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An der Spitze jener schmalen Landzunge, die das fruchtbare Annapolis Valley vom weitläufigen Minas-Becken trennt, erstreckt sich der Blomidon Provincial Park als eines der landschaftlichen Highlights von Nova Scotia. Das Schutzgebiet ist weithin bekannt für seine markanten, rötlichen Sandsteinklippen, die imposant über dem Wasser emporragen und einen faszinierenden Kontrast zum dichten Grün der Mischwälder bilden.
Aufgrund der exponierten Lage garantiert der Park fantastische Aussichten, um das weltberühmte Naturschauspiel der Gezeiten an der Bay of Fundy zu verfolgen, wo sich der Meeresgrund zweimal am Tag in eine riesige, freigelegte Wattfläche verwandelt.
Wir verbrachten an diesem Ort zwei Nächte auf dem Campingplatz, der mit Toiletten und Duschen landesüblich eher knapp ausgestattet ist. Direkt im Einfahrtsbereich befindet sich eine großzügige Entsorgungsstation, die wir unmittelbar nach unserer Ankunft ansteuerten. Einzelne Pfade wurden während unseres Aufenthalts gerade frisch befestigt, um alles für die Hauptsaison vorzubereiten, welche hierzulande erst ab Mitte Juni richtig anläuft. Dazu gehörte auch die noch gesperrt Schleife der Stellplätze mit Stromanschluss, wir mussten also erstmal "unserviced" stehen.
Der Campingplatz verfügt über weitläufige Parzellen inmitten der Natur, die sich hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge im Takt von Ebbe und Flut eignen. Da zu dieser Zeit kaum andere Gäste vor Ort waren, genossen wir das Gefühl, vollkommen ungestört im Wald zu stehen. Lediglich ein kleines Streifenhörnchen leistete uns in unmittelbarer Nachbarschaft Gesellschaft.
Unser ursprünglicher Plan sah vor, von diesem Standort aus eine Wanderung zum Cape Split zu unternehmen. In Halls Harbour kamen wir jedoch mit einem sympathischen Ehepaar ins Gespräch, das uns eher davon abriet. Sie berichteten, dass die lange Strecke primär durch dichten Nadelwald verläuft und sich derzeit sehr nass sowie schlammig präsentiere, erst am Ende der Tour blickt man schließlich an einer Stelle auf markante, spitze Felsformationen, die sich jedoch richtig gut nur der Drohne von See aus präsentieren.
Ähnlich beeindruckende Kulissen ließen sich jedoch auch direkt im Blomidon Provincial Park erleben, wo ein verzweigtes Wegenetz durch das abwechslungsreiche Areal führt. Das gesamte Pfadsystem umfasst rund 13,5 Kilometer miteinander verbundene Wanderwege, die sich durch typisch akadische Mischwälder aus Zuckerahorn, Gelbbirken und Buchen schlängeln.
Da man die spektakulären Ausblicke auf das Minas-Becken und die extremen Tidenhübe der Bay of Fundy also auch wunderbar von den hiesigen Klippen aus genießen kann, verzichteten wir letztlich auf den zeitaufwendigen Ausflug zum Cape Split.










Gut gestärkt machten wir uns am Morgen nach dem Frühstück auf, um die Wanderung direkt von unserem Stellplatz aus zu beginnen. Der Jodrey Trail bildet das Herzstück des hiesigen Wegenetzes und gilt als mittelschwer bis anspruchsvoll. Er erstreckt sich über eine Distanz von ungefähr 5,6 Kilometern, wofür eine reine Gehzeit von rund zwei Stunden eingeplant werden sollte. Während des Fußmarsches durch die schattigen Abschnitte aus Birken, Buchen und Fichten lässt sich die unberührte Natur intensiv genießen, zumal wir auf dieser Strecke vollkommen ungestört und alleine unterwegs waren.
Der Pfad schlängelt sich durch ein abwechslungsreiches Waldgebiet und quert dabei mehrere kleine Bachläufe, zu denen auch der Borden Brook und der Indian Springs Brook gehören. Am Indian Springs Brook markiert ein aufgeschütteter Steinhügel das Andenken an Roy Jodrey, der dem Park seinerzeit ein weitläufiges Areal als Schenkung überließ.
Das Besondere am Jodrey Trail ist seine Routenführung, die über weite Strecken nahe an der Kantenlinie der Klippen verläuft, wovon man aber wenig sehen kann. Speziell angelegte hölzerne Plattformen garantieren an einigen Stellen atemberaubende Panoramablicke auf das tief darunter liegende Wasser und die roten Felswände. Aufgrund der starken Erosion an dieser Steilküste sollte man die markierten Aussichtspunkte im Interesse der eigenen Sicherheit keinesfalls verlassen.
Unterwegs passiert man unter anderem ein kleines, saisonal geprägtes Moorgebiet. Wer die Augen offenhält und zur passenden Jahreszeit reist, kann in den Wäldern mit etwas Glück Weißwedelhirsche, Hasen oder Stachelschweine sichten. Dieses Glück war uns zwar nicht vergönnt, doch da unsere Reise erst am Anfang stand, freuten wir uns ebenso über die Vielfalt der kleinen Singvögel und Spechte. Die Merlin-App hat in 5 Minuten 9 verschiendene Vogelarten aufgezeichnet, leider hielten sich alle gut versteckt.
Wir wählten schließlich die Abzweigung auf den Lookout Trail, einen kurzen und sehr bequem zu gehenden Rundweg von etwa einem Kilometer Länge, der sich in rund 20 Minuten bewältigen lässt. Er befindet sich im oberen Parkbereich und bildet eine perfekte Schleife, die sich direkt an den Jodrey Trail anbindet. Wenn man dem Jodrey Trail bergauf folgt, erreicht man diesen Abschnitt auf dem oberen Plateau automatisch. Alternativ ist dieser Punkt auch barrierefrei über den Woodland Trail erreichbar, welchen wir im Anschluss für den Rückweg zum Campingplatz nutzten - die Barrierefreiheit muss sich aber wohl auf spezielle Offroad-Rolatoren beziehen, so ganz ohne Stufen und Stolperfallen geht es hier auch nicht entlang.
Die Route führt durch dichte Bestände von Zuckerahorn und Birken hinauf auf eine Hochebene in 160 Metern Höhe. Als Belohnung wartet dort eine der besten Aussichten des gesamten Parks, bei klarer Sicht reicht der Blick ungehindert über das Minas-Becken bis zum ungefähr 24 Kilometer entfernten Five Islands Provincial Park auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht.
Überall im Frühlingswald blühte es. Wir sahen den Beginn der Blüten der Yellow Trout Lily (Erythronium americanum), Carolina Spring Beauty (Claytonia caroliniana), Rosafarbener Knotenfuß (Streptopus lanceolatus), und die großen roten Blüten der Aufrechten Waldlilie (Trillium erectum). Auch "Stinking Benjamin" genannt, da eher unangenehm im Geruch, den die Blüten verströmen, um Fliegen zur Bestäubung anzulocken. Sogar eine Schlange sahen wir, waren aber nicht schnell genug und konnten nur den Schwanz fotografieren, rechts im Bild zu sehen: Maritime Garter Snake (Thamnophis sirtalis pallidulus) oder Strumpfbandnatter.
Das gesamte Wegenetz ist vor Ort farblich markiert. Rote Markierungen an den Bäumen weisen den Weg in nördliche Richtung zum Indian Springs, während gelbe Zeichen den Rückweg nach Süden zum unteren Parkplatz signalisieren. Da die Pfade im Wald oft über raue Wurzeln und Steine führen und sich nach Regenfällen recht rutschig präsentieren können, ist stabiles Schuhwerk absolut ratsam.















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