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KRIMINALITÄT

Die erste Frage, die uns nach unserer Rückkehr aus Südafrika von neugierigen Kollegen und Bekannten meist gestellt wurde, war:

"Und, wie schlimm war die Kriminalität?"

Dank unserer Medien und der weltweiten Berichterstattung glauben die meisten Menschen scheinbar, man müsste als Tourist in Südafrika jeden Tag mit bewaffneten Raubüberfällen oder anderen Unannehmlichkeiten und Gefahren rechnen.

Auch wir hatten natürlich vor der Reise davon gehört. Wenn man sich die Berichte allerdings genauer anschaute, so gab es deutliche Unterschiede in der Verteilung der Gefahren. Deshalb haben wir Metropolen wie Johannesburg und Durban auch einfach von unserer Wunschliste gestrichen. Wer trotzdem dorthin will oder muss: hier sind zusammengestellt vom www.suedafrika.net einige Tipps.

Kapstadt war die einzige Großstadt, die wir auf unserer Reise besucht haben, und dort wohnten wir im etwas abgelegenen Constantia Valley ebenso sicher wie in Köln. Ich möchte nun keinen wissenschaftlichen Aufsatz zum Thema schreiben, das können andere besser als ich. Nur ein paar Eindrücke, die wir auf unserer Reise gesammelt haben:

Für die ersten zwei Reisen haben wir uns nur auf den Süden konzentriert und keinerlei schlechte Erfahrungen in punkto Kriminalität gemacht. Wir brauchten keine Malariaprophylaxe und konnten uns immer frei und ohne Ängste bewegen. Besonders auf dem Land begegneten uns freundliche Menschen mit herzlicher Gastfreundschaft und offenen Türen. Die folgenden Reisen fühten in den Norden und nach Kwazulu Natal. Die Region ist zwar weniger europäisch als die Kapregion, aber auch hier hatten wir keine Schwierigkeiten. Allerdings sollte man beachten, dass man hier selten alleine ist. Also auch beim kurzen Austeigen aus dem Wagen an einem Aussichtspunkt die Türen schließen und so Gelegenheitsdieben keinen Anreiz bieten. Von solchen Diebstählen haben wir unterwegs von anderen, unvorsichtigen Reisenden gehört.

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Man sollte nicht verschweigen, dass die Unterschiede im Lebensstandard zwischen Schwarz und Weiß nach wie vor enorm sind und die Kriminalitätsrate überall dort, wo keine stabile Sozialstruktur besteht, erschreckend hoch ist. Jeden Tag hört man in den Nachrichten und liest in den Medien von Morden, Kidnapping und Vergewaltigung. Auch wenn man als Reisender oft wenig davon mitbekommt: Südafrika droht im Sumpf der Kriminalität unterzugehen. Nach Jahren mit steigender Tendenz pendeln sich die Zahlen nun auf einem international herausragend hohen Niveau ein. In vielen Kategorien der internationalen Verbrechensstatistik steht Südafrika heute unangefochten auf Platz Eins oder Zwei.

Sehr aufschlussreich ist die Lektüre der lokalen Zeitungen und kostenlosen Werbeblätter in den Coffee-Shops, da erfährt man eine Menge Details. Meist spielt sich die Gewalt innerhalb der schwarzen Communities ab. Bürgerinitiativen gegen das organisierte Verbrechen sind oft selbst Opfer von Mordanschlägen. Kinder werden vergewaltigt, aus dem Aberglauben heraus, Sex mit Jungfrauen schütze vor Aids. Traditionelle Stammesrituale von Dominanz und Status entarten im Zusammenspiel mit Alkohol und Demütigung durch Arbeitslosigkeit schnell zu Mord und Todschlag. Auch Flüchtlinge aus den Nachbarländern ohne Perspektive oder gut organisierte nigerianische Banden importieren Kriminalität ins relativ wohlhabende Südafrika.

All das ist sicherlich grausame Realität und Teil des Reiseziels Südafrika. Es gibt Gegenden in Südafrika, die lebensgefährlich sind, aber sind das nicht auch manche Bezirke von New York, Kingston oder Miami? Wenn man sich jedoch in solche Hochburgen der Kriminalität begibt, dann nutzt auch oft der viel zitierte "gesunde Menschenverstand" nichts mehr.

Es ist ebenfalls nicht vernünftig, als Tourist herumzulaufen und zu denken, nur weil bei der einen Reise nichts passiert ist, gibt es keine Gewalt in Südafrika. In einer Unterkunft, in dem wir übernachtet haben, wurde eingebrochen. Das Küchenmädchen hatte ein Fenster offen gelassen. Der Besitzer wachte auf und schaute nach, der ertappte Einbrecher floh aber nicht nur. Nein, er stach dem Hausbesitzer mit einem Messer in die Lunge. Dieser hat nun sein Leben lang damit zu kämpfen und braucht ständig Sauerstoff. Erbeutet wurde nichts.

Leute mit viel Gepäck sind ein beliebtes Ziel von Bösewichten, ebenso suchen diese vor große Hotels ihre Opfer, wo mit Sicherheit reiche Touristen herauskommen. Wer in privaten Unterkünften wohnt hat da schon einen großen Vorteil. Es war bei unseren Reisen auch nie ein Problem, Kamera und Stativ herauszuholen und Fotos zu machen, natürlich macht man das nicht gerade in einem Township oder des Nachts in einer Großstadt. Ach ja, die Leihwagen in Südafrika verriegeln automatisch die Tür, wenn man drinsitzt. Und das nicht ohne Grund.

Man sollte sich vor der Reise über die Gefahren und die Problemgebiete zum Beispiel beim Auswärtigen Amt informieren. Wir selbst können von keiner Situation berichten, in der sich Gewalt auch nur angedeutet hätte. Vielleicht hatten wir bei unseren fünf Reisen auch einfach nur Glück.

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