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Die besondere Faszination des Blomidon Provincial Park und der angrenzenden Küstenlinie liegt in der Möglichkeit, bei Niedrigwasser direkt am Fuß der mächtigen, roten Felswände auf dem freigelegten Meeresboden zu wandern. Das ablaufende Wasser hinterlässt eine weite Fläche aus rötlichem Schlamm und glatt geschliffenen Kieselsteinen, die zu ausgiebigen Entdeckungen einlädt, erfordert jedoch aufgrund der rasch zurückkehrenden Flut stets eine aufmerksame Beobachtung der Gezeitenpläne.
Der Blomidon Provincial Park verbindet auf einzigartige Weise die Urkraft des Atlantiks mit der idyllischen Ruhe der ostkanadischen Natur und bleibt so ein unvergesslicher Höhepunkt auf der Reise durch den Osten des Landes.
Bei unserer Ankunft besuchten wir den Strandabschnitt kurz vor dem Parkeingang. Es war ein Samstag, und einige Einheimische nutzten das Areal für ein Picknick, im oberen Bereich standen Parkplätze, Picknicktische und saubere Sanitäranlagen zur Verfügung. Da zu diesem Zeitpunkt gerade Flut herrschte, präsentierte sich der Steinstrand recht schmal, während einige Wasserfälle an der Steilküste herabstürzten. Stufen aus Holz führen hier direkt hinunter zum Ufer.
Wir hielten die Szenerie auf einigen Fotos fest und steuerten anschließend den Campingplatz an. Bei der morgendlichen Abfahrt zwei Tage später bot sich uns an derselben Stelle ein völlig verändertes Bild.
Der Morgen am Blomidon-Strand war in das dichte, fast mystische Weiß des für die Bay of Fundy charakteristischen Nebels gehüllt. Das Wasser hatte sich kilometerweit zurückgezogen und den feuchten Meeresboden freigegeben. In der kühlen, salzigen Luft ließen sich kleine Priele erkennen, die sich durch das Wattenmeer schlängeln. Die Sandsteinklippen blieben zunächst fast vollständig im Dunst verborgen, was dem Ort eine beinahe unwirkliche Stille verlieh. Der Nebel löste sich jedoch erfreulich schnell auf, und der Tag entwickelte sich dann doch noch sehr sonnig.
Im oberen Parkbereich waren zahlreiche kleine Vögel unterwegs. Sie nutzten die frühen Stunden, um im Schutz des Dunstes nach Nahrung zu suchen. Für gelungene Fotografien begann nun die Jagd, die viel Geduld und die passende Technik verlangt.
Mit großer Begeisterung entdeckten wir in einem ausladenden Baum eine Gruppe von Zedernseidenschwänzen (Cedar Waxwings). Mit ihrer eleganten Federhaube, der dunklen Augenmaske und den seidigen, bräunlich-grauen Farbtönen wirken diese Tiere wie gemalt. Besonders faszinierend sind die leuchtend roten, wachsartigen Spitzen an den Flügeln und das zitronengelbe Ende der Schwanzfedern. Sie sitzen gerne in kleinen Trupps beieinander, um die verbliebenen Beeren des Vorjahres zu fressen oder im Nebel nach den ersten Insekten zu jagen. Obwohl das diffuse Licht anfangs suboptimal war, bringt ein scharfer Schnappschuss die sanften Farbverläufe ihres Gefieders perfekt zur Geltung, ganz ohne harte Schatten.
Gleich daneben suchten Wanderdrosseln (American Robin) im Gras nach Futter. Ihre leuchtend ziegelrote Brust bildet einen herrlichen Kontrast zum frischen Grün. Sie hüpfen einige Schritte, halten inne und neigen den Kopf, um nach Regenwürmern im Boden zu lauschen.
Zudem zeigten sich unzählige weitere kleine Vögel, die flinken Waldsänger (Warbler). Sie stellen die wahre Herausforderung für jeden Fotografen dar. Winzig, extrem quirlig und permanent in Bewegung, sausen sie durch das küstennahe Gebüsch. Man vernimmt ihr hohes, feines Zwitschern aus allen Richtungen und sieht gelbe oder olivgrüne Blitze durch den Dunst jagen, sie jedoch präzise zu fokussieren, erfordert eine enorme Reaktionsschnelligkeit.











Nach dem Aufenthalt am Blomidon Beach setzten wir unsere Fahrt noch ein Stück fort, um einen weiteren Küstenabschnitt namens Houston Beach zu besuchen. Der Nebel begann sich allmählich aufzulösen, als wir den fast leeren Stellplatz direkt am Strand erreichten. Außer uns war zu dieser Zeit nur eine Frau mit ihrem Hund anzutreffen, und wir nutzten die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang.
Die Region besitzt einen der faszinierendsten Küstenstreifen in ganz Nova Scotia, da die hiesigen Strände maßgeblich von den gewaltigen Gezeitenkräften des Minas-Beckens geprägt werden. Dieser spezifische Uferabschnitt erstreckt sich über eine Länge von etwa 1,5 Kilometern und besticht durch den für diese Gegend so charakteristischen, feinen roten Sand, der von beeindruckenden roten Sandsteinklippen eingerahmt wird.
Das eigentliche Naturschauspiel beginnt, sobald sich das Wasser bei Ebbe zurückzieht und den Meeresboden für mehrere Stunden freigibt. Der Strand verwandelt sich dann in eine kilometerweite, rötlich-braune Fläche aus Watt, Sand und glatt geschliffenen Kieselsteinen. Für Besucher eröffnet sich die seltene Möglichkeit, direkt am Fuß der mächtigen Felswände auf dem Meeresgrund zu wandern, wo das ablaufende Wasser kleine Priele, Muschelansammlungen und wellenförmige Muster im feuchten Untergrund hinterlässt. Diese Wattwanderungen im roten Sand bieten hervorragende Fotomotive.
Bei der Erkundung dieser Küstenzonen ist jedoch eine präzise Vorbereitung unverzichtbar, da die Flut in diesem Teil der Bucht mit enormer Geschwindigkeit und Wucht zurückkehrt. Die Gezeitenunterschiede erreichen hier Ausmaße von 12 bis 14 Metern, weshalb der Rückweg entlang der Steilküste bei auflaufendem Wasser extrem rasch abgeschnitten werden kann.
Wer ausgedehnte Touren im Watt plant, sollte sich daher im Vorfeld detailliert über die aktuellen Gezeitenkalender informieren und den Ausflug so timen, dass sicheres Terrain rechtzeitig vor dem steigenden Wasserstand wieder erreicht wird.














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