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KOLMANSKUPPE 2

Der Name Kolmanskuppe stammte ursprünglich von einem einheimischen Transportkutscher namens Johnny Colman, der hier auf der Hügelkuppe im Jahr 1905 mit seinem Ochsenkarren liegen blieb und verdurstete.

Verantwortlich für die Gründung der Stadt war ein aus Thüringen stammender, 30-jähriger Oberbahnmeister der Deutschen Reichsbahn namens August Stauch. Er musste mit seiner Räumkolonne die Gleise der Lüderitz-Eisenbahn von Aus nach Lüderitz ständig vom Flugsand freizuschaufeln und immer wieder kam mit dem Wind neuer hinzu. Der abgelegene Arbeitsplatz in der Namibwüste zwischen Kilometer 18 und 27 der Strecke hieß "Grasplatz", zwei Schmalspur-Haltestellen von der Stadt Lüderitz entfernt. Allerdings wuchs am "Grasplatz" gar nichts, vor allem kein Gras. Hier wurde für die Ochsenkarren, welche in der Zeit vor dem Bau der Eisenbahn den Transport ins Inland bewältigen mussten, Heu gelagert, damit die Zugochsen bei der Rückkehr Futter bekamen und während der Fahrt mehr Fracht transportieren konnten.

Herr Stauch war ein aufmerksamer und neugieriger Zeitgenosse, in der Erwartung von Bodenschätzen hatte er seine Arbeiter angewiesen, ihm alle besonderen Beobachtungen und Funde zu melden. An 14. April 1908 passierte etwas, was das Leben an diesem Ort grundlegend ändern sollte: Der afrikanische Hilfsarbeiter Peter Zacharias Lewala überreichte seinem Chef einen glitzernden Stein, welcher der Legende nach an seiner mit Öl verschmierten Schaufel kleben geblieben war. Durch seine Arbeit in Kimberley in Südafrika entsprechend erfahren war er sicher, es handle sich um einen Rohdiamanten. Immerhin wurde sein Name überliefert, von diesem Fund hatte der Arbeiter nichts. Sein Chef ließ sich erst von einem befreundeten Bergwerksingenieur bestätigen, was er vermutet hatte: Der Stein war ein lupenreiner Diamant. Dann lies er extra eine Lokomotive anheizen für eine Fahrt nach Aus, wo der Apotheker in seinem Labor den Stein fachgerecht prüfen konnte.

August Stauch kündigte ordnungsgemäß seinen Dienst bei der Bahn. Und zusammen mit seinen Kompagnons erwarb er beim kaiserlichen Bergbauamt die Rechte für siebzig Schürffelder auf 20.000 Hektar Wüste. Sie gründeten die Diamantenschürfgesellschaft Kolmanskuppe und wurden reich. Schürfen, also graben, mussten die Herren eigentlich nicht, denn am Anfang konnte man hier die Diamanten einfach vom Boden aufsammeln. In einigen Wüstentälern nur wenig weiter südlich fand man noch viel mehr Diamanten. Man erzählt sich bis heute, dass Stauch einmal auf dem Boden sitzend allein in Reichweite seiner Arme 37 Diamanten gefunden habe. Im Schnitt sammelte jeder der Männer in den ersten Tagen täglich ein halbes Marmeladenglas voller Edelsteine ein. Man nannte das Gebiet "Märchenthal".

Schon im Juli 1908 drang die Kunde von dem Fund vor bis nach Deutschland und viele Glücksritter wurden vom Diamantenfieber gepackt und brachen auf nach Deutsch-Südwest. Die Reichsregierung sah sich gezwungen, einen hundert Kilometer breiten Küstenstreifen vom Oranje-Fluss bis zum 26. Breitengrad zum "Sperrgebiet" zu erklären. Am 22. September 1908 erließ Bernhard Dernburg, Staatssekretär im Reichskolonialamt, die Sperrverfügung für diese Region. Bis dahin angemeldete private Schürfgebiete durften aber weiter ausgebeutet werden.



Luxus und Abstieg

In Rekordzeit wurden 1909 die Siedlungen Stauchslager, Charlottental, Bogenfels sowie als Hauptquartier Kolmannskuppe gegründet. Die Stadt mitten im Nirgendwo wurde als Dauersiedlung geplant, groß und modern angelegt. Denn die Facharbeiter, die aus Deutschland angeworben wurden, waren die technische Elite ihres Landes und man musste ihnen einiges bieten, damit sie sich in der Einöde mit ihren Familien wohl fühlten. Keiner wollte mit einem warmen Bier im sandigen Zelt sitzen und so wurden die Häuser massiv gebaut, es gab von Anfang an Elektrizität und es existierte sogar eine moderne Stangeneisfabrik. Jede Familie bekam eine halbe Stange Eis gratis pro Tag geliefert. Vom zwölf Kilometer entfernten Hafen in der Lüderitzbucht wurde mit der Bahn alles in die Wüste transportiert, was das Leben in den heimischen vier Wänden angenehm machte: Badewannen, Armaturen, Tapeten, Möbel, Kühlaggregate, Linoleumfußböden, Sportgeräte, Grammophone und Toiletten mit Wasserspülung. Auch zwischen den einzelnen Schürforten wurden Bahnverbindungen gebaut.

Frischwasser war sehr teuer, denn es musste erst in Fässern per Schiff aus Kapstadt oder über Land aus Garub herangeschafft werden. Ein Liter Frischwasser kostete damals so viel wie ein halber Liter Bier, aber die ersten 20 Liter Frischwasser täglich pro Familienmitglied waren umsonst - in der Wüste ein echter Luxus.

Das Brauchwasser wurde in einem riesigen Tank oben auf der Düne hinter dem Hospital gelagert und in dem Wasser-Reservoir auf der Düne über dem Ort durften die Bewohner an heißen Tagen auch schon mal baden gehen. Gespeist wurde es mit Meerwasser, das vom Atlantik bis hierher gepumpt wurde. Vor allem zum Auswaschen von Sand und Kies auf der Suche nach den Diamanten wurde sehr viel Wasser benötigt. Später baute man an der Küste sogar eine Meerwasserentsalzungsanlage, die von einem eigens errichteten Elektrizitätswerk betrieben wurde. Damals war das Hightech und der leistungsstärkste Stromproduzent auf der südlichen Halbkugel.

Schnell füllte sich die Stadt, hier lebten 300 Deutsche mit 40 Kindern. Es gab frische Brötchen aus der eigenen Bäckerei, eine Apotheke, eine Limonadenfabrik, eine Volksschule, den Kegelklub "Gut Holz" und ein hochmodernes Krankenhaus. Der Arzt reiste extra für eine Schulung nach Deutschland und kam zurück mit einem hochmodernen Röntgengerät. Es war das erste auf der Südhalbkugel.

Die Straßen wurden in der Nacht beleuchtet und man pflanzte sogar ein paar Bäume an. Auch eine Schmalspurbahn für den Transport von Waren und Personen innerhalb des Ortes war hier zu finden, die Gleise liegen heute noch teilweise unter dem Sand.

Die Bedingungen für die hoch bezahlten Arbeiter in der Diamantenstadt waren für damalige Verhältnisse und für die isolierte Lage also ziemlich paradiesisch. Es gab für jeden mindestens 14 Tage bezahlten Urlaub im Jahr - je nach Dienstzeit vor Ort sogar noch mehr - den man auch ansparen konnte, um dann nach einigen Jahren nach Deutschland zu reisen. Nur die rund. 800 einheimischen Arbeiter vom Volk der Ovambo hausten in engen Holzbaracken und erledigten die Drecksarbeit, wie so oft in den Kolonien.

1909 förderte Kohlmanskuppe 20 Prozent der Weltproduktion an Diamanten. Man ging vorsichtig von 20 bis 30 Prozent Verlust durch Diebstahl aus, im Festsaal kann man heute noch in einer Ausstellung sehen, wie damals die Diamanten aus dem Sperrgebiet herausgeschmuggelt wurden. Mehr als eine Tonne Glitzersteinchen wurde bis 1914 gefördert. Erst mit Beginn des 1. Weltkriegs begann der Abstieg der Stadt und der Todeskampf sollte noch lange dauern.

Das Ende der deutschen Herrschaft kam dann ziemlich schnell, als im Jahr 1915 die Kolonialverwaltung in Windhoek vor den Südafrikanern kapitulierte. Die Gier nach Diamanten blieb aber mit den neuen Herren im Land, ebenso wie die deutschen Siedler. Die Minengesellschaften bekamen neue Namen, so wie De Beers mit Hauptsitz in Johannesburg.

Schon im Jahr 1931 galt Kolmanskuppe als zu 95 Prozent ausgebeutet, Diamanten wurden nun weiter im Süden gesucht und die Diamantenförderung verlagerte sich immer weiter in Richtung Elisabethbucht, Pomona, Charlottenthal und Bogenfels. Die Bewohner verließen nach und nach den Ort und überließen ihn einfach der Wüste. 1954 entließ das Krankenhaus die letzten Patienten, zwei Jahre später packte die letzte Familie ihre Koffer. Zurück blieb eine tote Stadt in der Wüste und Stille senkte sich Jahrzehnte lang über Kolmanskuppe.

August Stauch, der deutsche Diamantenkönig, hatte am Ende kein Glück. Er investierte über Jahre hinweg immer wieder mit wenig Glübk in verschiedene Unternehmenm, wurde dann 1931 Opfer der Weltwirtschaftskrise und verlor über Nacht auch noch den Rest seines Vermögens. Als er 1947 in einem Krankenhaus am Magenkrebs starb, hatte er nur 2,50 Mark bei sich.



Rundgang

Wie schon auf der Seite Kolmanskuppe 1 beschrieben, kamen wir am Morgen gegen 9:00 Uhr in die alte Geisterstadt. Der Parkplatz befindet sich vor dem Hauptgebäude, in dem sich ein Ballsaal mit Theater, eine Turnhalle, eine Großküche und im Keller eine Kegelbahn befinden. Letztere darf man heute als Besucher nicht mehr benutzen, auch wenn die Kugeln und Kegel noch existieren. Es gibt hier Toiletten, einen Souvenir-Shop, in dem man sogar Diamanten kaufen kann und ein nettes, kleines Café. Dort kann man sich von den Strapazen des Rundganges durch heißen Tiefsand erholen, eine Kleinigkeit essen und sich hausgemachten Kuchen und Kaffee sowie Erfrischungsgetränke serviert lassen. Ist sehr nett gemacht und an den Wänden hängt Historisches. Im Flur trifft man sich zum geführten Rundgang, der sehr interessant ist und bei dem man eine Menge über die Geschichte der Häuser un ddes Ortes erfährt.

Mehr Spaß macht es aber, alleine durch die Stadt und die Häuser zu laufen. Morbide deutsche Kolonialgeschichte umweht den Besucher. Die meisten Häuser sind zur Orientierung beschildert und im halb zerfallenen Zustand und das ist auch gut so. Wenn man hier alles renovieren würde, dann sähe es aus wie das prächtigste Haus am Platz, in dem damals die Familie des Betriebsleiters lebte. Das hat man vom Sand befreit, die Wände gestrichen, die Schäden repariert - und somit hat es eigentlich jeden Charme verloren. Es liegt an der höchsten Stelle des Ortes am Nordende der Düne, und vom obersten Balkon kann man in der Ferne sogar das Meer sehen.

Dafür kann man in den Nachbarhäusern sehr schön erleben, wie sich die Wüste die Stadt zurück erobert hat. Fensterrahmen ohne Glas, abgeblätterte Jugenstiltapeten, Häuser ohne Türen, die Sandhaufen in den Zimmern, brüchige Treppen und eingestürzte Dächer, alte Badewannen mit sandigem Inhalt. Skorpione, Vögel und Schakale haben im Sand in den Häusern ihre Spuren hinterlassen.

Die schönsten Häuser sind natürlich in der Nobelmeile des Ortes südlich des Hauses des Betriebsleiters zu finden: das Wohnhaus des Quartiermeisters, des Ingenieurs, des Lehrers, des Arztes, des Architekten und des Buchhalters. In der Reihe darunter liegt das große Versammlungshaus mit Theater und Sporthalle, dahinter die Reihenhäuser der einfachen Arbeiter und das Hospital. Eine Straße darunter mit Bahnanschluß liegen eine Kneipe und etliche Häuser mit Geschäften, die Eisfabrik und daneben der Schlachthof. Schlachtvieh wurde sofort getötet und im Kühlraum neben der Eisfabrik konserviert - Futter und Wasser waren teurer als die Energie zum Kühlen. Ganz unten im Tal liegen die Fabrikgebäude der Diamanten-Waschanlage, noch weiter im Süden kommen die Baracken für die einheimischen Arbeiter.

Das ehemalige Haus des Krämers ist mit Inneneinrichtung bestückt, die Möbel und Werkzeuge sind allerdings nicht mehr original. Se wurden später gekauft oder gespendet.

Daneben befindet sich ein interessantes Museum mit vielen alten Ausstellungsstücken und vor allem interessanten Bildern und Berichten aus dem Alltagsleben. Im Nebenraum stellt ein Fotograf seine Bilder aus, er hat die Zeit öfters hierher zu kommen und kann natürlich auch die typischen Fotos mit Sonnenstrahlen präsentieren.




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