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SCHAFZUCHT

Wir waren im November in Patagonien und hatten so das Glück im späten Frühjahr der Südhalbkugel unterwegs zu sein, was uns viele Begegnungen mit Lämmern und ihren Müttern am Wegrand bescherte.

Rund 80% Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Argentinien ist Weideland. Die Schafzucht konzentriert sich dabei vorwiegend auf Ostpatagonien und auf die Provinz Buenos Aires.

Vier bis fünf Kilogramm Wolle gibt ein Schaf, das Kilo bringt dem Farmer ungefähr einen US-Dollar. Ein Schaf braucht im rauhen Patagonien drei bis vier Hektar Weideland zum grasen, die sensible Natur ninmmt jede Überbevölkerung übel und stirbt ab. In manchen Regionen sind es sogar sieben Hektar, die Mosse, Flechten und Büsche brauchen in kalten Höhenlagen Jahre zum wachsen.

Das wichtigste ist die Regenmenge, damit das Gras überhaupt wachsen kann. In der feuchten und warmen Pampa húmeda bei Buenos Aires können auf derselben Fläche 85 Tiere weiden.

Es ist wohl nicht so einfach, ein Schaf in Patagonmien zu sein. Im Frühling und Sommer ist das Wetter angenehm. Dem Wind trotzen die Tiere, aber im Winter wird es dann hart für sie, wenn sie von den Sommerweiden zu den tiefergelegenen Winterweiden getrieben werden.

Die Wolle in der Augengegend wird dann extra geschoren, damit sich dort während des Winters kein Eis bildet und die Tiere noch freie Sicht beim Grasen haben. Um dem eisigen Wind zu trotzen, stehen sie oft sehr dicht zusammen. So kommt es bisweilen vor, daß sie sich genseitig ersticken. 10-15% einer Herde kommt im Winter um, in besonders harten Wintern können es auch bis zu 40% sein. So werden über Generationen die besten Wollproduzenten herausselektiert.

Trotzdem oder gerade deshalb werden auch heute noch etwa 40% aller argentinischen Schafe in Patagonien gezüchtet. Riesige Mengen an Wolle werden produziert und exportiert, die hier zum Schutz gegen die Kälte natürlich besonders dicht und fein wächst. Patagonische Wolle steht bei den Modeschöpfern aus aller Welt hoch im Kurs, denn sie können mit ihr feinere Farbeffekte erzielen. Die Firma Bennetton zum Beispiel betreibt hier eine eigene Schaffarmen, die Besitzer sind mittlerweile mit mehr als 800.000 Hektar Land die größten Grundbesitzer der Region.


Gauchos

Eng verbunden mit der Schafzucht in Patagonien ist das Leben der Gauchos, den Königen der Pampa. Deren scheinbar freies Leben in den weiten Ebenen regt, ähnlich wie das der Cowboys im wilden Westen, die romantischen Vorstellungen von Ausländern über das Leben in Argentinien stark an.

Doch der harte Alltag sieht meist ganz anders aus als die Vorstellung, in folgendem Artikel erfährt man einges über das Leben eines Gaucho:

www.argentinische-botschaft.de/turismo/geo.htm

Die Traditionen der Gauchos gehen auf zwei Zivilisationen, die europäische und die indianische, zurück.

Gekleidet ist ein typischer Gaucho mit traditionellen Pluderhosen, mit einem Hut oder mit einer Baskenmütze, einem Halstuch, Sporen und er hat natürlich auch immer ein geschärftes Messer im Gürtel. Begleitet wird er stets von mehreren Hunden.

Ganz besonders stolz waren die Gauchos, die wir getroffen haben, auf ihre Stiefel. Ein alter Mann erzählte stolz von ihrer chilenischen Herkunft, und wieviele Jahre diese hervorragenden Lederstiefel schon halten. Ob es regnet oder schneit, diese Stiefel halten dicht. Viel Geld gab er auch für seine prächtigen Sporen aus und sein kunstvoll mit Silber verziertes Mategefäß besass er schon seit über 20 Jahren..

Am manchen besonderen Sonn- und Feiertagen kann man viele Gauchos fein gekleidet in den größeren Orten in der Steppe sehen, sonst sind sie meist einsam unterwegs und kümmern sich um ihre Tiere, trinken ihren Mate und haben kaum Kontakt zur Aussenwelt.

Die Geschicklichkeit dieser Männer ist legendär, sei es im Umgang mit den Tieren oder mit den Boleadoras oder Bolas. Das sind drei in Ledertaschen an Stricke gebundene faustgroße Steine, die dem Vieh zum Einfangen um die Beine geworfen werden, damit es zu Fall kommt.

Ein Gaucho kann auch gut mit dem Messer umgehen - dem Facon (daher Facon-Schnitt beim Frisör) - und beherrscht das Zubereiten und Haltbarmachen von Fleisch durch Pökeln. Auch für Touristen kommt ein wenig Gauchoromantik auf, wenn sie an einem Asado teilnehmen, wo Lämmer über offenem Feuer schmurgeln.

Ihrer Herkunft nach waren die Gauchos eher Mestizen, aber im Grunde ist der Begriff des Gaucho eher eine Art Weltanschauung oder Lebenseinstellung. Es hat im Laufe der Zeit auch immer wieder Aussteiger aus Europa gegeben, die das freie und einsame Leben eines Gaucho wählten.



Katastrophen

Die jahrzehntelange Schafwirtschaft hat in Patagonien ihre Spuren hinterlassen und die ersten Pioniere, die oft heroisch als Mutig und Kühn gefeiert werden, haben schwere Verbrechen an Mensch und Natur begangen und für Jahrhunderte Spuren hinterlassen.

Die ersten Farmer schossen alles nieder, was der Expansion ihrer Schafherden im Wege stand. So töteten die eingewanderten Europäer gegen Ende des 19. Jahrhunderts die alteingesessenen Naturvölner der Tehuleche, Yámana und anderer indianischer Stämme, die seit tausenden von Jahren hier lebten. Ein Genozid, der weltweit kaum Beachtung erfuhr.

Auch Pumas oder Füchse waren lästig und wurden gnadenlos verfolgt und mit arsenhaltigen Ködern vergiftet.

Die Suche nach schnellem Profit begünstigte Überweidung und trug so zur Steppenbildung bei, was man heute an einige Orten noch deutlich erkennen kann. Zum Beispiel wenn man einen Ausflug mit der Upsala Explorer zur Estancia Christina macht...

Sehr interessant ist dieser Artikel zum Thema Versteppung.

Das Leben in Patagonien ist schwer und die Umwelt scherte jahrzentelang niemanden. Zwischen 1930 und 1970 war die Glanzzeit der patagonischen Schafzucht. 7 Millionen Schafe weideten auf mehr als 1.000 Estancias. Doch dann begann in den siebziger Jahren der schleichende Niedergang durch sinkende Wollpreise. Auf den riesigen Farmen im Herzen Patagoniens basierten Kultur und Wirtschaft allein auf der Schafhaltung. Nach und nach mussten wegen sinkender Preise und der Versteppung durch Überweidung hunderte Betriebe aufgeben.

Doch damit nicht genug, die Schafzucht in Patagonien hat noch einen ganz anderen Schicksalsschlag hinter sich und davon haben sich sehr viele Betriebe nie mehr erholt: Am 08. August 1991 brach in Chile an der Grenze zu Argentinien der Vulkan Hudson aus. Innerhalb einer Woche wurden Millionen von Tonnen Vulkanasche durch den starken Westwind im argentischen Teil von Patagonien bis hin zum Atlantik verteilt.

Diese Bims-Asche legte sich wie ein Todestuch auf alles, verstopfte die Wasserlöcher, legte einen Staubfilm auf jeden Grashalm. Beim Fressen schmirgelten sich die Zähne der Schafe zu nutzlosen Stümpfen ab, so dass sie wie uralte Elefanten qualvoll verhungerten. Über 400 Farmen wurden damals verlassen, einfach aufgegeben, über 200.000 Schafe starben.

Heute haben viele der Estancias reiche Amerikaner als neue Besitzer, die in Patagonien Ruhe und Abgeschiedenheit suchen, oder internationale Konzerne, die Acker- und Weideland aufkaufen.



Video zum Thema

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