Archiv : Die Infos und Bilder auf dieser Seite sind aus dem Jahr 2005

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KIWI ENCOUNTER

In Rorotonga hat man die Möglichkeit, einen der wenigen einheimischen Vögel mal live und aus nächster Nähe anzusehen - einen Kiwi. In freier Wildbahn wird man als Tourist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit niemals einen Kiwi sehen. Wir trafen einen professionellen Jäger, der 10 Jahre lang in einem großen Gebiet auf der Nordinsel tätig war, mitten drin im fast weglosen Urwald. Und selbst er hat zwar auf nächtlichen Pirschgängen schon mal welche gehört, aber noch nie einen in freier Wildbahn gesehen.

Wegen ihrer nächtlichen und verborgenen Lebensweise sind die trillernden Laute oft das einzige, was Menschen von Kiwis mitbekommen, denn sie rufen das ganze Jahr und die ganze Nacht hindurch. Nur bei starkem Wind und in sehr hellen Vollmondnächten nicht. Wer hören möchte wie das unegfähr klingt, der geht in den nächsten Souvenirshop und drückt mal auf einen Plüschkiwi mit eingebautem Soundchip - wirklich sehr realistisch. :-)

Da der Kiwi aber Neuselands Stolz ist und obendrein ein niedlicher Vogel, fuhren wir nach Ankunft in Rotorua erst einmal zum Kiwi Encounter gegenüber vom Naturpark Rainbow Springs. Der befindet sich 6 Kilometer außerhalb von Rotorua am State Highway 30A von Rotorua nach Hamilton. Hier kann der Besucher kapitale Regenbogen-Forellen in glasklaren Teichen bewundern. Der Eintritt kann mit dem Kiwi Encounter kombiniert werden und "verbilligt" sich dann.

Wir hatten Glück und eine Führung durch das Kiwi-Brutprogramm stand kurz bevor. Im ziemlich überteurten Souvenirshop lösten wir die Eintrittskarte. Saftige NZ$26,50 für eine knappe Stunde Rundgang mit Fotografierverbot, als Combo mit Rainbow Springs kostet der Eintritt NZ$37,80. Na ja, wenn man schon mal da ist - und außerdem ist es ja für den Naturschutz und die Kiwis gut angelegt.

Fotografieren ist während der geführten Tour verboten, was mit Lärmbelästigung der scheuen Tierchen begründet wird. Na ja, unsere Digitalkamera hätte mit Sicherheit weniger Lärm erzeugt als die munter lachenden Helfer hinter der Glasscheibe im Kiwiraum. Blitzlicht-Belästigung, das wäre ein Grund, und vermutlich hat das Personal keine Lust mit den Gästen darüber zu diskutieren, wie sie es schaffen, den Blitz an ihrer digitalen Miniknipse aus zu schalten...

Der Kiwi

Der flugunfähige und nachtaktive Kiwi (Apterygidae, auch Schnepfenstrauß) ist das Wappentier Neuseelands. In der Ordnung der Laufvögel stellen Kiwis die mit Abstand kleinsten Vertreter dar. Es gibt verschiedene Arten die unterschiedlich groß sind: der Streifenkiwi (Apteryx australis), der Haastkiwi (Apteryx haastii) und der Zwergkiwi (Apteryx owenii). Ein Kiwi wirkt eher plump, er wird 35 bis 65 Zentimeter lang, bis zu 35 Zentimeter hoch und 1-5 Kilogramm schwer. Die Weibchen sind etwas größer und schwerer. Kiwis sind monogam, ihr ganzes Leben lang bewohnen sie ein Revier, das sie mit dem Partner teilen. Dort gehen sie auf Jagd. Eigentlich sind die Allesfresser, ernähren sich aber hauptsächlich von wirbellosen Tieren wie Regenwürmern und Insektenlarven, die sie stochernd im Erdreich finden.

Das braune Gefieder wirkt wie Haare, die Flügel sind verkümmert und kaum sichtbar. Einen Schwanz haben Kiwis nicht, sie sehen aus wie ein großes, watschelndes Ei mit Schnabel. Dieser Schnabel ist sehr lang (bis zu 20 cm beim Streifenkiwi) und nach unten gebogen. Er dient zum einen als Stütze, außerdem kann ein Kiwi, eine Besonderheit unter Vögeln, sehr gut riechen. Ständig stochern sie schnaufend schnüffelnd auf der Suche nach Nahrung im Bodenbelag des Waldes herum.

Seit die ersten Maori-Siedler Neuseeland erreichten, wurden Kiwis im großen Maßstab gejagt und die Zwergkiwis sind auf der Nordinsel heute ausgerottet. Schuld war das schmackhafte Fleisch, aber auch die Federn hatten als Schmuck Bedeutung. Als die Weißen Neuseeland erreichten, verschlimmerte sich die Situation für die Kiwis noch einmal. Im 19. Jahrhundert wurden Kiwi-Federn, ähnlich wie Straußenfedern aus Südafrika, sogar nach Europa verschifft und dort als Besatz von Kleidern eleganter Damen zu enden. Die eingeschleppten Hunde, Katzen, Füchse und Marder sorgten für weitere Dezimierung. Seit 1921 stehen Kiwis unter Schutz, heute versucht man, wie hier in Rotorua, durch gezielte Zuchtprogramme mehr Kiwis in die Wildnis zu entlassen. Eines dieser Programme findet man unter www.kiwirecovery.org.

Rundgang

In der Wildniss sterben 95% der geschüpften Kiwi-Kücken noch bevor sie sechs Monate alt sind - in dieser Zeit laufen sie auch noch tagsüber herum. Zu ihren größten Feinden zählen Iltis, Wiesel und das Possum, welches in Neuseeland landesweit als Pest gilt und heftig bekämpft wird. Alle Feinde wurden von den weißen Siedlern ins Land gebracht und dezimieren nicht nur die Kiwi-Population.

Im Aufzuchtprogramm werden Kiwieier von Doc-Mitarbeitern (DOC = Department of Conservation, die staatliche Umweltschutzbehörde) in Nationalparks nach einem Großteil der Brutzeit aus den Nestern entnommen, nummeriert und registriert und nach Rotorua zum Kiwi Encounter gebracht. Die Nester werden gefunden, weil alle brütenden Männchen dort mit Sendern ausgestattet sind.

Die Führung durch das Kiwi Haus startet jede Stunde und man betritt in einer Gruppe von ca. 20-30 Leuten das Allerheiligste. Vom Flur aus wirft man durch Glasscheiben einen Blick in die sterilen Räume, in dene die Eier kontrolliert ausgebrütet werden und das Futter zubereitet wird. Dieses ist eine Spezialmischung, für uns Menschen wenig appetitlich ausschauend. Mehrmals täglich werden die Eier gewendet und schnell mit einer speziellen Lampe kontrolliert.

Wir hatten großes Glück und sahen ein Ei, aus dem gerade der Schnabel ragte. Das Kiwi-Kücken mühte sich noch durch die dicke Schale, was mehrere Tage dauern kann. Einen Raum weiter konnten wir ein gerade geschlüpftes Kücken sehen, das rund und puschelig in einem Kasten sass. Dann wurde es hochgenommen, der Hintern wurde mit einer Lösung bepinselt und es wurde vorsichtig wieder in die Kiste gesetzt. Wirklich niedlich, allein für den Anblick hat sich der Eintritt schon gelohnt. Schade, fotografieren verboten.

Die Tour führt weiter durch ein Haus, das tagsüber dunkel gehalten wird und bei Nacht beleuchtet. So können die Besucher die zwei Kiwis dort aktiv sehen, wie sie im Laub stochern und hörbar schnüffeln. Einer rannte die ganze Zeit herum und da alle Besucher ganz ruhig waren hörte man ihn mit den dicken dreizehigen Füßen auf dem Waldboden herumstampfen. Dann kommt man an den Außengehegen vorbei, wo die Kücken die ersten 6 Monate geschützt aufwachsen, bevor sie zurück in ihre Herkunftsreviere kommen. Hier war aber am hellen Tag kein Kiwi zu sehen.

Am Ende der Führung gab es noch eine Ausstellung, hier durfte fotografiert werden und die Bilder dieser Seite stammen von den Ausstellungstafeln. Man konnte Fragen stellen und mit dem guide plaudern, danach war die Führung beendet. Später fanden wir heraus, das man bei einem dem Besuch der Whakarewarewa Thermal Area ebenfalls Kiwis in einem Tag- und Nachthaus sieht - natürlich keine süßen Kücken, sondern erwachsene Tiere.

Zum Schluss noch die offizielle Homepage des Kiwi Encounter für weitere Informationen.

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