Archiv : Die Infos und Bilder auf dieser Seite sind aus dem Jahr 2005

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FORGOTTEN WORLD HIGHWAY

Der State Highway Nummer 43 wird auch The Forgotten World Highway genannt. Er ist 161 Kilometer lang und führt von Stratford in der Taranaki Region nach Taumarunui. Mit einem Camper braucht man für die Strecke ca. 3-3,5 Stunden. Wir fuhren in umgekehrter Richtung, kamen aus dem Tongariro National Park und folgten ab dem Ort National Park zuerst dem State Highway Nummer 4 nach Taumarunui.

Wenige Kilometer hinter National Park gibt es bei Raurimu die so genannte Raurimu Spiral. Die ist eine international anerkannte Ingenieursleistung. Ein Meisterwerk, erbaut um einen 215 m langen Steilhang der Eisenbahn-Hauptstrecke auf der Nordinsel zu überwinden.Aus der Richtung National Park erkennt man das auch als Autofahrer: Die Straße geht steil bergab. Eisenbahnfans kommen aus der ganzen Welt, um die Spirale zu sehen. Davon hat man allerdings mehr, wenn man mit dem Zug fahrt. Vom Highway aus ist ein Viewpoint ausgeschildert, doch dort angekommen schaut man erst einmal verdutzt in die grüne Landschaft mit Schafen und sieht - nichts. Oben auf die Plattform am Aussichtspunkt geklettert sieht man dann ein Modell: jemand hat aus Draht die Eisenbahnschleife nachgebaut, siehe Bilder unten.

Dieses kleine Denkmal als touristischen Höhepunkt auszuschildern, dazu gehört schon ein gerüttelt Maß an neuseeländischem Humor! Die Gleise selbst sieht man im dichten Grün nämlich nicht. Wer mehr darüber wissen möchte, der folgt diesem Link.

Nach weiteren 40 Kilometern erreichen wir Taumarunui, wo wir noch einmal einen Tankstopp einlegten, denn der State Highway Nummer 43 ist eine der entlegensten Straßen Neuseelands. Über die Länge von 150 Kilometern gibt es keine Tankstellen. Ab Taumarunui ist der Stratford Heritage Trail, seit dem Jahr 1990 Forgotten World Highway genannt, gut ausgeschildert. Dabei stellen wir schnell fest, dass die Bezeichnung Highway für diese unebene, aber wenigstens meistens asphaltierte schmale Landstraße doch ziemlich übertrieben ist. Sie windet sich über nun 155 Kilometer durch die hügelige Landschaft mit wenigen, kleinen Orten und verstreuten Gehöften. Man fährt durch üppig grüne Urwälder mit Baumfarnen, vorbei an Weideland und landschaftlich schönen Scenic Reserves vorbei. Bei einigen Hügeln kann man allerdings auch die Erosion nach der Abholzung und durch die intensive Weidewirtschaft erkennen. Ganze Täler, wie das unten rechts auf dem Foto, sind kahl.


Urwald

Nach fast 70 Kilometern Farmland und viel Fahrerei bergauf und bergab erreicht man das Tangarakau Scenic Reserve. Nach einem kräftigen Anstieg fällt die Straße dann steil in ein Flusstal ab und hier endet auch der Asphalt. Die Gravel Road ist teilweise ziemlich holprig, die Landschaft wird dafür immer interessanter. Statt der üblichen Grashügel mit Schafen drauf fährt man hier durch üppigste Vegetation. Als dieses Gebiet gegen Ende des 19. Jahrhunderts besiedelt wurde, waren Pferde das einzige Transportmittel, das dieses steile und schlammige Gelände durchqueren konnten. Die bewalteten Hügel fallen teilweise fast senkrecht ab.

Wer hier anhält und dem Zirpen, Piepen und Rauschen des Waldes zu lauschen hat fast das Gefühl der erste Mensch zu sein, der diesen Wald betritt. Die hier lebenden, seltenen Einheimischen wie Kiwi oder Kaka bekommt man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu Gesicht.

Eine Pause legten wir ein, als wir über eine Brücke kamen. Direkt hinter dieser, wie immer einspurigen, Brücke befand sich ein Parkplatz auf dem wir selbst mit dem großen Camper bequem stehen konnten. Ein Schild weist auf des Grab des Landvermessers Joshua Morgan hin. Ein Fußweg von ca. 60 Metern führt hinein in den Wald zum Grab. Der einspurige(!) 180 Meter lange und unbeleuchtete Moki-Tunnel befindet sich direkt hinter dem Tangarakau Scenic Reserve. Am Tahora Saddle kann man eine Pause im Kaieto Café einlegen.


Whangamomona

Ungefähr die Hälfte der Fahrt hat man hinter sich, wenn man den kleinen Ort Whangamomona erreicht. Die einzige größere Siedlung auf der Strecke wurde im Jahr 1895 errichtet, ohne Zugang über eine Straße. 1924 besiegelte dann eine große, verheerende Flut das Schicksal des Ortes. Heute gibt es dort nur noch einen kleinen Hotel mit Pub und ca. 25 Einheimische die Einsamkeit lieben. Whangamomona nennt sich seit 1988 Republik, denn die Bewohner erklärten aufgrund von Unstimmigkeiten mit der lokalen Regierung einfach ihre Unabhängigkeit. Man kann sich sogar im Hotel, dem historischen Ort der Unabhängigkeitserklärung, seinen Reisepass abstempeln lassen. Das Ortsschild begrüßt die Besucher mit den Worten "Welcome to the Republic of Whangamomona" - einmal im Jahr, im Januar, wird die Unabhängigkeit am Whangamomona Republic Day mit kräftigem Umtrunk zelebriert. Der Ort ist dann nur mit Passierscheinen zu betreten. Außerdem gibt es an diesem Feiertag zur allgemeinen Belustigung typisch neuseeländische Aktivitäten wie Sackhüpfen oder Kuhdung-Weitwurf.

Am Whangamomona Saddle wechselt die Urwaldlandschaft wieder in Weidelandschaft... Die letzten Kilometer bis nach Stratford sind nun wieder geprägt von grünen Hügeln mit Schafen, es geht ständig bergauf und bergab mit schönen, weiten Ausblicken über die Landschaft. Normalerweise sieht man von hier aus schon den mächtigen, schneebedeckten Vulkan Taranaki in der Ferne. Leider spielte das Wetter nicht mit und er lag in Wolken, so dass wir ihn erst einen Tag später sahen. Schade, denn eigentlich ist dieser Anblick eine der Attraktionen der Strecke und auch ein Grund in diese Richtung zu fahren, sonst hat man den schönsten Blick meist im Rücken.

Der Ort Stratford ist Hauptstadt des Stratford-Distrikt. Er bietet Zugang zu zwei beliebten Nationalparks: Erstens dem Egmont National Park, zu dem das Gebiet um den kegelförmigen Mount Taranaki gehört, und dem Whanganui National Park weiter östlich. Hauptattraktion des Ortes: "New Zealand`s only Glockenspiel" in einem fachwerkartigen, schwarz-weißen Turm untergebracht. Uns hat es nicht so brennend interessiert, außerdem fing es bei unserer Ankunft gerade an zu regnen und wir fuhren weiter zum Taranaki.

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