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CAPE CROSS

Auf den Weg von Swakopmund ins Damaraland und zu unserer nächsten Unterkunft, dem Mowani Mountain Camp, fuhren wir zunächst auf der Salzstraße C34 am Meer entlang. Diesen Teil der Strecke habe ich auf der Seite Angelküste vorgestellt. Kurz hinter dem Fischerort Henties Bay mussten wir uns entscheiden: gleich nach rechts auf die C 35 in Richtung Uis und Khorixas abbiegen, oder ca. 100 Kilometer Umweg in Kauf nehmen um die Robben am Cape Cross zu besuchen. Kleinere Kolonien der Tiere hatten wir ja schon auf der Fahrt mit Mola Mola in der Lagune von Walvis Bay gesehen. Dort leben sie auf Sandbänken am Pelican Point unterhalb des Leuchtturms.

Die Kolonie am Cape Cross ist aber wesentlich größer und berüchtigt für den bestialischen Gestank, den die Massen hier verströmen. Trotzdem entschieden wir uns für den Umweg, denn wenn man schon mal in der Nähe ist...

Die Salzstraße führt zuerst ca. 46 Kilometer weiter geradeaus, vorbei an Salinen. Dann zweigt links eine Straße einige Kilometer ab in Richtung Robbenreservat und Küste. Die Fahrzeit ab Swakopmund beträgt ca. 2 Stunden. Ganz in der Nähe befindet sich ziemlich einsam die Cape Cross Lodge, die einzige Möglichkeit hier zu übernachten. Nach kurzer Fahrt erreicht man ein kleines Rangerhäuschen, in dem sich auch ein Souvenir Shop und Toiletten befinden. Hier kauft man das Permit für den Besuch der Robbenkolonie. Zu beachten sind die Öffnungszeiten 9:00h bis 16:00 Uhr. Führungen gibt es hier keine.

Auf halben Weg zwischen Gate und Robbenkolonie kann man eine Pause machen, denn hier befindet sich ein Picknickplatz ohne Geruchsbelästigung und mit Ausblick auf die Brecher vor der Küste. Allerdings ist es hier meist ziemlich windig und kühl. Danach fährt man nur noch ein kurzes Stück weiter bis man einen Parkplatz erreicht.Beim Aussteigen kann man schon das Meer und die Stege sehen und die Robben hören und natürlich auch riechen.

Direkt neben dem Parkplatz befinden sich einige Kreuze. Cape Cross verdankt seinen Namen einem portugiesischen Seefahrer und Entdecker namens Diego Cáo, der im Januar 1486 hierher kam. Er errichtet ein 2 Meter hohes und 360 kg schweres Steinkreuz zu Ehren König Johannes I von Portugal, in dessen Auftrag er unterwegs war. Auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien sollte er in bisher unentdeckte Regionen vorzustoßen. Auf den Schiffen wurden steinerne Kreuze mitgeführt, Padrãoes genannt. Diese wurden an den bisher unbekannten Küsten aufgestellt, um die Inbesitznahme durch die portugiesische Krone dauerhaft zu dokumentieren.

Das Original auf der Landspitze bei 21° 46' südlicher Breite wurde von einem deutschen Kapitän namens Becker entfernt und auf dem Schiff "Falke" nach Berlin gebracht. Dafür wurde ein schlichtes Holzkreuz zurück gelassen. Dieses wurde zwei Jahre später durch eine Nachbildung aus Stein ersetzt, als Zeichen der Reue angeordnet von Kaiser Willhelm II. Mit Originalinschriften auf Latein und Portugisisch und mit deutscher Gedenkschrift. 1980 sorgten private Spender dafür, das ein dem Original eher entsprechendes neues Steinkreuz aus Doloritgestein hinzukam. Daher stehen heute dort zwei Kreuze.



Am Meer

Man sollte hier zu bestimmten Zeiten schon einen guten Magen haben. Wenn man aus dem Auto steigt und der Wind ungünstig steht, dann schlägt einem der Geruch der Robbenkolonie unter Umständen recht brachial entgegen. Wir hatten an diesem Tag allerdings viel Glück, ablandigen Wind und im April sind auch nicht ganz so viele Tiere anwesend. Jedenfalls haben wir es nicht als besonders schlimm empfunden. So konnten wir es eine Weile aushalten und die Tiere beobachten.

Die südafrikanische Seebären werden auch Ohrenrobben (Arctocephalus pusillus) genannt und sie sind eine der drei Robbenarten, die im südlichen Afrika leben. Es gibt noch viele weitere Kolonien zwischen Südangola und der Algoabucht, doch nirgendwo lassen sie sich so gut beobachten wie hier am Cape Cross. Die Tiere haben das komplette Kap besetzt und die Regierung hat daraufhin einen Nationalpark eingerichtet. Die weiblichen Tiere sind etwa 75 kg schwer, die Männchen erreichen zu Beginn der Paarungszeit bis zu 360 kg. Die Hauptnahrungsquelle sind kleine Fische wie Sardinen und Bastardmakrelen.

Die beste und geruchsintensivste Zeit ist Oktober bis Mitte Dezember, wenn während der Paarungszeit besonders viele Robben die Küste bevölkern. Die Zahl schwankt, es wird geschätzt das hier teilweise bis zu 250.000 Tieren leben. Die Jungen kommen im November / Anfang Dezember zur Welt. 10 Tage später paaren sich die Weibchen erneut. Leider sterben rund zwei Drittel der Kleinen, bevor sie ausgewachsen sind. Sie werden zu früh geboren, durch die dominanten Männchen verletzt, sie Verhungern oder Ertrinken in der heftigen Brandung.

Die Masse an Robben stellt ein Problem für die Fischerei dar, weil Robben täglich etwa acht Prozent ihres Eigengewichts an Fischen fressen. Um eine Überpopulation zu verhindern, werden am Kreuzkap jährlich Robben in größerer Zahl abgeschlachtet. Die Behörden sprechen dabei von Robbenernte (seal harvest) und nicht von Robbenschlagen (seal culling), die Häute der Tiere werden später zu Schuhen und Taschen verarbeitet. Die Saison für die so genannte Robbenernte endet am 15. November.

Sobald man den Parkplatz verlässt und die Stege betritt, bietet sich ein beeindruckendes Schauspiel und an den Geruch hat man sich schon nach wenigen Minuten gewöhnt. Am kargen und steinigen Strand wimmelt es nur so von Tieren. Man kommt recht nah an einige heran, kann Mütter mit ihren Kleinen und Rangeleien gut beobachten. Das Stegsystem wurde 2008 aus 32 Tonnen recyceltem Plastik in Holzoptik erbaut, so kann man den Tieren nahe kommen ohne sie zu sehr zu stören. Wenn man sich ihnen zu sehr nähert, flüchten Robben in Panik. Junge Robben können nicht schwimmen und wenn sie ihren Eltern auf der Flucht ins Meer folgen, dann ertrinken sie. Daher sollte man die Stege nicht verlassen. Normalerweise halten sich in der Nähe immer Raubtiere wie der Schabrackenschakal oder die braune Hyäne, auch Strandwolf genannt, auf. Besonders wenn es Jungtiere gibt, finden sie hier reiche Beute, beide Tierarten sind für 25 % der Jungtierverluste verantwortlich. Leider haben wir bei unserem Besuch nicht einen einzigen der Räuber gesehen, die Saison war wohl schon vorbei.

Besonders eindruckvoll waren am Tag unseres Besuchs die Wellen vor der Küste. Perfekt für Surfer sind diese Brecher und jede Welle ist gesprenkelt vor lauter Robben. Das dichte Fell schützt die Tiere dabei vor den eisigen Temperaturen des Benguela Stroms. Mit einem Fernglas kann man die Schwimmkünste der Robben sehr schön beobachten. Sie haben dabei offenbar viel Spaß und stürzen sich wie menschliche Surfer immer wieder in die höchsten Wellen.

Nach dem Besuch bei den Robben fahren die ca. 54 km bis Henties Bay zurück, biegen dann auf die Schotterstraße C35 nach Uis ab und erreichen so das Damaraland.



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