| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Central | Site-Map | HOME |
Auf der ersten Seite sind wir den Alexander Murray Trail gegen den Uhrzeigersinn bis hoch zum Haypook Summit gelaufen. Nach einer Rast und schönem Panoramablick geht es weiter, diesmal wieder bergab. Der Abstieg auf dieser Seite führt vorbei an der beeindruckende Corner Brook Gorge und dem gleichnamigen Wasserfall vorbei. Zuerst muss man jedoch einige Stufen bergab laufen, was ganz schön auf die Knie und in die Beine geht. Wir haben uns am nächsten Tag doch sehr darüber gewundert, dass wir zwar müde und erschöpft waren, aber beide keinen Muskelkater hatten. Der Weg wird als moderat bis schwierig eingestuft – wir waren stolz, ihn geschafft zu haben. Allerdings war er gut gepflegt und bis auf die Stellen mit den Wurzeln im Wald über Holzstege und Treppenstufen sehr gut zu begehen. Im Bergsteiger-Jargon ist moderat ja alles, was man ohne Hilfsmittel bewältigen kann, anscheinend zählen die Treppen als Hilfsmittel. Somit steht auf der mud-map auch "Moderate-Difficult".
Nach einem Teil des Abstiegs über etwas rutschige Steilstücke mit Felsen und kleinen Steinchen folgt der Gorge Lookout und dann kommen ganz viele Treppen. Auf halber Strecke nach unten kommt ein Abzweig zu den Corner Brook Falls, die über einen kurzen Seitenweg mit eigener Treppe erreichbar sind. Das sind steile 200 Stufen, die man zusätzlich hinunter und auch wieder hinauf muss. Unten im Schatten sieht man nur noch das letzte Stück dieses Wasserfalls, der von weiter oben in der Schlucht kommt, aber dieses ist schon spektakulär: Aus einem Wasserbecken etwas oberhalb des Grundes schießt das Wasser durch eine kleine Spalte in der Felswand fast waagerecht in 6 bis 8 Metern höhe quer in die Schlucht hinein. Es sieht aus wie eine gebrochene Hauptwasserleitung, zumindest im Frühjahr. Die Extra-Anstrengung lohnt sich auf jeden Fall.
Weiter geht es auf der Hauptroute noch einmal sehr viele Treppen bergab bis zum Flußbett des Corner Brook. Entlang des Flusses sind es noch etwa ein halber Kilometer bis zur Brücke über den Corner Brook, danach ein knapper Kilometer Flachland bis zur Weggabelung, wo wir die Schleife begonnen hatten. Dann durchquert man noch einmal die Moose Barrens, bevor der letzte Wegabschnitt zurück zum Parkplatz führt.
Wir freuten uns darauf, bald das Auto zu erreichen, und waren eigentlich wenig aufmerksam – aber plötzlich wieder hellwach. Denn genau vor uns auf dem Weg saß ein Vogel und schaute uns an.
Dieses letzte Highlight der Wanderung ließ sich nicht einplanen: Mitten auf dem Weg saß ein Fichtenhuhn (Spruce Grouse, Canachites canadensis), völlig ruhig und ohne jede Scheu.
Das auffälligste Verhalten des Fichtenhuhns ist seine außergewöhnliche Zutraulichkeit bzw. Sanftmut gegenüber Menschen. Bei Gefahr vertraut es vollkommen auf seine perfekte Tarnung im Geäst oder am Waldboden. Statt wegzufliegen, bleibt es reglos sitzen oder weicht erst im allerletzten Moment langsam um ein paar Schritte aus. Daher rührt auch sein nordamerikanischer Spitzname "Fool Hen" – dummes Huhn.
Wir waren begeistert und konnten in aller Ruhe Fotos machen, bevor es sich schließlich mit ein paar Flügelschlägen in die nächste Fichte davonmachte und dort noch malerisch im Grünen saß. Fichtenhühner sind ausgesprochen ortstreu und verbringen das gesamte Jahr in ihrem angestammten Revier im Borealwald. Ein kleiner, stiller Moment nach all den Treppenstufen.
Apropos Treppenstufen: Der Alexander Murray Trail ist ja berühmt-berüchtigt für seine Treppen und wir können jetzt mitreden. Insgesamt sind es über 2.200 einzelne Stufen, verteilt auf zahlreiche Holztreppen-Abschnitte zwischen Ausgangspunkt und Gipfel und wieder zurück. Zusammen mit dem Höhenunterschied von etwa 335 Metern zum Gipfel lässt sich das ganz gut mit einem Wohnhaus vergleichen, das haben wir uns mal ausgerechnet.
Laut unserer Aufzeichnund in Osmand haben wir 400 Höhenmeter erklommen. Bei einer üblichen Geschossgröße in einem Mietshaus von rund 3 Metern entspricht das insgesamt überwundene Höhenprofil des Trails etwa 110 bis 125 Stockwerken. Man erklimmt an diesem einen Nachmittag also gefühlt ein Hochhaus, das mehr als doppelt so hoch wäre wie der höchste Wolkenkratzer Deutschlands.
Ein sehr passendes Beispiel ist der frühere Nordturm des World Trade Centers in New York: Er hatte 110 höhere Büroetagen und war nach seiner Fertigstellung 1972 mit 417 Metern Höhe bis zur Dachkante zeitweise das höchste Gebäude der Welt. Damit trifft er unsere Leistung ziemlich genau.
Auch der Willis Tower (früher Sears Tower) in Chicago hat 108 Etagen, der Merdeka 118 in Kuala Lumpur, aktuell das zweithöchste Gebäude der Welt, hat 118 Stockwerke bei 679 Metern Höhe und das One World Trade Center, der Nachfolgebau von 2014, hat 104 Etagen.
Mit dieser Wanderung auf dem Alexander Murray Trail sind wir rechnerisch also etwa so hoch gestiegen wie einst hinauf bis zum Dach des WTC-Nordturms. Uff!























Eigenes Video zum Thema
Google Map zum Thema
| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Central | Site-Map | HOME |
| Datenschutz | Impressum |