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PINGUINE

In Südafrika befinden sich einige Kolonien von Brillenpinguinen. Sie sind die Lieblinge der Besucher und lassen sich auch, wenig menschenscheu, aus der Nähe betrachten. Die bekannteste Kolonie ist die von Boulders Beach bei Simonstown auf der Kaphalbinsel.

Aber auch am Stony Point in der Nähe von Bettys Bay und in Lambertsbay sowie auf einigen vorgelagerten Inseln wie Robben Island oder Dyer Island vor Gaansbai findet man die putzigen kleinen Frackträger. Mehr zu den einzelnen Orten findet ihr, wenn ihr den Links folgt.

Zwischen 1956 und 1978 ging der Bestand der Brillenpinguine (Spheniscus demersus) in Südafrika um über 50% zurück. Entscheidende Ursache dafür war die Überfischung ihrer Nahrungsgründe, denn Brillenpinguine bevorzugen Meeresgebiete, in denen es einen großen Fischreichtum gib, somit ist die Fischfang-Industrie ein gefährlicher Nahrungskonkurrent.

Im Washingtoner Artenschutzabkommen sind Brillenpinguine in Anhang II als gefährdete Art (Status Vulnerable, d.h. man schätzt die Wahrscheinlichkeit des auf Aussterbens in den nächsten 100 Jahren auf 10%) aufgeführt. In Südafrika und Namibia zählen sie heute zu den gesetzlich geschützten Vogelarten.

Mehr Bilder gibt es in meiner Fotogalerie: PINGUINE.

Der Brillenpinguin

Brillenpinguine haben für gewöhnlich zwischen dem weißen Halsbandes und dem hellen Bauch nur einen schwarzen Querstreifen. In Südafrika allerdings sieht man auch manchmal Brillenpinguine mit zwei schwarzen Bändern unter dem Kinn. Die Tiere werden ca. 55 cm groß und 4-5 Kilogramm schwer. Sie können ca. 10 Jahre alt werden und leben in Brutkolonien.

Trotz der häufigen Hitze leben die Tiere in Südafrika gut und vermehren sich wieder. Um sich vor übermäßiger Wärme zu schützen, nehmen diejenigen Brillenpinguine, die gerade nicht im Brutgeschäft oder bei der Beaufsichtigung der Jungen unabkömmlich sind immer wieder mal auch Tagsüber ein erfrischendes Bad in der Brandung. Wenn ihnen die Sonne auf den schwarzen Frack scheint, dann spreizen sie die Flügel.

So wird die Körperoberfläche zum Auskühlen vergrößert. Durch Schlagen mit den Flügeln erreichen Pinguine weitere Abkühlung, ebenso durch leichtes Sträuben des Daunengefieders. Auch über die großen Füße wird Wärme abgegeben. Reicht das alles nicht aus, hecheln Pinguine mit offenem Schnabel ähnlich wie Hunde.

Untereinander verständigen sich Pinguine durch verschiedenartige Bewegungen und zum Teil äußerst merkwürdig klingende Geräusche. Manchmal hören sie sich an wie Esel. Wenn sich Paare lange Zeit nicht gesehen haben, wird erst einmal ein ausgiebiges Begrüßungritual vollzogen. An der Stimme erkennen sich die Erwachsenen aus tausenden Tieren, auch die Jungtiere und ihre Mütter erkennen sich durch spezielle Laute.

Brillenpinguine auf Nahrungssuche stellen den Fischen mit einer Geschwindigkeit von 7 - 9 km/h nach, erreichen aber auch durchaus Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 20 km/h. So sind sie schnelle und wendige Jäger. Der Strömungswiderstand eines Pinguins beträgt nur ein Drittel von dem eines modernen U-Bootes.

Obwohl sie so gute Schwimmer sind suchen sie selten im offenen Meer nach Nahrung. Sie orientieren sich bei der Gründung einer Brutkolonie lieber danach, daß sie zur Nahrungsbeschaffung nicht allzu weit herumstreifen müssen und es bis zu ihrem jeweiligen Heimatstrand nicht sehr weit haben. Bei der Jagd tauchen sie im Gegensatz zu einigen anderen Pinguinarten nur wenige Minuten und selten tiefer als 20 Meter.

Kehrt eine Pinguingruppe auf von ihrem Jagdausflug zurück ist volle Konzentration und viel Glück notwendig. Denn der Weg zurück zur Kolonie ist immer voller Gefahren, weil die Tiere ein Gebiet durchqueren müssen, in dem viele weiße Haie leben.

Eine zusätzliche Bedrohung wartet im küstennahen Kelbgürtel. Hier lauern Pelzrobben. Um die letzten Meter bis zur Kolonie sicher zu schaffen, schwimmen sie meist in größeren Gruppen und spurten urplötzlich los.

Nachwuchs

Ein direktes Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern gibt es nicht, die Unterschiede erkennt man nur beim Paarungsakt. Pinguine sind meist monogam und nisten fast immer mit dem gleichen Partner. Mit den großen Füßen und dem Schnabel graben sie Löcher oder Höhlen in den Sand und die Weibchen legen dann meist 2 Eier hinein, die abwechselnd knapp 6 Wochen bebrütet werden. Die Eier finden auch immer die Aufmerksamkeit von Möwen, welche versuchen, die Eltern abzulenken und ein verlassenes Ei zu erbeuten. Tieffliegende Möwen werden wild angefaucht und attackiert.

Eine klare Fortpflanzungszeit gibt in den meisten Kolonien der Brillenpinguine nicht. Wenn die Jungen schlüpfen sind sie zuerst völlig hilflos, blind und nur mit weichem Flaum bedeckt. Schon wenige Stunden nach dem Schlüpfen öffnen sie die Augen und beginnen die Eltern um Nahrung anzubetteln. Diese füttern die Kleinen mit hochgewürgtem halbverdauten Fisch und was die letzte Nacht sonst so gebracht hat.

Schon nach wenigen Tagen können die Kleinen ein paar Schritte laufen, aber für weitere elf Wochen lang brauchen sie die elterliche Fürsorge. Dann erst ist der Wechsel vom wolligen Daunenkleid der Küken zum wasserdichten und schwimmtauglichen Jugendgefieder abgeschlossen. Haben sich die Jungtiere dann mutig ins Meer gestürzt und von den Eltern emanzipiert gehen sie irgendwann auf Wanderschaft, um sich eventuell einer anderen Kolonie anzuschließen oder mit ein paar Gleichgesinnten auf einer passenden kleinen Insel eine neue zu begründen.

Ölpest

Noch bis Ende des letzten Jahrhunderts wurden Pinguine in Südafrika wegen Ihres Körperfetts zur Ölgewinnung umgebracht. Erst 1919 wurde dieses grausame Gemetzel eingestellt. Später wurden sie dann vom Erdöl umgebracht. Obwohl Unterhautgewebe und Gefieder der Pinguine immer reichlich Fett und wasserabweisendes körpereigens Öl enthalten müssen sind die Tiere doch sehr empfindlich gegen Verschmutzung mit Mineralöl.

In der Vergangenheit hat es leider immer wieder Tankerunfälle an der Südafrikanischen Küste gegeben, mit fatalen Folgen für die Tiere. Besonders schlimm traf es die Küste im Juni 2000, nachdem die die unter der Flagge Panamas fahrende Erzfrachter MV Treasure gesunken war. Die größte Pinguin-Kolonie des Kontinents vor Robben Island hat es besonders schwer erwischt.

Auf der ehemaligen Gefängnisinsel lebten damals etwa 14.000 Erwachsene und 6.000 junge Brillenpinguine, fast alle waren ölverschmiert und demnach in Lebensgefahr. Das ausgelaufene Heizöl bedrohte fast ein Drittel des Gesamtbestands der nur in Afrika vorkommenden Tiere. Gerade zu dieser Zeit waren sie mit dem Bebrüten der Eier und der Aufzucht der Küken beschäftigt - zu einem schlechteren Zeitpunkt hätte sie die Ölpest kaum treffen können.

Als erste Schutzmaßnahme wurden entlang der Küstenlinie rings um Robben Island Zäune aufgestellt, um die Tiere vom Sprung ins verölte Wasser abzuhalten. Darauf folgte die wohl größte von Menschen durchgeführte uneigennützige Tier-Verschickung aller Zeiten. 20.000 verölte Pinguine wurden eingefangen und in einer leeren Fabrikhalle einquartiert. Mittels einer von freiwilligen Helfern betriebenen manuellen "Waschstraße" wurden sie in mehreren Durchläufen langwierig vom Öl befreit. Die Tiere wurden medizinisch betreut, versorgt und aufgepäppelt, bis sie nach zwei bis vier Wochen schließlich nicht nur ölfrei waren, sondern auch stark genug für die Rückehr in die Freiheit.

Alle gesäuberten Pinguine wurden mit Schiffen weit hinaus aufs Meer gebracht, knapp tausend Kilometer südlich von Port Elizabeth. Von hier sollten sie über das offene Meer zurück zu ihren Heimatinseln schwimmen, für die Srecke brauchten sie knapp einen Monat. Diese Zeitspanne gab den Umweltschützern die Möglichkeit die größten Verschmutzungen zu beseitigen und die Strände bis zur Ankunft der Schwimmvögel zu reingen.

  Die Evakuierung und Reinigung der Pinguine sowie die Säuberung der Küste hat schätzungsweise 5.8 Millionen US$ gekostet. Der größte Teil des Geldes kommt aus wohltätigen Spenden, die sowohl von Privatleuten als auch Hilfsorganisationen geleistet wurden.

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