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REGEN BRINGT SEGEN

Wir waren bisher zwei Mal im März im Kgalagadi Transfrontier National Park unterwegs, das bedeutet zwei Mal am Ende der Regenzeit. In einer trockenen Region, in der sonst Staubteufel über den rissigen Boden tanzen und die Sonne erbarmungslos vom Himmel brennt, wird diese lebensfeindliche Hölle durch ein Ereignis zum grünen Paradies: die jährliche Regenzeit, in guten Jahren von November bis April.

Hier im Nationalpark kann man zwar immer Tiere sehen, denn es gibt genug künstlich angelegte Wasserlöcher, um sie auch in Dürrezeiten zu versorgen, doch während längerer Trockenperioden benötigt das Wild auf seinen Wanderungen weitläufige Areale, um ausreichend Nahrung zu finden. Deshalb ist es auch so wichtig, grenzübergreifende riesige Schutzgebiete zu schaffen. Die Antilopenherden dürfen auf ihrer Nahrungssuche nicht durch Hindernisse wie Zäune oder Grenzen aufgehalten werden, damit sie ihren Lebensraum nicht überweiden. Im Kgalagadi sind nur die nördlichen und südwestlichen Grenzen des Parks eingezäunt, um die Viehbestände angrenzender Farmen vor angreifenden Raubtieren zu schützen.

Doch nach dem Regen verwandelt sich die Wüste in ein Paradies mit reich gedecktem Tisch. Dann sind die Tierbeobachtungen spektakulär und man erlebt ein unbeschreiblich schönes Farbenspiel mit rötlichen Dünen, grüne Akazien, einem tiefblauen Himmel und riesigen Haufenwolken am Horizont. Manchmal ist der Himmel am Horizont Pechschwarz, während im nahen Umfeld noch golden die Abendsonne scheint. Und ein Regenbogen ist dann meist auch zu sehen.

Im Jahr 2011 fiel dieser Regen in der Region besonders üppig. Nicht umsonst nennt man die Region hier auch "Green Kalahari". In diesem semi-ariden Gebiet ist normalerweise mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 223 mm im Südwesten und 250 mm im Norden zu rechnen. Die Niederschläge fallen meist als Platzregen oder heftige Gewitterschauer, wir haben einige davon erlebt. Einmal zog eine Gewitterfront nachts über Grootkolk hinweg und im Zelt sitzend lauschten wir dem Sturm rundum. Ein einmaliges Erlebnis. Die riesigen Wolkenfronten, die am Horizont vorbei ziehen, kann man besonders gut vom erhöht auf den Dünen liegenden Kieliekrankie Wilderness Camp aus beobachten.

Auch auf dem Weg nach Grootkolk glich die Straße eher einer Seenlandschaft. Überall standen die Pfützen, denn es hatte vor unserer Ankunft drei Tage am Stück geregnet. Auch wenn es Spaß macht, mit Allrad durch die Pfützen zu fahren, die Wassermassen machen doch sehr viel kaputt. Bei tiefen Pfützen gab es Umfahrungen daneben und die glichen stellenweise einer zerfurchten Sumpflandschaft. Die vom Grader im Laufe der Jahre aufgetürmten Sandwälle rechts und links der Straße in Richtung Nossob waren vom Wasser auf einer Seite alle paar Meter durchbrochen worden. So ragte der Erosionskegel des hangaufwärts weggespülten Sandes als harter Buckel quer in den Fahrweg hinein, ähnlich den Hindernissen in unseren verkehrsberuhigten Wohngebieten. Nur dass man hier normalerweise mit Tempo 50 fährt, was einem bei diesem Straßenzustand die Plomben aus den Zähnen schütteln würde. Wenn es richtig regnet, dann bleibt man am besten auch kurz am Wegrand stehen und wartet, bis das meiste Wasser wieder abgelaufen ist, was recht schnell geschieht. Denn schließlich bedeutet der Name Kalahari so viel wie "Durstiges Land".



Pfützen und Gras

Innerhalb von zwei Wochen nach den ersten Regenfällen wächst dann frisches Gras. Wenn in den folgenden Wochen weiterer Regen ausbleibt, wird die neue Vegetation aber schon bald wieder verdorren und vertrocknen. Da dies im Jahr 2011 nicht geschah, sahen wir mit Grün bewachsene rote Dünen und hohes Gras überall. Manchmal schauten von den Springböcken gerade noch die Hörner aus dem Gras hervor. Unten ist ein Video von einer kleinen Herde zu sehen.

Die Fotomotive im Park sind je nach Jahreszeit recht unterschiedlich. Nach gutem Regen kann man besonders gut Gräser fotografieren, kleinere Tiere sie sich dort fortbewegen bleiben hingegen eher unsichtbar. Selbst Löwenrudel, die direkt neben der Straße im Gras dösen, können vollkommen verschwinden. Man sieht die großen Katzen dann nur, wenn sie sich bewegen und mal eine Tatze oder ein Kopf aus dem Gras herausschaut.

Mitten in den trockenen Flussbetten von Auob und Nossob und an den Wasserlöchern hat man die besten Fotogelegenheiten. Dort ist die Vegetation spärlicher und man hat seltener störendes Gestrüpp im Bild. Im Gras liegende Tiere fokussiert man besser manuell, der Autofokus präsentiert meist nur schönes Gras im Vordergrund...

Neben den besonders gut angepassten Südafrikanischen Oryx-Antilopen ernährt der Lebensraum Kalahari aber gerade nach dem Regen größere Herden an Streifengnus, Springböcken, Elen-Antilopen, Kuhantilopen, Strauße und Giraffen. Und wo die Graser zahlreich mit Jungtieren unterwegs sind, da sind natürlich auch die Räuber nicht weit.

Ein ganz besonderer Blick gilt immer den Bäumen entlang der Flussbetten, den hier leben nicht nur die größeren Vögel wie Eulen oder Geier. Nach der Regenzeit brüteten dort Tausende von Lappenstaren (Creatophora cinerea) und die machten auf den Bäumen im Flussbett einen Höllenlärm. Die Kleinen waren noch im Nest und verlangten lautstark nach Futter, während die Eltern ständig hin- und herflogen um das Verlangte zu bringen. Auch eher seltene Vögel wie Säbelschnäbler, Enten oder Störche findet man hier nur nach einer guten Regenzeit.

Noch ein Aspekt ist zu beachten, wenn man eine Fahrt nach der Regenzeit plant: Alle Tiere sind reich vertreten, natürlich auch auch die Insekten. Schmetterlinge sieht man tagsüber ja gerne. Aber leider ist es kaum möglich, am Abend in der Dunkelheit mit Licht im Freien zu essen. Schnell ist man von zahlreichen fliegendem Getier umgeben und große, schöne Nachtfalter landen mit Vorliebe im Wein. Einer schaffte es sogar in die Flasche.

Doch in den Camps hat man die Möglichkeit, geschützt hinter Fliegengitter in der Küche zu sitzen. Was nicht so ganz der romantischen Vorstellung vom Speisen unterm Sternenhimmel entspricht, aber wesentlich zur Entspannung beiträgt. Unten auf dem Video haben wir eine Taschenlampe kurz in die Dunkelheit am Kalahari Tented Camp gehalten, man kann schön den nächtlichen Flugverkehr sehen. Wenn man über der Aussenterasse die Lampe einschaltete, so bildete sich schnell ein wahrer Wirbelsturm von kleinen Motten darunter, welche die künstliche Lichtquelle mit dem Vollmond verwechselten.




Eigenes Video zum Thema

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