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ALLGEMEINES

Patagonien ist kein dicht besiedeltes Land, weiter im Süden geht die Bevölkerungsdichte auf 0,7 Einwohner pro km² herunter - inklusive der wenigen Städte. Im Bereich der großen Estancias kommt man wohl eher auf 0,1 Einwohner pro km². Für den Reisenden bedeutet dies Verhältnisse wie im australischen Outback. Die Farmen liegen meist etliche Kilometer abseits der ungeteerten Hauptstraße, mehrere hundert Kilometer Einsamkeit trennen die kleine Orte, wo es nicht immer eine Tankstelle oder gar einen Bankautomaten gibt.

Zur Auswahl stehen je nach Lage Hotels, Hosterias (Pensionen), Cabañas (Ferienwohnungen) oder Fremdenzimmer im Ort bzw. auf den Estancias, mal mit und mal ohne Möglichkeit zum Essen. Je nach Planung der Tagesetappen sollte man die Zimmer auf den einsamen Estancias vorbuchen, auch wenn in der Nebensaison sicher nicht alles ausgebucht ist. Aber eventuell steht man vor verschlossener Tür, weil keine Gäste avisiert waren und die Belegschaft zur Einkaufstour im nächstgrößeren Ort weilt - 2 anspruchsvolle Fahrstunden entfernt.

Noch mehrere Gründe lassen eine Reservierung an ganz entlegenen Orten empfehlenswert erscheinen: Einige Nationalparks und anderen landschaftlich sehenswerte Regionen erreicht man nur mit langer Anfahrt. Manche dieser Orte möchte man dann nicht nur zur Mittagszeit erleben, sondern auch für mehrere Tage bleiben, wandern oder reiten. So braucht man ein Zimmer vor Ort.

Und dann möchte man Reisegruppen meist lieber aus dem Weg gehen, da man als Einzelreisender oder Paar ja eher die Einsamkeit sucht. Dem kommen manche Estancias entgegen, indem sie bei ihrer Raumplanung zwischen diesen Reisenden unterscheiden.

Zum Essen und Frühstück allgemein gibt es auf den Kulinaria-Seiten mehr zu erzählen, daher hier nur einges zur Ausstattung der Unterkünfte.

Hinweis: Einige negative Bemerkungen auf dieser Seite sollen kein Pauschalurteil sein, sondern nur zeigen, womit man durchaus rechnen kann. Ist die eigene Unterkunft netter - um so besser. Im anderen Fall werden mit unseren Informationen vielleicht allzu böse Überraschungen gemildert. Bei den teilweise recht hohen Preisen vor Ort kann es durchaus vorkommen, das man mehr erwartet als im Allgemeinen geboten wird.

Zimmer

Ordentlich und sauber waren unsere Zimmer fast alle, oft auch ansprechend dekoriert und gestaltet. Aber sehr vielen Unterkünften konnte man die argentinische Krise deutlich ansehen. Trotz aller Bemühungen und einger punktueller Renovierungen sind viele Dinge ganz einfach abgenutzt und verschlissen bis zum geht nicht mehr.

Zwischen "gepflegt antik" und "alt und heruntergekommen" besteht eben ein deutlicher Unterschied, der leider manchmal auch ein sauberes Zimmer irgendwie angeschmuddelt und armselig wirken läßt.

Sehr gewundert haben wir uns darüber, wie die meisten patagonischen Bauherren mit ihrem Klima umgehen. Fast überall Einfach-Verglasung und Außenwand-Gasheizung in jedem Zimmer - einem Mitteleuropäer kribbelt es dabei angesichts der Energieverschwendung und bekannter skandinavischer Dämm-Standards.

Wenn in jedem Zimmer die Heizung schon auf Minimum laufen muss, nur um den Wärmeverlust durch das Abgasrohr auszugleichen, so darf man sich darüber schon wundern, auch ohne den "deutschen Oberlehrer" hervorkehren zu wollen. Trotzdem haben wir auf unseren Zimmern nie gefroren. Wenn wir nach mehreren Tagen Pause aber die ersten Gäste waren, so dauerte das Aufheizen dann doch schon einige Zeit...

Die Ausstattung der Zimmer empfanden wir meist als sehr knapp bemessen. Ablagen für die Koffer, Schrankraum, Stühle, eine Schreibgelegenheit - all diese Bedürfnisse kann man durchaus unterschiedlich interpretieren und wurden hier meist wenig befriedigt. Ein gemeinschaftlich zu nutzender Aufenthaltsraum konnte aber in vielen Fällen Ausgleich bieten. Oft diente uns ein im Zimmer befindliches zusätzliches Einzelbett als Ablage.

Betten

Lang genug auch für den großen Michael waren die Betten durchaus, also 1,90 m oder mehr. Aber sie waren meist recht schmal, also 1,40 m oder 1,50 m für das Doppelbett bzw. Einzelbetten unter 90 cm Breite. Das wird schon knapp, wenn ein großer Mensch seine Knie anzieht.

Zudem neigten viele Doppelbetten zur Senkenbildung in der Mitte. Für einen ruhigen Schlaf war dies eher hinderlich, sooo nahe will man sich ja manchmal auch nicht kommen. Wenn man die Wahl hat, so ist es durchaus zu überlegen, zwei Einzelbetten aneinander zu stellen und die Lücke mit einer Decke zu stopfen. Generell überwiegt der Trend zum Einzelbett bzw. zu Zimmern mit 3 oder mehr Einzelbetten. Auch ein Zimmer mit 5 Betten für die Familie ist durchaus zu finden. Gruppenreisende müssen sich manchmal darauf einstellen mit mehreren Mitreisenden ein Zimmer zu teilen.

Auch die weltweit verbreitete Methode, als Bettwäsche ein Laken mit einer warmen Decke an drei Seiten unter der Matratze fest zu stecken und so eine Art Schlafsack zu bilden, ist zwar warm, funktioniert aber beim Einzelbett deutlich besser. Zum Nachbessern für verfrorene Naturen standen überall zusätzliche Decken zur Verfügung.

Anders als in Australien waren die Kopfkissen in Argentinien fast immer weich und dünn genug, um einen verrenkten Hals zu vermeiden. Im Doppelbett gibt es aber oft nur ein Kopfkissen für beide, eine Art weiche Rolle so breit wie die Matratze. Leider war manchmal der Bezug nicht so breit, stand an beiden Seiten offen und offenbarte sein Innenleben...

Bad

Ebenso wie in den Zimmern waren Ablagen in den Bädern meistens Mangelware. Dafür gab es fast überall ein Bidet. Von einer Benutzung haben wir wohlweislich abgesehen. Zum einen schießt der gefächerte Strahl wie ein Springbrunnen lustig bis in Augenhöhe, zum anderen muss man oft das Wasser mehrere Minuten laufen lassen, bis vom weit entfernten Heizboiler etwas Warmes am Hahn angekommen ist.

Auch dort wo durch einen großen Warmwassertank für ausreichend Nachschub gesorgt war konnte das Ambiente nicht immer zur heißen Dusche animieren. Zugige Fenster, schlecht isolierte Decken zum Dachboden und heulender Wind ließen uns manchmal auf einen längeren Aufenthalt im Bad verzichten. Ein schönes Badezimmer haben wir dafür um so mehr genießen können - selbstverständlich ist es nicht.

Eine Bemerkung verdient auch die Wasserspülung: Die meist seitlich am Spülkasten angebrachten Knöpfe verlangen einen beherzten schwungvollen Einsatz des Druck-Fingers. Ein nur zaghafter Versuch zum Auslösen der Spülung führt zu nichts.

Strom

Die Frage nach den richtigen Steckdosen und der Stromversorgung stellt sich jeder Weltreisende von ganz allein. Stärke und Spannung sind europäischen Verhältnissen ausreichend ähnlich. Bei den Steckdosen scheint Argentinien ein Land des Wildwuchses. Zwei Varianten haben wir allein in Patagonien gefunden:

Dazu kommen noch Varianten, die an einigen touristischen Orten in Steckdosen mit Multinorm möglich sind:

Für deutsche Reisende mit Rasieraparat und Ladegeräten reicht somit ein Adapter für Australien, ansonsten passen die dünnen Euro-Stecker sowieso. Für einen Fön mit dickem Schuko-Stecker braucht man noch einen Adapter auf die dünnere Euro-Norm.

Das Fönen bringt aber noch einen weiteren Knackpunkt zum Vorschein: Wann und wo gibt es überhaupt Strom? Fast alle Estancias haben keinen Anschluß an das reguläre Stromnetz, bei den Entfernungen kein Wunder. Der Stromgenerator auf Dieselbasis läuft aber nur einige Stunden am Abend, um die Batterien wieder aufzuladen und Beleuchtung zu liefern. Davor und danach versorgen die Batterien eine zweite Garnitur von Lampen mit 12 Volt Gleichstrom sowie das wichtige Funkgerät. Einige Estancias haben sogar überall doppelte Lichtschalter, einen für Normalstrom, einen für Batteriestrom.

Konsequenz für den Reisenden: Rasieren, Haare waschen und Fönen erledigt man am besten vor dem Abendessen, oder man überredet die Gastgeber, doch am Morgen vor dem Frühstück den Generator noch mal anzuwerfen.

Fazit

Nach 4 Wochen können wir nur ein Urteil abgeben: Die meisten Unterkünfte sind kein Grund für eine Patagonienreise. Wir haben keine Probleme mit einfachen Verhältnissen, aber dann sollten auch die Preise dem entsprechend sein. In vielen Herbergen stimmen die Relationen einfach nicht, als Reisender nimmt man die zweifelhafte Qualität und die Abzocke hin, weil Landschaft und Tierwelt dafür entschädigen.

Wenn aber jemand danach fragt, so sollte man solche Dinge ruhig zur Sprache bringen. Argentinien als Reiseland ist im Kommen, und auch an einsamen Plätzen regt sich unterdessen Konkurrenz. Dies merkt man deutlich in etwas touristischeren Gegenden, wo die Qualität im allgemeinen besser war.

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