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TELEGRAPH STATION

In fast jedem größeren australischen Ort entlang der Overland Telegraph Line kann man eine Telegraph Station besichtigen. Wir haben uns für die bei Tennant Creek entschieden, stellvertretend für alle anderen. Diese Station liegt 11 km nördlich der Stadt, im Tennant Creek Telegraph Station Historical Reserve und wurde 1872 als eine der Stationen gegründet, die sich entlang der 3.600 km langen Linie Adelaide - Darwin befinden und dem örtlichen Telegrafisten- und Reperatur-Team als Wohnort diente.

1979 wurde die Station geschlossen und ist nun ein frei zugängliches Freilichtmuseum ohne Eintritt. In der Trockenzeit gibt es zwischen Mai und Oktober Führungen, die von den Rangern der Parks and Wildlife Commission angeboten werden. Zur Zeit findet diese "Messages from the Line and Beyond Tour" immer Freitags um 9:00 Uhr statt und dauert eine Stunde. Das Visitor Information Center in Tennant Creek gibt Auskunft über die Termine.

Vom kleinen Parkplatz aus geht man einige Meter zu den historischen Gebäuden, die scheinbar erst kürzlich eine Restaurierung bekamen. Im Inneren wurde sogar noch gearbeitet, als wir die Station besuchten. Zu sehen ist das Haupthaus, Vorratsspeicher und Nebengebäude mit Metzgerei und Stallungen, darin eine Sammlung alter Dokumente und einige technische Geräte. Geöffnet ist das Museum von Mai bis Oktober täglich von 9-16 Uhr.

Gegenüber der Telegraph Station findet man zwei Gräber, in einem liegt Tom Nugent, Besitzer der Banka Banka Station -eEr starb 1911 - im anderen Grab liegt ein Arbeiter des Telegrafenamts namens Archibald Cameron, der 1918 starb.



Geschichte

Ab 1855 gab es in Australien wilde Spekulationen, wie und wo die Telegrafenlinie nach Europa verlaufen sollte. Südaustralien war sehr daran interessiert und hielt trotz des Desasters der Expedition von Burke und Wills im Auftrag der Regierung von Victoria an seinem Plan fest, das Zentrum der Nachrichtenverteilung in Adelaide zu etablieren. Für die ausgesetzte Belohnung von 2.000 Pfund unternahm McDougall Stuart 6 Anläufe für die Vermessung einer möglichen Telegrafenlinie und kam zwischen 1860 and 1862 auf drei verschiedenen Expeditionen durch die Region. Die Bedeutung der elektrischen Telegrafie wird deutlich, wenn man sieht, daß zum Beispiel sowohl eine englische als auch eine australische Tageszeitung heute noch "Daily Telegraph" heißt.

Nach der politischen Festlegung der Prioritäten und Auftragsvergabe 1870 waren die Arbeiten für die eigentliche Telegrafenlinie dank der guten Vorarbeit von Stuart schon 1872 beendet. Die damalige Technologie der Morse-Telegrafie erforderte trotz fortschritlichster Porzellan-Isolatoren auf den Leitungsmasten alle 200 bis 300 km eine Wiederholungs-Station. Dort konnten die elektrischen Signale der Nachbarstation noch zuverlässig empfangen und aufgezeichnet werden, worauf der diensthabende Telegrafist sich selbst wieder an die Morsetaste setzte und die Nachricht erneut weitergab.

Es gab nun entlang der Strecke viele eher behelfsmäßige Telegrafenstationen aus Holz, welche durch Termiten schnell baufällig wurde. Eine dauerhafte Relaisstation aus Steinen der Umgebung und mit Wellblechdach wurde dann beim heutigen Tennant Creek erst 3 Jahre später, im Jahr 1875, errichtet. Wie auf einem Leuchtturm gab es eine feste Besatzung, die Schichtdienst leistete, und die sich neben dem Telegrafieren auch um alle anderen technischen und leiblichen Belange kümmern mußte.

Sehr viel Arbeit machten die elektrischen Zellen. Ohne Generatoren zum Aufladen wurden diese Flaschen aus Glas durch immer neue Füllungen mit passenden Chemikalien zu Elektrizität liefernden Zellen. Um die nötige Spannung für den Telgrafen zu erreichen waren in jeder Station hunderte solcher Zellen in Serienschaltung notwendig, und etliche weiter für Wartung, Pflege und als Reserve.

Die Versorgung mit diesen Chemikalien und natürlich Nahrungsmitteln war ebenfalls sehr aufwendig. Die erste Schafherde, die von Adelaide nach Darwin getrieben wurde, wobei an jeder Station eine gewisse Menge Tiere zur Zucht und Fleischversorgung zurückgelassen wurde, brauchte für die Strecke ein ganzes Jahr.

Für viele Jahre war dann hier die einzige europäische Siedlung innerhalb von mehreren Hundert Kilometern. Rundum lebten Warumungu Aboriginal People und nach schweren Dürren um 1880 ließen sich einige in einem Camp nahe der Station nieder. Regelmäßig kam Besuch von Viehhändlern, Prospektoren und von anderen Reisenden, die auf dem Weg von Adelaide nach Darwin unterwegs waren. Besuch war immer gern gesehen, weil es neue Abenteuergeschichten an der abendlichen Tafel zum Austauschen gab - das Neusete aus der weiten Welt erfuhr man ja aus erster Hand. Es entwickelte sich quasi ein rudimentäerer Tourismus. Man errichtete 1890 einen Laden, in dem Weizen, Zucker, Tee und Decken an die örtlichen Aborigines verkauft wurden. Sie lebten hier fest von 1892 bis 1934.

Doch dann kam der Goldrausch und der Ort Tennant Creek entstand ganz in der Nähe, 1935 bekam die Siedlung ein Post Office, das war das Ende der abgelegenen Telegraph Station, die nun nicht mehr benötigt wurde.


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Telegraph Station


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