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CHITTORGARH FORT

Von Udaipur aus sind es nur 110 Kilometer, bis man die - vor der Gründung von Udaipur - alte Hauptstadt der Sisodia-Rajputen von Mewar erreicht. Es gibt verschiedene Schreibweisen: Chittaurgarh, Chittor oder Chittorgarh. Ich habe mich für die letzte Schreibweise entschieden. Bis hierher ist die Strasse zum großen Teil schon vierspurig und noch gut befahrbar, nach einer recht langweiligen Fahrt erreichten wir die imposante Festung. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall und wer hierher kommt, der sollte sich mindestens zwei Stunden Zeit nehmen. Dabei bewegt man sich innerhalb der riesigen Festungsanlage mit dem Auto von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Es gibt Ruinen des alten Forts und verschiedene Paläste zu sehen, diverse Tempel und imposante Türme. Dazu eine heilige Quelle und innerhalb der alten Mauern leben noch 8.000 Menschen. Chittor oder Chittorgarh ist also keine tot Stadt, sondern noch sehr lebendig. Und der Ort unterhalb der Festungsmauern weist viele, blau gestrichene Häuser auf. Das Stadtbild erinnert von oben ein wenig an Jodhpur.

Chittor ist für die Hindus ein heiliger Ort, ein Symbol wegen des heldenhaften Widerstandes seiner Einwohner gegen die Moslems. Die erbarmungslosen Kämpfen haben ihre Spuren hinterlassen, heute ist hier nur eine Ruinenstätte geblieben. Doch diese ist durchaus noch sehr sehenswert.

Am Rande der Stadt Chittogarh erhebt sich ein langes und schmales Felsplateau mit senkrecht abfallenden Wänden über der Ebene. Es ist 5 Kilometer lang und der ideale Ort für eine Festungsanlage, eigentlich schon eine ganze Festungsstadt, denn früher war die gesamte Siedlung oben auf derm Felsplateau. Oben am Eingang zur Festung wartete schon unser Guide und stellte sich vor. Er war nett und sprach recht gut Englisch. Zusammen mit unserem Fahrer fuhren und liefen wir dann über 2 Stunden in der Anlage herum.


Blutgeschichte

Die Geschichte von Chittorgarh ist mit Blut und Feuer geschrieben worden. Dreimal wurde die Festung von Moslem-Heeren erobert: 1303, 1535 und 1567. Der erste Angriff erfolgte im Jahr 1303 durch Alaud-Din Khalji, dem Sultan von Delhi. Er begehrte die schöne Rani Padmini, auch wenn sie bereits mit Bhim Singh verheiratet war. Ihr Liebreiz wurde in Liedern besungen und auch unser Führer schwärmte von ihr in den höchsten Tönen. Sie soll so schön gewesen sein, mit so makelloser transparenter Haut, das man einen Schluck Wasser durch ihre Kehle rinnen sehen konnte.

Der erste Angriff des geilen Sultans konnte abgewehrt werden mit dem Zugeständnis, daß er einen Blick auf die schöne Padmini werfen dürfe. Dies wurde mittels eines Spiegels bewerkstelligt, aber dennoch stachelte ihn das so an, daß er zurück kam. Als der Fall der Festung unabwendbar schien, versammelten sich alle Frauen um Padmini und stürzten sich gemeinsam in die Flammen riesiger Scheiterhaufen. Diese Art von Freitod wird Jauhar genannt. Die Soldaten legten rituelle safranfarbene Gewänder an und stürmten den Eroberern entgegen, um den Freitod zu suchen und bis zum letzten Mann kämpfend zu sterben.

So ist heute die Festung für viele der indischen Besucher eine Stätte der Heldenverehrung und wird als heilig angesehen. Wir trafen nur wenig westliche Besucher hier, die meisten Touristen kamen aus Indien um diese Stätte des nationalen Stolzes zu besichtigen. Chittorgarh ist für die Hindus zum Symbol des heldenhaften Widerstandes seiner Bewohner gegen die Moslems geworden.

Beim zweiten Jauhar, ausgelöst durch den Überfall des Sultans Bahadur Shah aus Gujarat, sollten 13.000 Frauen und Kinder auf den Scheiterhaufen gestorben sein, währen 40.000 Männer im Kampf ihr Leben ließen. Trotz solcher unvorstellbarer Blutbäder erholte sich die Festung wieder von den Belagerungen, doch im Jahr 1565 nahte dann das entgültige Ende durch den Mogulherrscher Akbar. Im Oktober 1567 begann die Belagerung, doch viele Arbeiter und Mogulsoldaten, die Gänge in die Mauern trieben, um die Festung zu unterhöhlen, starben dabei. Von oben wurden sie mit Musketen beschossen.

Am Ende war die Lage für die Festung trotzdem aussichtslos und ein erneutes Jauhar stand bevor. Doch nicht alle folgten dem Befehl und suchten den Tod. Gerade die Scharfschützen, die Akbars Truppen dezimiert hatten, verkleideten sich als Mogul-Krieger, fesselten ihre Frauen und Kinder und trieben sie als vorgebliche Beute in die Freiheit. Die gelungene Flucht erzürnte Akbar so sehr, dass er 40.000 Bauern, die in der Festung Zuflucht gesucht hatten, massakrieren ließ. Doch das Merwar-Reich war damit noch nicht ausgelöscht, auch wenn die Festungsstadt nie wieder aufgebaut wurde.



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Das riesige Fort


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Video zum Thema

Chittaurgarh - Love, War and Jauhar

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