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ABENDSAFARI

Am Nachmittag wurden wir mit dem Canter vor dem Hotel abgeholt, ein Upgrade auf einen Jeep war leider nicht mehr möglich, da alle Fahrzeuge ausgebucht waren. Dafür saß im Canter ein alter Bekannter: unser Guide Vijay Sharma, der uns schon am Morgen im Jeep begleitet hatte. Das Trinkgeld war wohl mehr als ausreichend, denn er hatte uns die besten beiden Plätze, vorne hinter dem Fahrer, im schon vollbesetzten Fahrzeug freigehalten. Selten hatten wir ein gutes Trinkgeld so sinnvoll angelegt. Am Nachmittag war es natürlich wesentlich wärmer, aber eine dicke Jacke hatten wir trotzdem mit. Denn wenn die Sonne verschwindet, dann kann es im Fahrtwind schon ganz schnell kühl werden.

In dem Canter sassen ca. 20 Leute aus unterschiedlichen Ländern, das Gefährt ist zwar ein wenig schwerfälliger als ein Jeep und man teilt sein Erlebnis mit vielen – aber wesentlich schlechter sieht man von einem Canter aus auch nicht. Und vor allem ist es wesentlich preisgünstiger, dafür gibt es keinen Tee und keinen Snack unterwegs.

Am Nachmittag nahmen wir eine andere Route, die Nummer 3 am See entlang. Mit ein wenig Glück kann man um die Seen herum auch Sumpfkrokodile beobachten. Wasserpflanzen und Lotos gedeihen hier und am Ufer steht dichtes Grün. Eine wunderschöne Fahrt, wenn die Sonne golden leuchtet und zahlreiche Sambarhirsche und Axishirsche im flachen Wasser stehen und äsen. Bekanntermaßen watet der Sambar gern in Wasser, doch hier kann man die Tiere manchmal Stundenlang im Wasser stehen sehen. Sie schwimmen und fressen sogar in den Seen. Dazwischen stolzieren kleine, weiße Reiher und Kiebitze umher. Ein friedvolles Bild, an dem man sich gar nicht satt sehen konnte. Die Kameras waren ständig im Einsatz.

Der Fahrer umrundete den See, an dessen Ufer ein alter Tempel steht. In den großen Bäumen am Wegrand sassen wieder paarweise Brahmakäuze und auf einem kahlen Baumgerippe konnten wir einen Braunlist (White-throated Kingfisher, Halcyon smyrnensis) bei der Jagd auf Insekten beobachten. Am Nachmittag war auf den Wegen aber wesentlich mehr Verkehr als bei der Morgensafari. Ständig begegneten uns Jeeps und andere Canter. Das Licht wurde immer intensiver golden und spiegelte sich auf dem mit Wasserpflanzen bedeckten See. Stilte und andere Wasservögel wateten am Ufer umher und die Zeit verging wie im Flug.



Die Tigerin

Infolge strenger Schutzmaßnahmen haben die Tiger des Parks, ursprünglich nachtaktiv, in den letzten zehn Jahren ihre Aktivitäten mehr und mehr auf die Tageszeit verlegt. Im Ranthambore trifft man häufiger und mehr Tiger am hellichten Tag als in jedem anderen Schutzgebiet, denn sie haben hier die Scheu vor dem Menschen verloren und lassen sich durch seine Gegenwart überhaupt nicht mehr stören.

Eigentlich wurde es schon langsam dunkel und die Schließung des Parks stand kurz bevor. Die Fahrer müssen pünktlich heraus, sonst drohen hohe Strafen. Schon auf dem Weg zum Ausgang sahen wir andere Jeeps und Canter in unserer Nähe und unser Guide vernahm den Warnschrei eines Hirsches. Es musste ein Raubtier ganz in der Nähe sein. Auch unter der Besatzung auf den anderen Autos machte sich Unruhe breit, die Fahrer setzten zurück und alle beobachteten einen flachen Hügel. Die Spannung stieg, Ferngläser und Kameras wurden gezückt. Es wurde schnell dunkler und dann brach plötzlich absolute Hektik aus. Fahrer versuchten wie wild, für ihre Gäste die beste Fotoposition zu bekommen, denn über den Hügel kam, nein schritt majestätisch – eine Tigerin. So nah und dominant, wie man es eigentlich gar nicht erwartet hatte lief erst direkt auf uns zu und dann in lässigem Trab nur wenige Meter an den nun drängelnden und Gas gebenden Autos vorbei.

Das Ganze ging sehr schnell und wir fluchten ausführlich, als uns ein Jeep genau vor die Linse fuhr und so die Sicht versperrte. Die Menschen auf den Autos kreischten vor Glück und vergaßen in der Eile an den einfachen Kameras den Blitz auszustellen, denn Blitzen ist im Park verboten. So gelangen uns auch nur ein paar Fotos mit 400 mm Brennweite Freihand und 1600 ISO. Bei der nächsten Gelegenheit standen die Leute aus dem eigenen Canter zwischen mir und der Tigerin.

Es war eine große Aufregung, die aber die Tigerin in keinster Weise störte. Unbeirrt lief sie auf den See zu und verschwand im hohen Schilf am Ufer. Währenddessen versuchten alle Fahrer zu erahnen, wo sie wieder heraufkommen würde und suchten die beste Position für ihr Fahrzeug. Leider hatte unser Fahrer das Nachsehen und wir konnten die Tigerin nur noch durch dünne Bäume von hinten sehen und erkennen, dass sie etwas im Maul trug: ein schon vorher getötetes junges Hirschkalb, das wohl gut versteckt am Seeufer gelegen hatte. Neben Hirschen gehören Wildschweine und Pfaue häufig zu den Opfern der gestreiften Großkatzen.

Unser Guide nannte die Tigerin "Lady of the Lake" und erklärte uns, dass sie eine der dominanten Tigerinnen des Parks wäre und einige Jungtiere zu versorgen hat. Auch für ihn, der zweimal täglich im Park unterwegs ist, war es nicht selbstverständlich, einen Tiger zu sehen. Fahrer, Späher und Guides freuten sich ebenfalls wie kleine Kinder über das Erlebte. Natürlich sind die Gäste nach so einem Erlebnis auch großzügiger mit dem Trinkgeld.



Video zum Thema

The Tigers of Ranthambore

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