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DER STRAUß

Der Strauß, auf englisch Ostrich, auf afrikaans Struisenvogel, Struthio camelus in Latein genannt, wurde lange Zeit in der Region um Oudshoorn hauptsächlich wegen seiner Federn gezüchtet. In den zwanziger Jahren hatten sich die Straußenfarmen wegen der damaligen Mode Konjunktur und die Besitzer bauten sich von dem relativ leicht erwirtschafteten Geld prächtige Paläste. Sie wurden Federbarone genannt, mit einer Straußenfarm verdiente man damals viel Geld. Als die Nachfrage nach Straußenfedern nachließ - beim Fahren im neumodischen Automobil war ein Hut mit Federn eher störend -, schlitterten viele Farmen in den Ruin und gaben auf.

Heute gibt es rund um Oudshoorn aber immer noch zahlreiche Farmen, die die Tiere züchten, rund eine halbe Million leben auf den Weiden. Mittlerweile werden sie aber wegen ihres beliebten, fettarmen Fleisches und der Haut, die zu hochwertigen Lederwaren verarbeitet wird, gehalten. Die Federn sind heute eher ein Nebenprodukt, überall an den Hauptstraßen sitzen Frauen, welche diese gebündelt als Staubwedel verkaufen - und davon leben können. Nur mit den besonders hochwertigen Modefedern von unter den Flügeln erzielen die Farmer heute noch einen Gewinn. Eine ganz neue wichtige Verwendung finden die Federn weltweit als elektrostatische Staubfilter in den Lakierstraßen der Automobilindustrie - bislang wurde noch kein synthetisches Material mit besseren Staubfangeigenschaften entwickelt, erst recht kein billigeres.

Wenn man in der kleinen Karoo unterwegs ist, ist es ein netter Anblick, all die schlanken Hälse zu sehen, die neugierig über die Zäune blicken. Aber auch in freier Wildbahn in den Schutzgebieten und Nationalparks trifft man auf zahlreiche, wildlebende Strauße wie auf dem Bild ganz unten. Geschätzte 50.000 Tiere sollen frei in südafrikanischen Savannen leben.

Biologisches

Der flugunfähige Stauß ist vielleicht nicht wie oft behauptet der größte existierende Vogel auf der Erde, sondern der vermutlich fortschrittlichste Nachkomme der Dinosaurier. Seine Küken haben keinen Eizahn, sondern müssen sich mit Muskelkrämpfen aus der Eischale sprengen, dafür wird bei der Verdauung schon zwischen flüssig und fest unterschieden. Er wird bis zu 2,50 m groß und bringt es auf ein Gewicht von bis zu 160 kg. Dank seiner kraftvollen Beinmuskulatur kann er sogar einen Menschen tragen.

Ein Strauß ist extrem schnell, im Sprint kann er eine Geschwindigkeit von 80 km/h erreichen. Ihre kraftvollen Beine mit scharfen Krallen an den Zehen sind eine gefährliche Waffe gegen ihre natürlichen Feinde, mit einem Fußtritt können sie kleinere Räuber aufschlitzen und sogar angreifende Löwen eine Weile aufhalten. Als einziger Vertreter der Vögel haben Strauße nur 2 Zehen und ihre Schrittlänge beträgt sagenhafte 6 bis 8 Meter.

Die männlichen Strauße (Hähne) haben schwarzes Gefieder mit weißen Schmuckfedern unter den Flügeln, weibliche (Hennen) sind grau-braun. Sowohl auf Farmen als auch in der freien Wildbahn können sie bis zu 70 Jahre alt werden. Strauße sind Pflanzenfresser, wobei sie nicht rein vegetarisch sind, sondern auch kleine Tiere und Insekten nicht verachten. Eigentlich sind sie Allesfresser, der Hals ist extrem dehnbar und man kann ohne Probleme den Kopf auf den Rücken drehen. In so manchem Straußenmagen hat man schon einige absonderliche Dinge gefunden, man kann davon ausgehen, daß sie einfach alles aufpicken, was irgendwie durch den Schnabel passt.

Dabei sind kleine Steine aber normaler Bestandteil der Nahrung, denn der Strauß hat weder Zähne noch einen verdauenden Magen. Die Steine helfen in einem Muskel-Magen beim Zerkleinern des Futters durch Kneten und Reiben.

Ein auf Farmen gezüchteter Strauß verdrückt etwa 2 kg Futter pro Tag, in vielen kahlen Gehegen sieht man Futtertröge aus alten Autoreifen liegen. Viel lieber ist den Vöglen natürlich, wenn sie auf einer grünen Wiese an üppigen Kräutern picken können.

Strauße können über längere Zeit ohne Wasser auskommen und sind damit für aride Regionen gut gerüstet. In freier Wilbahn leben sie meist in komplex aufgebauten Gruppen, dominate Hähne bilden Familienverbände mit 3 - 5 Hennen. Besonders schön anzuschauen sind ihre Rituale wie zum Beispiel das Tanzen. Dabei kniet der Hahn mit weit geöffneten Flügeln nieder, um diese an den Hals und an den Brustkorb zu schlagen. Das schreckt Rivalen ab und imponiert den Hennen.

Der Hahn baut mit der dominanten Henne dann ein Nest, welches auch von den anderen Hennen zur Eiablage benutzt wird. So ein Gemeinschaftsgelege, ein Loch, in den Boden gekratzt, kann zwischen 15 und 30 Eier enthalten. Die Eier werden dann etwa 42 Tage bebrütet und beschattet, tagsüber von der Henne und in der Nacht vom Hahn, und dabei immer fein gewendet. Kontinuierlich werden auch die Positionen der Eier getauscht, damit möpglichst viele Küken in einem kurzen Zeitraum schlüpfen.

Das Schlüpfen ist eine besondere Anstrengung: Ist der Dottersack fast aufgebraucht so zieht das Küken ihn durch den Nabel nach innen, als Vorrat für die ersten Tage. Dann wird im Ei solange randaliert, bis der Schnabel die darin enthaltene Luftkammer an einem Ende aufreißt. Sofort stellt sich der Organismus auf Luftatmung um, nur ist nicht allzuviel Luft da. Das Küken droht zu ersticken, die Muskeln verkrampfen sich im Todeskampf und das Blut staut sich in der Halsmuskulatur, diese wird so stark aufgepumpt, daß ein Stück von der Eischale aufgesprengt wird. Danach muss das Küken erstmal einen halben Tag ausruhen und sich erholen.

Das Hest liegt zum Schutz vor Räubern etwa 5 km entfernt von der nächsten Wasserstelle. Einige Tage nach dem Schlüpfen der ersten Küken macht sich der Hahn dann auf den Weg zum Wasser. Wer stark genug ist zum Nachlaufen hat eine Chance zum Überleben, die schwachen und noch gar nicht geschlüpften bleiben zurück. Ein Teil der Brut und des Geleges kommt auf dem Weg zum Wasserloch um oder stirbt noch im verlassenen Ei.

Die Aufzucht der Jungen obliegt für die folgenden zwei Jahre dann dem Hahn. Da sich die Küken auf der Wiese sofort selbst versorgen besteht seine Aufgabe zum Großteil in der Bewachung, dem Warnen vor Feinden und deren Abwehr sowie als mobiler Schattenspender. Dazu kommt natürlich das Erlernen des gruppenspezifischen Sozialverhaltens. Trifft er auf einen anderen Hahn mit Jungen, so kämpfen die Hähne um die Brut, der Gewinner hat dann alle Küken am Hals. Worin dabei der evolutionäre Vorteil liegt ist mir allerdings unklar...

Ein durchschnittliches Straußenei wiegt 1,3 - 1,8 kg und entspricht etwa 24 Hühnereiern. Es ist extrem belastbar, man kann darauf sogar stehen, ohne dass es zerbricht. Leer ist es ein beliebtes Souvenir, bemalt oder unbemalt.

Fleisch und Leder

Verbunden mit BSE-Krise und Maul- und Klauenseuche in Europa ist auch hier die Nachfrage nach Straußenfleisch in den letzten Jahren stark gestiegen. Davon profitieren die Farmer im fernen Südafrika, aber auch in Deutschland gibt es mittlerweile schon Züchter. Interessanterweise sind diese erfolgreicher als die Südafrikaner, ihre Brutrate ist auch ohne Medikamente deutlich höher. Dies liegt daran, daß der Strauß trotz seiner Anpassung an die Wüstenlandschaften der Karoo es lieber etwas kühler mag, bei Temperaturen deutlich unter 30 Grad schafft es der Hahn viel besser auf die Henne. Neuesten Forschungen zufolge stammte der Strauß aus dem Mittelmeerraum und ist erst allmählich durch Afrika nach Süden gewandert.

Die größte Zuchtfarm in Deutschland bietet eine interessante Seite, die Mhou-Farm in Rheinmünster-Schwarzach.

Straußenfleisch ist durchaus mit zartem Rindfleisch zu vergleichen und sollte auch wie solches gegessen werden. Rosa bis blutig findet man es oft auf den Speisekarten der Restaurants. Ist es zu rot, so muss man es wie Carpachio mit dem Steakmesser hauchdünn schneiden. Es ist besonders fett- und cholesterinarm und immer von freilaufenden Tieren, denn Strauße lassen sich nicht wie Hühner in enge Käfige sperren.

Hat so ein Riesentier keinen ausreichenden Auslauf mehr wird seine Haut dünn und fleckig. Gepaart mit Streß kann dies dann bis zu einem Herzinfarkt führen. Besonders in jungen Jahren ist ein Strauß sehr anfälling und muss mit viel Aufmerksamkeit großgezogen werden. Wenn man nicht aufpasst so frisst ein junger Strauß alles was ihm vor den Schnabel kommt, auch Glasscherben oder Schrauben. Ist es zu heiß braucht er Schatten, ist es zu nass braucht er Wärme. Und zwischendurch knabbert er neugierig alles an, was ihm in die Quere kommt, auch Schuhe, Röcke, Kittel usw. Ab einer gewissen Größe dann ist er dann sehr unempfindlich, auch Frost und Schnee schrecken ihn nicht.

Mehr zum Thema Straußenfleisch und Rezepte findet man unter Essen und Trinken.

Das Leder vom Strauß gilt schon seit langem als das beste und exklusivste frei handelbare Leder. Man kann es leicht an den charakteristischen Noppen erkennen, die dort sind wo einst die Federn sassen. Straußenleder ist auch in Südafrika extrem teuer, da es traditionell nach geheimen Methoden in Hong Kong gegerbt wird. Häufig wird es eingefärbt verkauft und die Qualität ist sehr hochwertig. Der Preis ist leider auch hoch, unter 2.000 Rand ist eine kleine Handtasche nicht zu haben - nach oben sind dann keine Grenzen gesetzt. Tipp: Echtes Straußenleder hat an den Federnoppen kleine Einschnitte, es gibt auch Imitate mit geprägten Noppen.

Auch in Deutschland kann man Lederwaren und Fleisch direkt beim Erzeuger kaufen, Infos gibt es zum Beispiel auf der Seite vom Gemarkenhof zwischen Rhein und Ahr.

Video zum Thema

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