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FATEHPUR SIKRI 1

Nach dem Besuch des beeindruckenden Red Fort verließen wir die Stadt Agra und fuhren nach Fatehpur Sikri, der "Stadt des Sieges". Die alte Hauptstadt liegt 40 Kilometer südwestlich von Agra und ist heute eine typische indische Kleinstadt im Bundesstaat Uttar Pradesh mit über 35.000 Einwohnern.

Eine Legende berichtet von ihrer Entstehung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: Der kinderlose Mogul-Herrscher Akbar (1556-1605) besuchte im Jahr 1568 den berühmten Mystiker Sheikh Salim Chisti in seiner Klause in Sikri, um mit ihm um die Geburt eines Sohnes zu beten. Der Heilige prophezeite ihm drei Söhne. Tatsächlich wurde nur ein Jahr später ein gesundes Kind geboren, der spätere Thronfolger Jehangir. Akbar errichtete am Wohnsitz des heiligen Mannes auf dem Hügel Sikri aus Dankbarkeit gleich eine ganze Stadt - Sikri. Im Jahr 1571 begannen die Bauarbeiten mit der Errichtung einer 10 km langen Befestigungsmauer, danach folgte der Bau der großen Moschee mit einem Hof von 109 mal 133 Metern und dem Marmormausoleum des heiligen Sheikh Salim Chisti. Nach fünf Jahren war alles fertig gestellt.

Nach einem erfolgreichen Feldzug in Gujarat benannte Akbar die neue Hauptstadt in Fatehpur (Stadt des Sieges) Sikri um. Aber schon gut 10 Jahre nach dem Bau verließen Akhbar und sein Hofstaat Fatehpur Sikri wieder. Unter anderem war von Anfang an die Wasserversorgung ein Problem und zurück blieb eine Geisterstadt. Der Wassermangel sorgte allerdings auch dafür, dass hier bis heute alles noch relativ gut erhalten ist. Keiner der späteren Herrscher und Eroberer Indiens hatten Interesse daran, hier zu wohnen, die Stadt zu besetzten oder gar zu zerstören. Der Palast wurde nur noch einmal kurz im Jahr 1619 wieder belebt, als Jehangir wegen einer Pestepidemie kurzzeitig noch einmal vom roten Fort in Agra nach Fatehpur Sikri umzieht.

Seit 1982 finden auf dem Gelände archäologische Arbeiten statt und seit dem Jahr 1986 stehen die Baudenkmäler der Stadt unter dem Schutz der UNESCO und gehören zum Weltkulturerbe der Menschheit.


Palastrundgang

Zusammen mit dem gleichen Guide, der uns auch durch Agra geführt hatte und der aus einem Ort nahe Fatehpur Sikri stammte, besichtigten wir die Anlage. Dieser war der einzige Guide, der uns nicht sonderlich sympathisch war und wir wären lieber ohne ihn herumgegangen, vor allem, weil er es nicht verstand uns vor lästigen Händlern und Bettlern zu schützen. Nach einer Weile hörten wir seinen Ausführungen in schlechtem Englisch gar nicht mehr zu - obwohl er sich hier sichtbar besser auskannte als in Agra - und er zeigte auch zunehmend Desinteresse. So konnten wir recht frei durch die umfangreichen und schönen Palastanlagen streifen.

Die Regierungszeit des Akbar wurde geprägt durch eine Politik religiöser Toleranz im Dialog mit Vertretern der wichtigsten Glaubensrichtungen. So heiratete er als erster Mogul-Herrscher eine Hinduistin, eine Rajputen-Prinzessin aus Amber und eine moslemische Sultanin aus Istanbul. Eine Heirat mit einer Christin ist zwar Legende, aber historisch wohl nicht so richtig belegt, auch wenn der Guide stolz eine Art christliche Kapelle in einem Wohnhaus auf dem Palastgelände zeigt. Alle drei Frauen hatten hier innerhalb der Palastanlagen einen eigenen Bereich. Diese sind vollkommen unterschiedlich gestaltet. Trotz seiner vielen Frauen war dem Herrscher lange Zeit kein Kindersegen vergönnt, was sich erst nach dem Besuch bei Sheikh Salim Chisti änderte.

Heute kann man, nachdem man seinen Eintritt von 10 US$ am Kassenhäuschen gezahlt hat, durch eine intakte, hochherrschaftliche Stadt wandeln. Wer mit einer Videokamera filmen will, der zahlte hier in 2006 nur schlappe 25 Rupien extra - im Verhältnis zu anderen Orten ein Schnäppchenpreis. Es gibt noch gut erhaltene, mehrstöckige Paläste, Gärten, Wasserbecken, unzählige überdachte Gänge, und verwinkelte Erker, Treppen und Terrassen zu besichtigen und man sollte sich nmindestens 2 Stunden Zeit nehmen. Die Ausstattung der Gebäude ist sehr gemischt, man findet auf dem Gelände sowohl die Figuren der Hindus als auch die die geometrischen Muster des Islam.

Der Hauptpalast heisst Jodh Bai Palast, mit einem 111 Meter langen, rechteckigen Vorhof der von einer Terrasse umgeben ist. Dank umfangreicher Restaurierungsarbeiten durch britische Archäologen vor der Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947 sind hier weite Teile noch sehr gut erhalten. Mitten im Palastkomplex liegt die Audienzhalle Diwan-i-Am. Sie ist der prächtigste Raum von Fatehpur Sikri. Hier findet man Bogengänge und kunstvoll mit Halbedelsteinen verzierte Gitter, hier empfing der Herrscher seine Untertanen.



Höfe und Harem

Das markanteste und meist fotografierte Gebäude der Anlage ist die private Audienzhalle Diwan-i-Khas. Die befindet sich inmitten eines weiten Innenhofs an der Nordwestecke des Diwan-i-Am. Im Zentrum des Hofes befindet sich der Pachisi Court, ein riesiges steinernes Spielfeld für Pachisi, auf dem einst das Spiel mit Menschen als Figuren gespielt wurde. Die Halle ist schon von außen recht eindrucksvoll, quadratisch mit vier Türmen. Doch im Inneren beeindruckt eine riesige, reich verzierte Säule, die sich in der ersten Etage wie eine Blüte entfaltet. Dies ist der so genannte Thronpfeiler, auf dem einst der Thron ruhte. Er bildet den Mittelpunkt der Halle als Sitz für den Herrscher, In den vier Ecken saßen die vier Minister. Von der Säulen aus zweigen oben vier Brücken in die Ecken des Raumes zu Galerien ab, die man aber leider nicht betreten darf. Ganz in der Nähe war einst die Schatzkammer, heute leider nur noch ein leerer Raum mit einigen versteckten Steintresoren.

Die Palasträume der Frauen sind sehr unterschiedlich, am schönsten ausgestattet ist das Haus der türkischen Sultanin, wahrscheinlich eine der Lieblingsfrauen Akbars. Hie, im Anup Talao Pavilion, wohnte standesgemäß die Sultanin Ruqayya Begum. Das aus einem einzigen 5 mal 5 Meter großen Raum bestehende Haus ist mit Balkonen und Steinmetzarbeiten im Kashmiri-Stil sehr reich verziert. Die Gestaltung der Motive zeigt türkische, persische und sogar chinesische Einflüsse, dargestellt sind Reben, Granatäpfel, Pflanzen, verschlungene Ornamente, Palmen und Tiere. Der Sandstein ist kunstvoll bearbeitet wie eine Vertäfelung aus Holzschnitzerei - fantastisch.

Akbars Privatpalast heisst Daulat Khana, Ort des Glücks. Er ist ebenfalls reich mit Ornamenten verziert. Zahlreiche Säulen ruhen auf glockenförmigen Sockeln und im Erdgeschoss befand sich einst die Bibliothek Ankh Michauli. Will man diesen Namen übersetzen, bedeutet er etwa "Verstehen und Suchen". Dahinter lagen die Schlafgemächer des Hausherren und der Panchab Mahal, ein kleiner, fünfstöckiger Palast. Den Hof vor den Privatgemächern ziert das 30m² große Wasserbecken namens Anip Talao. Vier Stege verbinden die Ufer mit einer Plattform, auf der saß der Kaiser und diskutierte mit islamischen Intelektuellen Fragen des Rechts und der Kunst.

Auf dem Rundgang folgen dann die Frauengemächer und der Haremskomplex. Alle 35 Sehenswürdigkeiten der Palastanlage sind auf der Seite von Archnet bis ins Detail beschrieben.



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