasserhähnen, aber einige Brunnen sind immer noch in Betrieb. Einer der prächtigsten, die wir auf unserer Reise sahen, befindet sich mitten in Mandawa der im Jahr 1850 erbaute Harlakha-Brunnen, dieser ist aber stillgelegt. Auf jeder Seite des Brunnens befanden sich jeweils zwei Holzräder, über die die Seile für die Schöpfeimer liefen. Auf dem Platz rundherum zogen Menschen, Esel oder Kamele an den Seilen die Eimer nach oben, das Wasser wurden direkt auf die schräge Steinfläche unter den Umlenkrädern gegossen und floß von dort in die 4 Reservoirs an den Ecken dieser Schöpfanlage. Das von der Fläche verdunstende Wasser sorgte gleichzeitig für die Kühlung der hier arbeitenden Menschen.



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Mandela


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