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Auf Newfoundland gibt es nicht allzuviele Straßen, bis auf einige Stichstraßen zur Küste gibt es eigentlich nur den Transkanada Highway von Port aux Basque nach St.John's über 900 km. Trotzdem kommen hier über Stichstraßen zur zerklüfteten Küste ordentlich Kilometer zusammen. Für eine Orientierung habe ich mal einige Tabellen angelegt. Schön für deutsche Touristen: Hinweistafeln, Verkersschilder und -Regeln arbeiten mit km/h, nicht mit Meilen.
Hilfreich bei der Routenplanung ist die Webseite 511nl.ca - dort gibt es aktuelle Hinweise zu Strassensperrungen und Baustellen für Newfoundland, ähnlich wie auf 511.novascotia.ca für Nova Scotia. Wenn man sich dort einen kostenlosen Account anlegt so kann man zu geplanten Routen aktuellen Nachrichten zugesandt bekommen.
Beim Department of Transportation gibt es sogar eine Karte mit den Standorten von Webcams, wo man sich den aktuellen Straßenzustand und das Wetter anschauen kann. Wie man auf den Kamerabildern sehen kann, ist der Verkehr doch sehr entspannt.
Besondere Aufmerksamkeit sollte man auf die Tankanzeige richten. Am Transkanada-Highway von Port aux Basques nach St.John's sind es meist etwa 120 km bis zur nächsten Tankstelle, aber wenn man zur Nordostspitze nach St.Andrew fährt, so gibt es von Deer Lake aus auf 350 km keine Möglichkeit zum Tanken. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Tankstellen am Sonntag und/oder Montag geschlossen haben können.



Da die internationalen Flüge normalerweise nicht in Gander landen und die Vermieter von Campervans auf Newfoundland keine Niederlassungen haben muss man mit der Autofähre von Nova Scotia aus übersetzen. Das Unternehmen Marine Atlantic bedient die Insel mit 4 großen Schiffen ab dem Hafen von North Sydney aus, ein fünftes ist für Ende 2026 geordert.
Dabei gibt es auf Newfoundland 2 Zielhäfen: Port aux Basques direkt im Norden gegenüber von Nova Scotia, etwa 7 Stunden Fahrt für die etwa 178 km, und die 520 km lange Strecke nach Argentia im Osten Newfoundlands, mit 16 Stunden Fahrzeit. Die lange Strecke ist für die Bewohner von St.John's interessant, denn von dort nach Argentia sind es 130 km. Alternativ nach Port aux Basques wären 902 km zu fahren, also 772 km mehr. Da ist die Fähre eher schneller, man kann unterwegs schlafen und essen, und vom Preis her ist es auch OK. Allerdings wird diese Route nur drei Mal in der Woche bedient und ist entsprechend schneller ausgebucht als die kurze Verbindung. Größtes Manko: die Fähre verkehrt dort nur etwa von Mitte Juni bis Ende September!
Die Schiffe von Marine Atlantic sind je nach Baujahr ziemlich groß und haben in 8 Fahrspuren auf mehreren Autodecks bis zu 2,5 km Parkspuren für Fahrzeuge. Bis zu 1000 Passagiere habe Platz, die neueren Fähren haben eine Länge von etwa 300 Metern.
Weitere kleinere Fähren werden vom Department of Infrasturcture betrieben - wie überall in öffentlicher Hand, wenn es das allemeine Interesse erfordert, aber nicht profitabel genug, um privatisiert zu werden. Dies sind etliche Fähren im Norden von Labrador und im Süden von Newfoundland, wo es keine Straßenverbindung gibt. Des weiteren Anbindungen von Inseln vor Newfoundland, die wichtigsten Linien für Touristen sind dabei die Fähren von Farewell im Nordosten nach Fogo Island und Change Islands.
Eine weitere kurze tägliche Fährverbindunge von etwa 90 Minuten gibt es im Norden von St. Barbe hinüber nach Blanc Sablon auf dem Festland in den Nordzipfel der Provinz Québec. Von dort geht es aber nicht nach Quebec, da gibt es nämlich keine Straße in Richtung Süden, sondern über 2100 km durch das einsame Labrador direkt nördlich davon.
Doch genug der Theorie, kommen wir zu den Fakten für die Hauptstrecken. Man sollte einige Stunden vor Abfahrt der Fähre am Terminal sein, seine Buchungsnummer, Licence-Plate und Fahrzeuglänge in Fuß parat haben. Ja, in Fuß, genauso wie die Entfernung in Seemeilen angegeben wird! Im Umkehrschluss bedeutet dies: Mal eben zur Fähre und übersetzen, das ist ohne vorherige Buchung kaum möglich. Zumindest für Touristen und in der Hauptsaison, im Winter mag das ohne Probleme möglich sein. Es gibt keine offiziellen, für alle zugänglichen "Notfall-Plätze".
Vor dem Boarding müssen alle gasgetriebenen Verbraucher im Camper ausgeschaltet sein (Heizung, Herd, Kühlschrank mit Gasbetrieb) und die Gasflaschen verschlossen werden, dafür gibt es farbige Kontrollstreifen, die am Ventil zu befestigen sind. Freien Platz im Kühlschrank und Gefrierfach sollte man mit gefrorenen Eisbehältern auffüllen, damit es möglichst lange kalt bleibt. Es ist anzuraten, in der Fähre auf dem Parkstreifen die Rückspiegel anzulegen, es ist recht eng dort. Damit man schnell zurückfindet, wenn man am Zielhafen ist, die Bezeichnung des Standorts notieren oder per Foto festhalten, es gibt schließlich mehrere Decks und Treppenhäuser und viele lange Parkstreifen.
Wenn man das Fahrzeug verlässt sollte man alles bei sich führen, was man für die Stunden an Bord benötigen könnte. Während der Fahrt kommt man nicht zurück aufs Fahrzeugdeck. Gut darauf achten, dass alle elektrischen Verbraucher ausgeschaltet sind, damit die Batterie nicht entladen ist, wenn man am Ziel wieder starten will.
Haustiere kann man im Fahrzeug zurücklassen, in einer Box in einem Frachtraum für Haustiere auf dem Oberdeck abstellen, oder man mietet eine pet-friendly cabin, von denen es aber nicht viele gibt.
Sollte eine Fähre aufgrund von Wetterbedingungen ausfallen oder einen technischen Defekt haben, so ist der Service für gebuchte Fahrten recht spartanisch: Man bekommt aktuelle Informationen und wird auf die nächste mögliche Fähre umgebucht. Eine reservierte Kabine ist dann vermutlich weg, die Differeinz wird hoffentlich erstattet.
Mit Erstattung hatten wir eine sehr positive Erfahrung: Die kanadische Regierung hat die Preise für Fährverbindungen für 2026 halbiert. Da wir schon 2025 gebucht und bezahlt hatten, bekamen wir erst eine Info-Mail und kurze Zeit später die Hälfte des Preises für Fahrzeug und Passagiere automatisch zurück, der Kabinenpreis blieb gleich.

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